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Agrochemie-Serie: Weniger «Chemie» auf dem Feld

In der konventionellen Landwirtschaft werden 27 Prozent weniger Pflanzenschutzmittel angewendet als vor zehn Jahren. Im Gegensatz dazu werden 40 Prozent mehr PSM verkauft, die auch in der biologischen Landwirtschaft eingesetzt werden.

Im Februar 2019 hat das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) erstmals eine Verkaufs-Statistik von Pflanzenschutzmitteln in der Schweiz veröffentlicht. Wenn man die Diskussionen rund um die Pflanzenschutzmittel (PSM) der letzten Monate verfolgt hat, erstaunt das Ergebnis.

Die Verkaufsmenge an PSM in der konventionellen Landwirtschaft ist seit 2008 von 1711 auf 1244 Tonnen gesunken, was einem Rückgang von 27 Prozent entspricht. Einen besonders deutlichen Rückgang verzeichnen gemäss BLW die Herbizide. Darunter speziell Glyphosat, dessen Verkäufe gegenüber 2008 sogar um 45 Prozent zurückgingen.

Im Gegensatz dazu hat die Menge der PSM, die sowohl in der biologischen als auch in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt werden, um 40 Prozent zugenommen.

Immer weniger Herbizide in der Schweizer Landwirtschaft …

Im vierten Jahr in Folge war die Gesamt-Verkaufsmenge im vergangenen Jahr rückläufig. Alleine von 2016 auf 2017 ist die Menge von 2200 auf 2030 Tonnen PSM gesunken.

Eine detaillierte Analyse der Zahlen lässt interessante Schlüsse zu: Von 2008 bis 2017 sank die Herbizid-Menge von 850 auf 599 Tonnen, was einem Rückgang von 29 Prozent entspricht.

Dieser Trend ist weitgehend auf den Rückgang der Glyphosat-Menge zurück zuführen, die von 2008 bis 2017 von 340 auf 186 Tonnen Glyphosat gesunken ist. Dies entspricht einem Rückgang um 45 Prozent. Auch dass vermehrt auf mechanische Unkrautbekämpfung gesetzt wird, ist gemäss dem BLW eine mögliche Erklärung für den geringeren Herbizidverbrauch.

… dafür mehr Wirkstoffe für die biologische Landwirtschaft

Im Gegensatz dazu erhöhten sich die Verkäufe von Wirkstoffen, die in der biologischen Landwirtschaft eingesetzt werden, von 2008 bis 2018 von 600 Tonnen auf 840 Tonnen. Dies entspricht einer Zunahme um 40 Prozent.

Diese Entwicklung lässt sich teilweise damit erklären, dass die Fläche für den Bio-Landbau von 2008 bis 2017 um 33 Prozent grösser wurde. Zudem verwenden auch immer mehr konventionell produzierende Landwirte diese Produkte, anstelle von anderen Pflanzenschutzmitteln.

Die in der Bio-Landwirtschaft eingesetzten Pflanzenschutzmittel sind aber nicht grundsätzlich unbedenklicher als Mittel, die von konventionellen Bauern eingesetzt werden. So wird beispielsweise ein Grossteil der Kupfer-Präparate zum Schutz von Obst, Wein und Kartoffeln als gesundheitsschädigend und umweltgefährdend eingestuft.

Schweizer Landwirtschaft ist mit PSM-Reduktion auf gutem Weg

Ausserhalb der biologischen Landwirtschaft wurden 2017 immer noch 1244 Tonnen angewendet. Das bedeutet zwar wie eingangs schon erwähnt ein respektables Minus von 27 Prozent – einige dieser PSM bergen aber ein besonderes Risikopotenzial. Unter anderem ist ihre Akkumulation im Boden kritisch zu sehen.

Im Aktionsplan Pflanzenschutzmittel wurde das Ziel gesetzt, die Verwendung dieser Produkte bis zum Jahr 2027 gegenüber der Referenzperiode 2012 bis 2015 von damals 1450 Tonnen um 30 Prozent zu senken.

Mit einem Rückgang um 14 Prozent zum jetzigen Zeitpunkt ist die Schweizer Landwirtschaft auf einem guten Weg – hat aber noch einen weiten Weg vor sich, um bei dem Bild zu bleiben. Bis 20017 muss die Menge der Pflanzenschutzmittel, die ausserhalb der biologischen Landwirtschaft eingesetzt werden, auf 1000 Tonnen gesenkt werden.