Kurz & bündig

  • Rotlauf ist eine bakterielle Infektionskrankheit.
  • Die bekannteste Verlaufsform ist Hautrotlauf mit seinen typischen rechteckigen, leicht erhabenen Rötungen (Backsteinblattern).
  • Die Krankheit kann akut oder chronisch verlaufen.
  • Das Fleisch von mit Rotlauf befallenen Tieren kann nicht verwertet werden.
  • Der Erreger E. rhusiopathiae kann auf Menschen übergehen.

Drei von 22 geschlachteten Tieren konnten wegen Hautrotlauf nicht verwertet werden. Diese Rückmeldung bekam ein Betriebsleiter eines Zucht-Mastbetriebs vom Schlachthof, woraufhin er sich beim SGD für eine Beratung gemeldet hat.

45 Sauen- und 400 Mastplätze stehen dem Betrieb in einem geschlossenen System zur Verfügung. Remonten und Zuchteber werden von zwei Kernzuchtbetrieben zugekauft. Ansonsten findet kein Tierverkehr statt. Die Sauen werden zwei Mal pro Jahr vor dem Absetzen kombiniert gegen Rotlauf und Parvovirose geimpft.

Im Bereich der säugenden Sauen mit Ferkeln, Galtsauen und Aufzuchtferkeln konnten beim Besuch keine Besonderheiten festgestellt werden.

In der Mast waren Einzeltiere mit für Hautrotlauf typischen Veränderungen zu erkennen. Zusätzlich hatten viele der frisch eingestallten Mastjager einen Sonnenbrand.

Vor allem in der Ausmast machten sich einige Tiere mit vorgebeugter Haltung in den Karpalgelenken und staksigem Gang sowie Liegeschwielen an den Sprunggelenken bemerkbar. Beim Wägen wurden Körpertemperaturen bis 41 Grad gemessen. Die Futteraufnahme der Tiere war bisher unverändert.

Die Rückmeldung vom Schlachthof und die beobachtete Klinik während dem Stallrundgang wiesen eindeutig auf eine Rotlauf-Problematik hin.

Rotlauf kann bei Schweinen akut oder chronisch verlaufen

Bei Rotlauf handelt es sich um eine bakterielle Infektionskrankheit mit vielen Gesichtern. Grundsätzlich wird zwischen einer akuten und einer chronischen Verlaufsform unterschieden.

Bei der akuten Form kann es zu folgenden Ausprägungen kommen:

  • Septikämie (Blutvergiftung): Hohes Fieber, Appetitlosigkeit, Bewegungsunlust und plötzliche Todesfälle.
  • Hautrotlauf: Backsteinblattern (typisch), mehr oder weniger rechteckige Hautbezirke von 2 bis 6 cm Durchmesser, mässig gerötet, Beet-artig hervortretend. Häufig zusammen mit hohem Fieber.
  • AbortHäufig gleichzeitiges Absterben aller Föten, meist bedingt durch hohes Fieber, evtl. auch Ursache von mumifizierten Föten.

Verläuft die Erkrankung chronisch, sieht man folgende Krankheitsbilder:

  • Polyarthritis (Gelenksrotlauf): Fieber, Lahmheit bei wechselnden Gliedmassen, geschwollene Gelenke, Kümmern, nach längerer Zeit ist ein klammer Zehenspitzengang mit leicht gebeugten Handwurzelgelenken zu sehen, langes Verharren im Hundesitz oder in Seitenlage. Meist sind Jager oder Mastschweine betroffen.
  • Herzklappenrotlauf: Fieber, schnelle Ermüdung, Blässe oder blaues Anlaufen, bei fortschreitender Erkrankung treten Brustlage, Hundesitz und Maulatmung auf. Meist sind Mastschweine betroffen.
  • Selten Hautnekrosen (abgestorbene Haut): Kleine Nekrosen können komplikationslos abheilen, bei grossen Nekrosen bleibt die Epithelbildung (Hautschluss) aus. Vollständiges Absterben von Ohrmuscheln und Schwanzteilen ist möglich.

Die Diagnostik erfolgt anhand der typischen Hautveränderungen oder mittels pathologischer Befunde bei einer Sektion mit Erregernachweis.

Der Rotlauf-Erreger bleibt über mehrere Monate infektiös

Der Erreger Erysipelothrix rhusiopathiae kommt überall vor. Die Übertragung erfolgt über Tierkontakt. In der Umwelt (Kot, Gülle, anderes kontaminiertes Material) bleibt er über mehrere Monate infektiös. Im Erdboden kann er über einen Monat nachgewiesen werden. Als Erreger-Reservoir kommen Nagetiere in Betracht. Zudem handelt es sich bei E. rhusiopathiae um einen Zoonose-Erreger. Das bedeutet, dass sich Menschen ebenfalls anstecken können. Schwellung und Rötung der Haut, meist an Händen und Unterarmen können auftreten.

Auch Gelenkentzündungen, eine Blutvergiftung oder die Endzündung von Herzklappen können die Folgen sein. Bei Verdacht auf eine Rotlaufinfektion muss sofort der Arzt aufgesucht werden.

Nach erfolgter Diagnose müssen betroffene Tiere und ihre Kontakttiere in Absprache mit dem Betriebstierarzt antibiotisch behandelt werden.

Eine gute Reinigung und Desinfektion sind wichtig, da die Bakterien mit dem Speichel, Urin und Kot ausgeschieden werden und wie bereits erwähnt, lange in der Umgebung überleben und ansteckend bleiben.

Zuchtsauen sollen planmässig geimpft werden. Mittels Kolostrums werden Saugferkel und Jager bis zu einem Alter von drei bis vier Monaten durch maternale Antikörper geschützt.

Ferkel von ungeimpften Sauen und Ferkel, bei denen in der späteren Aufzucht oder Mast trotz Impfung der Sauen Rotlauf auftritt, können ab einem Alter von zehn Wochen aktiv gegen E. rhusiopathiae geimpft werden. Die Impfung sollte nach vier Wochen wiederholt werden.

Diese Massnahmen wurden im beschriebenen Fall umgesetzt. Zusätzlich zur Antibiose wurde ein Entzündungshemmer verabreicht, um das Fieber zu senken. Um den Erregerdruck zu senken, wurden die Jager während eines halben Jahrs gegen Rotlauf geimpft.

Mit diesem Vorgehen konnte die Rotlauf-Problematik im Stall gestoppt werden. Auch vom Schlachthof erfolgten keine Rückmeldungen bezüglich Rotlaufes mehr.

 

So schützen Sie sich und Ihren Betrieb vor Rotlauf

  • Strikte Hygieneschleuse (schwarz-weiss), Zutritt zu Stall und Ausläufen nur mit stalleigenen Stiefeln und Kleidung, Stiefel-Desinfektions-becken. Die Erreger können mit der Erde in den Stall eingetragen werden.
  • Intensive, dokumentierte Schadnager-Bekämpfung. Mäuse und Ratten können Träger und Ausscheider der Rotlauferreger sein.
  • Rein-raus-Bestossung mit Reinigung und Desinfektion
  • Planmässige, korrekte Impfung der Sauen und Eber
  • Zukauf von geimpften Tieren

Korrekte Impfung:

  • Impfungen sollen immer gemäss Packungsbeilage erfolgen.
  • Lagerung des Impfstoffes bei 2 bis 8 °C
  • Vor Gebrauch auf 15 bis 20 °C vorwärmen.
  • Angebrochene Impfflaschen gemäss Packungsbeilage (10 Stunden) aufbrauchen.
  • Vor und während Gebrauch gut schütteln.
  • Nicht mit anderen Impfstoffen mischen. Meist kann vor und nach der Impfung während zwei Wochen kein anderer Impfstoff appliziert werden.
  • Korrekte Einstichstelle und Einstichwinkel beachten.
  • Nadellänge kontrollieren.
  • Nur gesunde Tiere impfen.
  • Mindestalter beachten.
  • Eber nicht vergessen.