Wertschätzung und Wertschöpfung sind eng gekoppelt. Gelingt es der Schweizer Landwirtschaft die Wertschätzung zu verbessern, kann am Markt mehr Wertschöpfung generiert werden. Zur Verbesserung der Wertschätzung braucht es qualitativ gute Produkte aus glaubwürdigen, nachhaltigen Produktionssystemen. Die Kommunikation fällt wesentlich einfacher, wenn die Produktion verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit sinnvoll vereint, insbesondere jene des Tierwohls. Dazu müssen verschiedene Aspekte wie Haltungssystem, stressarmer Umgang mit den Tieren und Genetik zusammenspielen.
Die Schweizer Schweinezucht differenziert sich seit vielen Jahren von internationalen Trends. Während international die Anzahl lebend geborener Ferkel, die Mastleistung und die Fleischigkeit im Fokus stehen, verfolgt das Zuchtprogramm der Suisag einen breiter abgestützten Ansatz. Die Ferkelzahl wird bei uns, bei gleichzeitiger Reduktion der Ferkelverluste, moderat gesteigert. Die Fleischqualität wird laufend verbessert, während beim Muskelansatz auf ein Optimum und nicht wie in den internationalen Märkten auf ein Maximum hingearbeitet wird, ohne dabei eine effiziente Futterverwertung aus den Augen zu verlieren. Das Schweizer Schwein existiert und wird laufend verbessert.
Sicher wäre es erstrebenswert für den Bio-Bereich ein Schwein mit etwas tieferer Milchleistung zu züchten, um die Muttersau während der langen Säugezeit, welche in der Bio-Produktion umgesetzt wird, zu entlasten. Aber ist ein Zuchtprogramm für einen Bio-Markt von knapp 2 % überhaupt realistisch, wenn bereits die schweizweiten Zuchtprogramme mit zu kleinen Zuchtpopulationen kämpfen?
Im Rahmen der neuen Programme zur Futterproteinabsenkung wird der Bund dem Bio-Schwein gut 20 % höhere Gehalte (12,8 vs. 10,5 g Rohprotein/MJ Energie) zugestehen. Dabei ist die schlechtere Futterverwertung noch nicht berücksichtigt, welche die Bioschweine erreichen. Die benötigte Proteinmenge in der Biomast ist heute zirka 35 % höher im Vergleich zur konventionellen Produktion. Falls mit dem «Neuen Schweizer Schwein» gegenüber der heutigen Genetik eine tiefere Mastleistung angestrebt wird, könnte der Proteinmehraufwand rasch auf 50 % steigen. Die Frage sei erlaubt, ob eine solch tiefe Ressourceneffizienz in ein glaubwürdiges nachhaltiges Label passen würde.
Und dann bleibt noch die Frage nach der Nebenprodukte-Verwertung. Das Schweizer Schwein verwertet Nebenprodukte seit vielen Jahren sehr effizient. Der limitierende Faktor ist nicht die Genetik, sondern der teilweise hohe Phosphorgehalt, der uns in der Futterformulierung einschränkt und dann vor allem deren Verfügbarkeit. Geflügel- und Gastro-Nebenprodukte muss das Schwein in einer modernen Kreislaufwirtschaft wieder verwerten können. Dazu braucht es kein «Neues Schweizer Schwein», sondern neue gesetzliche Rahmenbedingungen, welche zeitgemäss und kreislaufkonform sind.
Ein «Neues Schweizer Schwein» kann eventuell zu mehr Wertschätzung beitragen, sollten aber dabei die Produktionskosten massiv steigen und die Ressourceneffizienz sinken, wage ich den Nutzen für Landwirtschaft und Gesellschaft zu bezweifeln.

