pv_die-grune-online

Rentable Schafhaltung

Die Lammfleisch-Produktion kann ein wirtschaftlich interessanter Betriebszweig sein. Das zeigt eine Studie von Agroscope anhand von zwei Produktions-Systemen: 200 Schafe in der Hügelregion und 140 Schafe in der Bergregion.

In der Schweiz ist die Schafhaltung auf den wenigsten Betrieben ein wirtschaftlich wichtiger Betriebszweig. Drei Viertel aller Schafherden haben weniger als 35 Mutterschafe. Und im Vergleich zum Rindvieh wird die Schafhaltung eher als Nebenerwerbs- oder gar als Hobbyhaltung gesehen.

Dabei wäre das Potenzial für die einheimische Lammfleisch-Produktion gemäss Agroscope riesig. Im Moment wird dieses Potenzial aber nicht ausgeschöpft:

  • Die Produktion müsste mehr auf die Nachfrage ausgerichtet sein.
  • Das Fleisch sollte vermehrt ganzjährig angeboten werden und
  • vor allem müsse die Geschmacksqualität stimmen.

Dass die Lammfleisch-Produktion wirtschaftlich interessant und eine echte Alternative beispielsweise zur Mutterkuhhaltung sein kann, zeigt Agroscope in einer Studie.

Dazu machte Christian Gazzarin von Agroscope Vollkostenrechnungen von 15 Betrieben und führte Interviews mit den Schafhaltern. Zusammen stellt dies die Datengrundlage für die anschliessenden Modellrechnungen dar.

Erfolgversprechend sind besonders zwei Produktions-Systeme an zwei unterschiedlichen Standorten: In der Tal- und Hügelregion ist es eine eher intensive, in der Bergregion eine extensive Strategie.

Wirtschaftliche Schafhaltung in der Tal- und Hügelregion

Das optimierte Lamm-Produktions-System in der Hügelregion umfasst eine Herdengrösse von 200 Auen. Agroscope berechnete, dass mit drei Ablammungen in zwei Jahren die Wirtschaftlichkeit deutlich verbessert werden kann. Das heisst, die Zwischenlammzeit wird von den mittleren 300 auf 240 Tage reduziert.

Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor ist das Lebendgewicht. Dieses wurde um 10 kg reduziert.

Im Vergleich zum Referenzsystem kann der Deckungsbeitrag (+44 %), die Arbeitsverwertung (+27 %) und das Einkommen (+57 %) gesteigert werden. Das Schlachtgewicht je Hektare steigt so von 202 auf 265 kg.

Voraussetzung für dieses System ist der Einsatz von robusten Lokalrassen bei den Auen. Diese haben ein tieferes Lebendgewicht und lammen ganz-jährig ab.

Wirtschaftliche Schafhaltung in der Bergregion

Das optimierte Lamm-Produktions-System in der Bergregion umfasst eine Herdengrösse von 140 Auen. Auch hier rechnet Agroscope mit Robustrassen bei den Auen und spezialisierten Fleischrassen bei den Widdern.

Die wichtigsten Anpassungen zum Referenzsystem sind ein saisonales Ablammen mit möglichst Zwillingsgeburten und die Minimierung von Lammverlusten nach der Geburt. Konkret: Erhöhung der Wurfgrösse von 1,5 auf 1,7 Lämmer pro Aue. Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor ist die konsequente Kostensenkung, welche mit der Halbierung des Kraftfutter-Einsatzes erreicht wird.

Auch hier geht man von einem 10 kg tieferen Lebendgewicht aus und verlängert die Mastperiode um einen Monat.

Im Vergleich zum Referenzsystem kann der Deckungsbeitrag (+58 %), die Arbeitsverwertung (+38 %) und das Einkommen (+63 %) gesteigert werden. Das Schlachtgewicht je Hektare steigt so von 153 auf 194 kg.

Der Schlüsselfaktor ist die Produktivität

Die Produktivität ist der Schlüsselfaktor für die Wirtschaftlichkeit. Die Produktivität bedeutet die Anzahl der jährlich verkauften Lämmer je Mutterschaf. In einer gezielten Kreuzungsstrategie werden möglichst frucht-bare Robustrassen mit spezialisierten Fleischwiddern gepaart.

In Grossbritannien oder Irland sind Kreuzungsstrategien schon lange üblich. Dort sind 40 % der Gesamtpopulation Robustrassen.

Die eher mässige Schlachtkörper-Qualität einer Robustrasse kann mit spezialisierten Fleischrassen (etwa Dorper, Charollais, Ile-de-France, Suffolk, Texel, usw.) gezielt verbessert werden.

Die Lämmer profitieren vom Heterosis-Effekt und sind damit besonders leistungsfähig (siehe Bild). Sie haben zwar eine geringere Mast-Leistung als wenn man ausschliesslich mit Fleisch-Rassen züchtet. Die Vorteile von solchen Gebrauchs-Kreuzungen wiegen diesen Nachteil aber mehrfach auf:

  • Viele Lämmer wegen hoher Fruchtbarkeit der Muttertiere.
  • Vitale und damit gesunde Lämmer und Muttertiere.
  • Folge: höheres Schlachtgewicht je Hektare, womit das Kilo insgesamt günstiger produziert werden kann.

Der Heterosis-Effekt ist umso stärker, je verschiedener die Elternrassen sind. Deshalb ist der Erhalt der Reinzucht Voraussetzung für eine erfolgreiche Kreuzungszucht.

Quelle

Die Studie von Agroscope «Optimale Produktionssysteme in der Mutterschafhaltung» erschien im Oktober 2019: www.dgrn.ch/mutterschafhaltung-studie

Schafhaltung selber berechnen in Agriperform

Agroscope bietet mit dem Berechnungstool Agriperform ein spezielles Modul zur Schafhaltung an. Damit kann passend für den Betrieb eine Strategie mit guten wirtschaftlichen Perspektiven berechnet werden. www.agriperform.ch