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Mastkaninchen halten und verarbeiten – die Kani-Swiss weiss, wie es geht

Kaninchenfleisch ist eine Nische – obwohl es sehr gesundes Fleisch ist. Die Kani-Swiss GmbH mit ihren 20 Vertragsproduzenten ist einer der Hauptakteure dieser Branche. Dahinter steckt die Familie Näf aus Geltwil im Freiamt AG.

Kurz & bündig

- Die Familie Näf hat 10'00 Mastplätze für Kaninchen und ist Inhaberin des Verarbeitungs- und Schlachtbetriebs Kani-Swiss. - Total 20 Betriebe züchten für Näfs Mastkaninchen. - Die Kaninchenhaltung ist sehr anspruchsvoll punkto Tiergesundheit. - Der rückläufige Konsum von Kaninchenfleisch ist eine Herausforderung. - Mit Image-Arbeit soll Kaninchenfleisch mehr Anklang finden. - Näfs blicken positiv in die Zukunft und investieren in einen neuen Stall.

Chömid Hase, chömid …»: Felix Näf kündigt sich mit gedämpfter Stimme an und klopft behutsam an die Stalltüre, bevor er in den Stall hineingeht. Felix Näf ist Landwirt, hält Mastkaninchen und ist zusammen mit seiner Frau Rosmarie Näf Gründer und Inhaber des Schlacht- und Verarbeitungsbetriebs Kani-Swiss GmbH im aargauischen Geltwil im Freiamt. Die Kani-Swiss GmbH verarbeitet und vermarktet Mastkaninchen von 20 Vertragsproduzenten aus der Region sowie Näfs Mastkaninchen.

Silvan Näf will sich in Zukunft mit Social Media befassen. Mit Image-Arbeit soll Kaninchenfleisch mehr Anklang finden. Bild: Pia Neuenschwander
Silvan Näf will sich in Zukunft mit Social Media befassen. Mit Image-Arbeit soll Kaninchenfleisch mehr Anklang finden. Bild: Pia Neuenschwander

BTS für die Mastkaninchen und Zuchtkaninchen

Mit ruhigen Schritten geht Näf durch den Stall und kontrolliert die Mastkaninchen in jeder Bucht. Er spricht ständig mit ihnen, damit sie nicht erschrecken. In diesem Stall leben 2000 Mastkaninchen in Buchten à 50 Stück. Näf hat die Buchten so gestaltet, dass sie sehr gut einsehbar sind. Ein angeschlagenes Tier würde er sofort entdecken. Eine sehr gute Luftqualität auch am Boden sei unerlässlich. Deshalb führt in jede Bucht ein Rohr, welches die Luft absaugt.

In jeder Bucht hat es einen eingestreuten Liegebereich mit drei erhöhten Plattformen und einen perforierten Fressbereich mit darunter liegendem Schwemmkanal. Felix Näf wirft etwas Heu in eine Bucht und die 50 Kaninchen stürzen sich darauf. «Es ist ja nicht so, dass sie nichts zu knabbern hätten», sagt Felix Näf, schüttelt den Kopf und lacht, «aber frisches Heu ist halt interessanter.»

Die Familie Näf hat einen eigenen und drei gepachtete Ställe mit insgesamt 10'000 Mastplätzen. Sie produzieren gesamtbetrieblich nach den BTS-Richtlinien. Folglich halten ihre Vertragsproduzenten auch die Zucht-Zibben oder «Häsinnen», wie Felix Näf sie nennt, in Gruppen. Das Aufstallungs-System für die Gruppenhaltung von Zuchtkaninchen hat er vor über 20 Jahren selber entworfen und ständig weiterentwickelt. Im Jahr 2016 konnte er den Preis «Das Werte Kaninchen» in Berlin entgegennehmen.

Blick in einen von Felix Näfs Kaninchen-Mastställen. Die Kaninchen werden nach den BTS-Richtlinien gehalten. Bild: Pia Neuenschwander
Blick in einen von Felix Näfs Kaninchen-Mastställen. Die Kaninchen werden nach den BTS-Richtlinien gehalten. Bild: Pia Neuenschwander

Kaninchen vermehren sich sprichwörtlich wie die Karnickel

Pro Jahr hat eine Zibbe fünf bis acht Würfe à zirka zehn Jungen. Fünf Wochen bleiben die Jungtiere im Aufzuchtstall. Im Maststall werden sie bis kurz vor die Geschlechtsreife, also bis maximal 84 Tage, gemästet.

«Die Futterkosten fallen mit vier Franken pro Tier enorm ins Gewicht», erklärt Näf. Pro Kilo Lebendgewicht erhalten seine Produzenten sechs Franken. Abzüge sind sehr gering. Die Schlachtausbeute liegt bei zirka 50 Prozent und die Verarbeitung ist wegen den vielen Knochen aufwändig.

Generationenwechsel: Felix und Rosmarie Näf planen schrittweise die Betriebsübergabe der Kani-Swiss GmbH und des landwirtschaftlichen Betriebs an Sohn Silvan. Bild: Pia Neuenschwander
Generationenwechsel: Felix und Rosmarie Näf planen schrittweise die Betriebsübergabe der Kani-Swiss GmbH und des landwirtschaftlichen Betriebs an Sohn Silvan. Bild: Pia Neuenschwander

Kaninchen eignen sich nur für den leidenschaftlichen Tierhalter

«Kaninchen sind wohl die anspruchsvollsten Nutztiere», mutmasst Näf, «vor allem in der Mast.» Mit ein Grund, warum in den letzten Jahren eine Spezialisierung auf seinem Betrieb, aber auch bei seinen Vertragsproduzenten stattfand. Die meisten der 20 Vertragsproduzenten haben sich auf die Zucht spezialisiert und verkaufen Näf die rund vier bis fünf Wochen alten Jungtiere zur Ausmast.

Die Zucht nach BTS sei zwar anspruchsvoll, aber vor allem auch zeitintensiv. Die Mast gebe weniger Arbeit, sei aber diffizil. Beides eigne sich nur für den leidenschaftlichen Tierhalter. «Wer oft im Feld ist, hat zu wenig Überblick über die Kaninchen», sagt Näf. Und dann könne das schnell böse Folgen haben. Besonders der Verdauungstrakt sei sehr anfällig. Von Kokzidiose über Coli bis hin zu Clostridien oder Pasteurellose – Kaninchen sind delikat punkto Tiergesundheit. «Wenn es schlecht läuft, kommt alles zusammen und dann hat man keine Kaninchen mehr im Stall.»

Die Familie Näf hat 10'000 Mastplätze für Kaninchen und ist Inhaberin des Verarbeitungs- und Schlachtbetriebs Kani-Swiss. Bild: Pia Neuenschwander
Die Familie Näf hat 10'000 Mastplätze für Kaninchen und ist Inhaberin des Verarbeitungs- und Schlachtbetriebs Kani-Swiss. Bild: Pia Neuenschwander

Die Kani-Swiss GmbH hält Wertschöpfung auf dem Betrieb

Näfs betrieben ihre Kaninchenmast zuerst im Nebenerwerb. Als ihr Verarbeiter damals Mühe hatte, das Fleisch zu vermarkten, begannen sie die Verarbeitung selber aufzugleisen. «Damals war kaum jemand an inländischem Kaninchenfleisch interessiert», erinnert sich Felix Näf. Ihre Kunden waren damals vor allem Spitäler und Altersheime. Über die Jahre wurde der Betrieb grösser. 2004 gründeten Näfs die Kani-Swiss GmbH und nahmen die Zusammenarbeit mit Vertragsproduzenten auf. Ab 2009, nach einem «Kassensturz»-Bericht über ausländische Kaninchenhaltung, wurde die Kani-Swiss der Exklusiv-Lieferant von Coop. Aktuell schlachten und verarbeiten Näfs an drei Tagen in der Woche gegen 2500 Tiere.

Die Verarbeitung von Kaninchenfleischs ist wegen den vielen Knochen aufwändig. Bild: Pia Neuenschwander
Die Verarbeitung von Kaninchenfleischs ist wegen den vielen Knochen aufwändig. Bild: Pia Neuenschwander

Die Kani-Swiss wird in Vollzeit von Felix, Rosemarie und Silvan Näf geführt, dazu kommen acht Mitarbeitende mit 500 Stellenprozenten. Näfs Ziel war es, möglichst viel Wertschöpfung auf dem Betrieb zu halten. Und dieses Ziel verfolgt er auch heute. Die Kani-Swiss GmbH ist einer der grössten Vermarkter von Schweizer Kaninchenfleisch. Neben der Belieferung von Coop vermarktet sie einen Teil direkt. Weitere Akteure sind die Hobby-Kaninchenhalter und die H.R. Kyburz Vieh + Fleisch AG. Letzterer hält die Zucht-Zibben jedoch ohne BTS. Der grössere Anteil besteht beim Kaninchenfleisch aus Importen. Gemäss Proviande lag der Importanteil im Jahr 2019 bei 55 Prozent.

Die meisten Länder haben kein Tierschutzgesetz für Kaninchen

Das Ausland produziere in Käfighaltungen und mit anderen Kostenstrukturen etwa 70 Prozent günstiger, erklärt Felix Näf. Ein Tierschutzgesetz für Kaninchen analog zur Schweiz gebe es in Europa bis heute nicht, sondern nur Empfehlungen. Ausgenommen sei Deutschland. Deutschland erhalte ab 2025 eine gesetzliche Grundlage. Der Preisunterschied von Import- zu inländischem Kaninchenfleisch für den Konsumenten sei gering.

Das Auge des Meisters: Felix Näf ist Experte in Sachen Kaninchen. Bild: Pia Neuenschwander
Das Auge des Meisters: Felix Näf ist Experte in Sachen Kaninchen. Bild: Pia Neuenschwander

Gemäss Proviande liegt der Konsum bei Kaninchenfleisch pro Kopf und Jahr bei 150 Gramm. Und die Entwicklung während den letzten Jahren war rückläufig. Felix Näf nennt drei Gründe:

  • «Der Jöh-Effekt, den Kaninchen beim Konsumenten auslösen, ist sicher nicht zu unterschätzen.»
  • Ein weiterer Grund für den rückläufigen Konsum sei, dass Kaninchenfleisch für viele Leute das «Fleisch des armen Mannes» ist. «Früher hatte fast jeder noch irgendwo ein paar Kaninchen, die man geschlachtet hat, wenn es nichts anderes gab.»
  • Ein dritter Grund sei, dass wenig bis gar keine Marketingaktivitäten bei den Grossverteilern stattfinden, die den Absatz ankurbeln würden. «Unsere Branche ist klein», sagt Näf. Und eine effektive Image-Förderung sei sehr teuer.
Der rückläufige Konsum von Kaninchenfleisch ist eine Herausforderung. Bild: Pia Neuenschwander
Der rückläufige Konsum von Kaninchenfleisch ist eine Herausforderung. Bild: Pia Neuenschwander

Mit Videos und Social Media dem Image auf die Sprünge helfen

Sohn Silvan Näf (27) ist in der Ausbildung zum Agrotechniker am Schluechthof in Cham und hat erst kürzlich die Leitung der Verarbeitung und Vermarktung der Kani-Swiss GmbH übernommen. Er wird grossen Wert auf die Image-Förderung legen – vor allem über Social Media.

Silva Näf strebt eine Zusammenarbeit mit Akteuren aus der Ernährungsbranche an und hat bereits erste Kontakte geknüpft. «Kaninchenfleisch ist mit seinem tiefen Fett- und hohen Proteinanteil ein interessantes Nahrungsmittel für Sportler», sagt Silvan Näf. Ausserdem möchte er Koch-Videos zu drehen. «Heutzutage weiss niemand mehr, wie Kaninchenfleisch zubereitet wird», sagt er, «dabei ist es so einfach!»

Felix Näf blickt positiv in die Zukunft und investiert in einen neuen Stall. Bild: Pia Neuenschwander
Felix Näf blickt positiv in die Zukunft und investiert in einen neuen Stall. Bild: Pia Neuenschwander

Kani-Swiss geht an die nächste Generation

Obwohl die Entwicklung des Marktes im Moment wenig vielversprechend aussieht, stecken Näfs den Kopf nicht in den Sand. Sie sehen im Kaninchenfleischmarkt weiterhin eine Nische mit Zukunft. Felix Näf ist vorsichtig optimistisch, im Jahr 2021/22 ein bis zwei neue Produzenten in der Region unter Vertrag zu nehmen.

Das nächste Projekt ist, einen Stall aus den neunziger Jahren durch einen Neubau zu ersetzen. Die Familie Näf plant einen doppelstöckigen Stall, in dem sie rationeller und effizienter arbeiten kann. Schrittweise wird der landwirtschaftliche Betrieb und die Kani-Swiss GmbH an Sohn Silvan Näf übergeben.

Durch die Zusammenarbeit mit seinem Sohn hat Felix Näf sehr zu seiner Freude wieder mehr Kapazität, sich um die eigentliche Produktion kümmern – und die findet im Kaninchenstall statt. «Im Herzen bin ich Bauer», sagt Felix Näf. Und auch nach über
30 Jahren in diesem Metier ist er noch immer fasziniert von den Kaninchen.

Unscheinbar in die Landschaft eingebettet: Der Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb der Kani-Swiss GmbH liegt im Parterre des Wohngebäudes. Bild: Pia Neuenschwander
Unscheinbar in die Landschaft eingebettet: Der Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb der Kani-Swiss GmbH liegt im Parterre des Wohngebäudes. Bild: Pia Neuenschwander

Betriebsspiegel Kani-Swiss GmbH

Felix und Rosemarie Näf mit Sohn Silvan, Geltwil AG LN: 7,5 ha Bewirtschaftung: ÖLN Tierbestand: 10'000 Mastplätze für Kaninchen Betriebszweige: Kaninchenmast, -verarbeitung und -vermarktung Arbeitskräfte: Felix Näf (Tierbetreuung), Rosmarie Näf (Buchhaltung und Administration), Silvan Näf (Verarbeitung und Verkauf), 8 Mitarbeiter mit 500 Stellenprozenten. www.kani-swiss.ch

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