Nie zuvor gab es in der Schweiz derart viele Fälle von FSME-Übertragungen auf Menschen wie im Jahr 2020. Neu gilt deshalb die ganze Schweiz als Risikogebiet. Weil sich Landwirte praktisch täglich in der Natur aufhalten, teilweise auch im Wald, gehören sie zum Personenkreis mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko. Das Bundesamt für Gesundheit BAG empfiehlt darum Landwirten, sich wenn immer möglich impfen zu lassen.
Weil Zecken nicht sofort zustechen, sondern am Körper des Wirts entlang «wandern», um den besten Platz für den Stich auszuwählen, sollte man nach jedem Arbeitstag draussen den Körper nach Zecken absuchen – und auch am Tag danach.
Es verschiedene Möglichkeiten zur Zeckenentferungen und auch Möglichkeiten, Zecken mit natürlichen Mitteln abzuwehren.
Unser Listicle zeigt die sieben wichtigsten Fakten über Zecken.
Wo muss man auf Zecken aufpassen?
Zecken leben im Gras, am Waldrand, in Büschen, im Unterholz, aber auch auf Sportplätzen, in Stadtparks und Gärten. Die Frage ist also eher: Wo ist die Zecke nicht?
Zecken bevorzugen feuchte und warme Lebensräume und der Morgen ist ihre aktivste Tageszeit. Ist ein Wirtstier gefunden, reisst die Zecke die Haut mit scherenartigen Mundwerkzeugen auf. Mit ihrem Stachel bohrt die Zecke dann eine Grube in das Gewebe und saugt nachfliessendes Blut nach und nach ab. Obwohl also oft von einem Zeckenbiss die Rede ist, beisst die Zecke nicht, sondern sie sticht.
Das eingesaugte Blut wird direkt in den Darm geleitet, der aus vielen Anhängen besteht und so dehnbar ist, dass die Zecke im vollgesogenen Zustand 200 Mal mehr wiegt. Normalerweise leben Zecken drei bis fünf Jahre. Von einer Blutmahlzeit können sie sehr lange zehren.

Welche Menschen und Nutztiere sind gefährdet?
Für Landwirte besteht die Gefahr eines Zeckenstiches bei der Weidearbeit, beim Heuen oder im Wald.
Hoftiere wie Hunde und Katzen streifen gerne durch das hohe Gras, wo die Zecken auf Wirtstiere warten.
Milchliefernde Nutztiere wie Kühe, Schafe und Ziegen grasen auf der Weide und an Waldrändern. Ihre empfindliche Haut an Bauch und Euter ist «perfekt» für Zecken.
Wenn Wiederkäuer von Zecken gestochen werden, hat das einen positiven Nebeneffekt auf das nächste Opfer: Das Blut der Wiederkäuer hat eine desinfizierende Wirkung auf die Zecken, in denen keine Borreliose-Erreger mehr nachzuweisen sind.
In jedem Lebensstadium andere Wirtstiere
Die Wirtstiere der Zecke unterscheiden sich je nach Lebensstadium des Parasiten. Zwischenwirte sind Tiere, die der Zecke während der Entwicklung zur Blutnahrung dienen. Endwirte sind die Nahrungsquelle der adulten, voll entwickelten Zecke.
1. Lebensstadium: Die Zeckenlarve schlüpft aus dem Ei. Sie ist nur 1 mm gross, hat erst drei Laufbein-Paare und klettert nicht höher als 10 cm. Für ihre erste Blutnahrung sucht sie sich als Zwischenwirt kleine Nager wie Waldmäuse.
2. Lebensstadium: Die Nymphe hat vier Laufbein-Paare und klettert bis 50 cm hoch. Für ihre zweite Blutmahlzeit sucht sich die Nymphe etwas grössere Zwischenwirte wie Eichhörnchen, Katzen oder Füchse.
3. Lebensstadium: Nach der Häutung der Nymphe hat die Zecke ihr adultes Stadium erreicht. Für ihre dritte und letzte Blutmahlzeit befällt die Zecke ihre Endwirte: Wildtiere, Haustiere, Nutztiere und Menschen.

Wieso gibt es Zecken neu auch in Berggebieten?
Früher lebten Zecken eher selten oberhalb von 700 bis 800 m ü. M., viel eher in tieferen Lagen. Eine klare Verbreitungsgrenze nach Höhenlage gibt es allerdings nicht.
Die Anzahl der Zecken in den verschiedenen Höhenlagen schwankt je nach Wetter von Jahr zu Jahr. In den letzten Jahren scheinen die Zecken aber höher zu steigen – sogar bis 2000 m ü. M.
Forscher vermuten, dass es einen Zusammenhang zwischen der Klimaerwärmung und der Verbreitung von Zecken in höheren Lagen gibt. Höhere Monats-Durchschnittstemperaturen in den Bergen ermöglichen es der Zecke, auch dort zu überleben und sich fortzupflanzen.
Welche Krankheiten übertragen die Zecken?
Borreliose
Die Borreliose (Lyme-Krankheit) ist die häufigste von Zecken übertragene Krankheit. Sie wird in sämtlichen Gebieten der Schweiz übertragen,in denen Zecken vorkommen. Gemäss Bundesamt für Gesundheit BAG sind5 bis 50 Prozent der Patienten mit dem Borreliose-Erreger infiziert.
Nach dem Zeckenstich verursacht das Bakterium Borrelia burgdorferi zuerst eine Rötung um die Einstichstelle. In einem zweiten Stadium kann es nach Wochen, Monaten oder sogar Jahren zu einem Befall der Gelenke, der Haut, des Nervensystems und des Herzens kommen.
Frühsommer-Meningoenzephalitis
Auch die Frühsommer-Meningoenzephalitis FSME wird (mit Ausnahme der Kantone Genf und Tessin) in allen Gebieten der Schweiz übertragen.
In der ersten Phase klagen Patienten über grippeartige Symptome, die nach ein paar Tagen wieder verschwinden. Ein Zusammenhang mit einem Zeckenstich wird selten hergestellt. Bei etwa5 bis 15 Prozent der Infizierten kommt es danach zu einem Befall des zentralen Nervensystems mit Symptomen einer Hirnhautentzündung (starke Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit und Schwindel, Konzentrations-, Sprech- und Gehstörungen). Etwa 1 Prozent der Patienten mit diesen neurologischen Symptomen stirbt an FSME.
Babesiose
Die Babesiose wird meist durch den Erreger Babesia canis übertragen wird. Das Wirtstier ist meist ein Hund, dessen rote Blutkörperchen bei einer Infektion befallen und zerstört werden. Babesiose-Infektionen sind aber auch bei anderen Wirtstieren und beim Menschen möglich.
Früher glaubte man, dass die betroffenen Hunde bei einem Aufenthalt in mediterranen Ländern damit infiziert wurden. Heute weiss man, dass es auch in der Schweiz Babesiose-Hotspots gibt. Konkret die Region um den Genfersee und der Tessin.
Ehrlichiose
Bei Fieber mit unklarer Ursache, Schüttelfrost und einem auffälligen Blutbild sollte an eine Infektion mit Ehrlichiose gedacht werden. Auch Hunde sind vom bakteriellen Erreger Ehrlichia canis oft betroffen, meist sind es Hunde aus mediterranen Ländern.
Rickettsiose
Die weniger bekannte Zecken-Krankheit Rickettsiose wird durch ein Bakterium der Rickettsia-Familie ausgelöst. Je nach Bakterien-Spezies reichen die Symptome einer Rickettsiose von mildem Unwohlsein bis zu lebensbedrohlichen Herzmuskel-Entzündungen.
Neoehrlichiose
Typische Symptome einer Neoehrlichiose sind wiederkehrendes hohes Fieber, Übelkeit und Gewichtsverlust. 5 bis 10 Prozent der Zecken tragen das Bakterium Neoehrlichia in sich. Nach dem Stich einer infizierten Zecke sind vor allem Menschen betroffen, deren Immunsystem durch Vorerkrankungen beeinträchtigt ist.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Eine Infektion mit Borreliose wird mit Antibiotika behandelt. Bleibt die Borreliose aber unerkannt oder ist die Behandlung ungenügend, können bleibende Behinderungen entstehen. Die Diagnose ist in den meisten Fällen allerdings nicht einfach, da Labortests gerade im ersten Krankheitsstadium wenig aufschlussreich sind. Daher wird die Krankheit oft zu spät erkannt.
Gegen eine FSME-Infektion gibt es aktuell keine spezielle Therapie. Im Krankheitsfall liegt der Fokus allein auf der Linderung der Symptome. Allerdings gibt es eine wirksame FSME-Impfung, die vor der Krankheit schützt.
Bei einer Erkrankung an Babesiose hat sich der Einsatz von Anti-Parasitika bewährt. Durch den Arzneistoff gelingt es, die DNA-Synthese des krankheitserregenden Einzellers zu stören.
Die Krankheiten Ehrlichiose, Rickettsiose und Neoehrlichiose werden klassisch mit einer Antibiotika-Gabe behandelt. Diese Art der Behandlung ist üblicherweise sehr wirkungsvoll.
Welche Präventionsmittel schützen vor Zecken?
Zur Prävention gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis FSME wird die entsprechende Schutzimpfung empfohlen.
Zur Prävention von Zeckenstichen bei Menschen rät das BAG ausserdem dazu, Insekten-Repellents wie zum Beispiel Anti-Brumm aufzutragen, gut abschliessende Kleidung zu tragen und Unterholz zu meiden. Trotz aller Präventions-Massnahmen ist es wichtig, sich nach einem Aufenthalt in Wald und Wiesen gründlich nach Zecken abzusuchen.
Für Haustiere wie Hunde und Katzen ist das systemische Insektizid Bravecto wirkungsvoll gegen Zecken. Die Zecke muss aber zustechen und mit der Nahrungsaufnahme beginnen, um mit dem Insektizid in Kontakt zu kommen. Innerhalb von acht Stunden nach dem Stich stirbt die Zecke ab. Eine Übertragung von Krankheiten kann damit also nicht ausgeschlossen werden.
Nach Meldungen von starken neurologischen Nebenwirkungen (Zittern, Ataxie, Krampfanfälle und Epilepsie) warnt die Schweizer Arzneimittel-Information aber, dass Bravecto «bei Hunden mit bekannter Epilepsie mit Vorsicht anzuwenden» sei.
Für Rinder und laktierende Milchkühe listet die Schweizerische Arzneimittel-Information zur Vorbeugung von Zeckenstichen das Insektizid Bayticol der Provet AG. Das Mittel ist als gebrauchsfertige Lösung erhältlich, die mit einer Applikations-Spritze entlang der Rückenlinie des Tieres vom Widerrist bis zum Schwanzansatz aufgetragen wird. Über die Haut der Kuh resorbiert, werden die neuralen Funktionen der stechenden Zecke zum Erliegen gebracht. Kontraindikationen und Nebenwirkungen sind bislang keine bekannt. Für essbares Gewebe beträgt die Absetzfrist 0 Tage, für Milch 3 Tage.

