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Im Halbwarmstall Pigport können die Schweine zwischen den Klimabereichen wählen

Hannes Stofer hält in Sempach LU seine 480 Mastschweine in einem Pigport. Darin können die Tiere zwischen verschiedenen Klimabereichen wählen. Die Klimareize im Halbwarmstall sollen das Immunsystem der Schweine stärken.

Kurz & bündig

- Der Pigport ist ein einfaches Stallkonzept für Halbwarmställe. - Die Stallwände lassen sich je nach Jahreszeit mehr öffnen oder schliessen. - In den «Nestern» mit wärmegedämmten Decken bildet sich ein Wärmekissen. - Unter den Spaltenböden befinden sich lange Güllekanäle im Slalomsystem. - Der Bauherr beschränkte sich auf das Funktionelle und hat extrem günstig gebaut.

Landwirt Hannes Stofer ist keiner, der gerne fertige Pläne übernimmt. Im luzernischen Sempach führt er einen Schweinemastbetrieb mit 480 Tieren. Er wollte selbst planen, die Arbeitsabläufe gedanklich durchspielen und optimieren. Im Internet stiess er auf den Pigport, einen Aussenklimastall für Mastschweine. Der Name ist eine Anlehnung an «Carport»: ein Gebäude, nicht viel mehr als ein überdachter Platz.

Schweine brauchen Klimareize für ein starkes Immunsystem

Pigport-Erfinder Rudolf Wiedmann arbeitete als Berater für Schweinehaltung am Bildungs- und Wissenszentrum Boxberg in Baden-Württemberg. Er ist überzeugt, dass Schweine zur Erhaltung und Stärkung ihres Immunsystems verschiedene Klimareize benötigen. «Ein möglichst gleichmässiges Stallklima, wie es in vielen Ställen angestrebt wird, fördert die Gesundheit der Schweine nicht», schreibt Wiedmann in seinem Buch «Pigport 1, 2, 3». Wiedmann schreibt, dass sich Schweine in ihren Komfortansprüchen unterscheiden.

Nur Haltungssysteme mit unterschiedlichen Klimazonen, Helligkeitsbereichen und Böden würden die individuellen Ansprüche der Tiere erfüllen. «Die Tiere sollen die Jahreszeiten erleben können», sagt Stofer, den Wiedmanns Buch angesprochen hat. Er fand einen guten Draht zum Autor und erhielt von diesem viele hilfreiche Tipps.

Die einfache Bauweise des Gebäudes ohne eine künstliche Heizung im Winter faszinierte den Landwirt. Die Schweine wärmen nämlich ihren Liegebereich in eingestreuten, wärmegedämmten Kisten selbst auf. Wird es in den Kisten zu warm, hebt der Landwirt mittels elektrischer Winden die Decken an: Entweder vorne oder hinten, oder Stofer zieht die ganze Decke nach oben. Dank einer 30 mm dicken Wärmedämmung der Decken entweicht die Wärme nicht nach oben und es bildet sich bei kalten Aussentemperaturen ein Wärmekissen.

In den Vormastbuchten hat der Landwirt vor dem Liegebereich einen Vorhang aus Gummi angebracht, um die Schweine im Liegebereich vor Kaltluft zu schützen. Selbst bei Aussentemperaturen im Minusbereich bleibt die Temperatur in den Kisten über 20 Grad. Das hat der Landwirt festgestellt, weil er ein Thermometer in eine der Decken angebracht hat.

Die hohe, nach Süden gerichtete Front ist über einer Grundmauer mit einer sogenannten «Wendeklappe» ausgestattet. Sie lässt sich ganz öffnen. Bild: Peter Röthlisberger
Die hohe, nach Süden gerichtete Front ist über einer Grundmauer mit einer sogenannten «Wendeklappe» ausgestattet. Sie lässt sich ganz öffnen. Bild: Peter Röthlisberger

Die Stallwände lassen sich öffnen und schliessen

Der Begriff «Aussenklimastall» trifft für den Pigport nicht ganz zu: Denn das Stallklima lässt sich im Winter durch ein Schliessen der Stallwände vom Aussenklima verändern. Korrekt ist deshalb «Halbwarmstall».

Die hohe, nach Süden gerichtete Front ist über einer Grundmauer mit einer «Wendeklappe» ausgestattet. Diese besteht im unteren Teil aus einer starken, lichtdurchlässigen PVC-Folie und oben aus einer stabilen, nicht wärmedämmenden Dreischicht-Platte. Zum Öffnen schwenkt wie bei einer Wippe der untere Teil nach aussen, der obere Teil nach innen, bis die Wand ganz offen ist.

Die schmale Stall-Rückwand hinter dem Kontrollgang besteht aus 35 mm dicken Sandwich-Paneelen und lässt sich mittels Seilwinde nach unten schwenken. Durch Öffnen beider Seiten lässt sich der Stall quer lüften. Das Öffnen und Schliessen der Südseite wird automatisch je nach Temperatur- und Windverhältnissen gesteuert. Die Nordseite steuert der Landwirt manuell.

Das Stalldach ist mit 60 mm dicken Trapezblech-Paneelen ausgestattet. Wichtig ist, dass die Längsseite des Stalles in Ost-Westrichtung verläuft, damit im Sommer die Sonnenstrahlen vor allem auf das wärmegedämmte Dach treffen und im Winter schräg in den Stall einfallen.

Blick in die Liegekisten und den Aktivitätsbereich.   Die Kistendecken mit den Vorhängen sind angehoben. Bild: Peter Röthlisberger
Blick in die Liegekisten und den Aktivitätsbereich. Die Kistendecken mit den Vorhängen sind angehoben. Bild: Peter Röthlisberger

Die Wärmedämmung des Daches und das Schliessen der Wände sollen im Winter verhindern, dass im Kaltstall die Lufttemperatur unter null Grad fällt. Dann besteht die Gefahr, dass die Futterleitungen der Flüssigfütterung gefrieren. In den vergangenen sechs Jahren sind die Leitungen selbst bei Aussentemperaturen von minus 20 Grad nicht eingefroren, obwohl sie nicht isoliert sind.

«Wichtig ist, dass die Futterleitungen nicht entlang der Aussenwände verlegt werden, sondern in der Stallmitte über den Liegekisten», betont Stofer. Er müsse aber darauf achten, dass in Zeiten mit Frosttemperaturen der Stall gleichmässig belegt sei. Sonst könnten die Leitungen über den leeren Liegekisten gefrieren.

Geöffnete Liegekisten im Pigport: Eine Seilwinde zieht die Decke nach oben. Die Schweine wärmen ihren Liegebereich selber auf. Bild: Peter Röthlisberger
Geöffnete Liegekisten im Pigport: Eine Seilwinde zieht die Decke nach oben. Die Schweine wärmen ihren Liegebereich selber auf. Bild: Peter Röthlisberger

Unter dem Spaltenboden sind Kanäle im Slalomsystem

Die Fläche im Stall, etwa zwei Drittel der Buchten, ist unterteilt in den Liegebereich und einen zwei Meter breiten Spaltenbodenbereich vor der Stall-Aussenwand. Die Schweine gelangen durch mit Gummilappen geschützte Öffnungen in den Auslauf, der ganz mit Spalten belegt ist. Der grosse Spaltenbodenanteil erleichtert dem Landwirt die Reinigung der Buchten, falls es notwendig ist.

Unter dem Spaltenboden befinden sich vier Kanäle, die an den Enden miteinander verbunden sind. Ein Rührwerk vor dem Auslauf treibt die Gülle in einem Slalomsystem durch die insgesamt 240 m langen und ein Meter tiefen Kanäle. Das Rühren der Gülle funktioniere gut. «Es gibt keine Verstopfungen», sagt der Landwirt. Meistens baue man die Kanäle jedoch tiefer, da dann der Schwemmeffekt des Rührwerkes grösser sei. Stofer brauchte kaum zusätzliches Güllelager, da auf dem Betrieb Lagerkapazität vorhanden war.

Ein Rührwerk vor dem Auslauf treibt die Gülle in einem Slalomsystem durch die insgesamt 240 m langen und einen Meter tiefen Kanäle. Bild: Peter Röthlisberger
Ein Rührwerk vor dem Auslauf treibt die Gülle in einem Slalomsystem durch die insgesamt 240 m langen und einen Meter tiefen Kanäle. Bild: Peter Röthlisberger

Die Schweine fressen und liegen auf derselben Fläche

Während in den Pigports in Deutschland die Schweine in der Regel an Automaten ad libitum gefüttert werden, füttert Stofer seine Schweine mit Flüssigfutter an Quertrögen entlang des Liegeplatzes vier Mal pro Tag mit Suppe.

In den vier Vormastbuchten befinden sich Tröge beidseitig des Liegeplatzes, damit die je 40 Tiere genügend Platz zum Fressen haben. In den 16 Ausmastbuchten mit jeweils 20 Tieren genügt ein Trog auf einer Seite des Liegeplatzes, wobei der Trog auf den Spaltenboden verlängert wurde.

Ein Rührwerk vor dem Auslauf treibt die Gülle in einem Slalomsystem durch die insgesamt 240 m langen und einen Meter tiefen Kanäle. Bild: Peter Röthlisberger
Ein Rührwerk vor dem Auslauf treibt die Gülle in einem Slalomsystem durch die insgesamt 240 m langen und einen Meter tiefen Kanäle. Bild: Peter Röthlisberger

Wenn die Liegefläche verschmutzt wird – eher im Sommer als im Winter – schiebt der Landwirt den Kot mit einem Handschieber auf den Spaltenboden. Danach streut er etwas Futter auf die Liegefläche, damit die Tiere sie wieder sauber halten. Da der Boden ein Gefälle von drei Prozent zum Spaltenboden hat, brachte Stofer vor dem Trog einen auslaufenden Antritt an, damit die Schweine auch dort, wo der Niveauunterschied zum Boden grösser wird, fressen können.

Der Landwirt füttert seinen Schweinen ein Gemisch aus Schotte, Brotsuppe und Ergänzungsfutter. Damit erreichen die Tiere im Durchschnitt etwa 850 Gramm Tageszunahmen. Sowohl die Schotte als auch die Brotsuppe lagert er in grossen, wärmegedämmten Tanks vor der Futterküche. Das hilft, dass selbst im Winter die Suppe im Trog noch warm ist.

Die warme Mahlzeit wärmt nicht nur die Tiere, sondern hilft auch gegen ein Gefrieren der Leitungen. Den Vormasttieren streut der Landwirt zusätzlich Verora-Pflanzenkohle in die Einstreu. Sie soll die Gesundheit der Tiere verbessern und sich über die Gülle auch positiv auf die Bodenfruchtbarkeit auswirken.

Das Sortieren der Schweine im Pigport ist schwierig

Der Kontrollgang hinter den Liegekisten dient dem Landwirt als Verladegang. «Ich kann immer im Trockenen und Warmen Schweine verladen», sagt Stofer. Nur das Vorsortieren der Tiere vor dem Ausstallen sei in seinem Stall aufwändig, da es keine Abschrankungen in den Buchten gibt. Der Schweinemäster muss die markierten Tiere beim Auslassen auf den Kontrollgang von den anderen trennen. Dieses Sortieren ist nicht immer einfach.

Zum Reinigen des Kontrollganges mit dem Schlauch gibt es mehrere Wasseranschlüsse. Das Wasser fliesst über Rohre unter dem Liegebereich hindurch in den Güllekanal.

Die Rückwand lässt sich je nach Wetter über Winden öffnen und schliessen.  Bild: Peter Röthlisberger
Die Rückwand lässt sich je nach Wetter über Winden öffnen und schliessen. Bild: Peter Röthlisberger



Eine grosse Hilfe beim Verladen ist die vor dem Stall angebaute, breite Verladerampe mit festen Seitenwänden. Da der Schweinemäster, um Fläche zu sparen, zwischen Vor- und Ausmastbuchen unterteilt, befinden sich immer Tiere im Stall.

Deshalb kann er im Gegensatz zum Rein-Raus-Verfahren nie den ganzen Stall auf einmal reinigen. Dies habe zur Folge, dass es an manchen Orten zu Staubablagerungen komme, sagt der Landwirt selbstkritisch.



Landwirt Stofer hat die Baukosten tief gehalten

Sowohl bei der Planung des Stalles als auch bei der Ausführung legte Stofer Wert darauf, die Kosten tief zu halten. «Die Tragbarkeit war für mich matchentscheidend», sagt der Landwirt.

Über alles gerechnet betrugen die Baukosten nur etwa 1000 Franken je Mastplatz. Und dies, obwohl der Landwirt beim Flächenangebot die Richtlinien von Bio-Suisse erfüllt, falls er einmal auf biologischen Landbau umstellen kann. Gemäss ART-Preisbaukasten 2007 liegen die durchschnittlichen Baukosten für neue Mastschweineställe bei 1800 Franken je Tierplatz.

Am teuersten war der Unterbau des Stalles mit den Güllekanälen. Wärmegedämmte Wände, eine Heizung, Ventilatoren sowie Fenster waren nicht notwendig. Die hohe Eigenleistung bei der Planung und beim Bauen sowie der günstige Einkauf beim Internet-Auktionshaus Ricardo trugen zu den niedrigen Baukosten bei.

Der Landwirt übernahm die Bauleitung und stellte selbst Leute für das Bauen an. Eine grosse Hilfe war ihm Edy Steiner, ein Freund und pensionierter Lohnunternehmer, der mit seinem Bagger die Aushubarbeiten übernahm. Auch die jährlichen Betriebskosten fallen tiefer aus als in wärmegedämmten Ställen, da es keine Heizung und keine Ventilatoren braucht.

Trotz kostenbewussten Planen und Ausführen wäre der Bau des Stalles nicht möglich gewesen, wenn die Familie nicht hinter dem Projekt gestanden hätte. «Ich finde es toll, dass meine Frau das Tierwohl hinter das eigene Haus gestellt hat», windet Stofer seiner Frau Daniela einen Kranz.

Die vor dem Stall angebaute, stabile Laderampe mit ihren festen Wänden ist beim Verladen der Tiere eine grosse Hilfe. Bild: Peter Röthlisberger
Die vor dem Stall angebaute, stabile Laderampe mit ihren festen Wänden ist beim Verladen der Tiere eine grosse Hilfe. Bild: Peter Röthlisberger

Betriebsspiegel Angus Adelwil

Hannes Stofer, Sempach Station LULN: 23 ha Bewirtschaftung: IP-Suisse Kulturen: 20 ha Grünland, 1,5 ha Getreide, 1,5 ha Silomais Tierbestand: 480 Mastschweine, 33 Swiss Black Angus Mutterkühe Weitere Betriebszweige: GmbH mit einem Biobauern für 6 ha Biobeeren «Haskap» Arbeitskräfte: Betriebsleiter-Ehepaar, Aushilfen bei Beerenernte

Neuer Stall bei Hofübernahme

Stofer übernahm 2014 von seinem Vater den Hof mit einem neuen Laufstall für 35 Swiss Black Angus Mutterkühe sowie einem alten Schweinestall für 400 Mastschweine. Als Erstes legte er den Schweinestall beim Wohnhaus still und baute noch im selben Jahr einen neuen Stall für 480 Schweine. Dieser ist zusammen mit der Futterküche 65 m lang und inklusive Auslauf 15 m breit. Neben den 20 Vor- und Ausmastbuchten gibt es auch vier Krankenbuchten.

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Rudolf Wiedmann

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