«Immer, wenn ich die Mutter von Pickel sah, schlug mein Herz höher.» Erzählt Christoph Gerber von der RH-Kuh Lydia, gerät er ins Schwärmen. Jahrelang war er als Richter und Kommentator an Viehschauen im ganzen Land tätig. «Ich habe an allen Rassen Freude, doch bei Lydias Linie wusste ich: die verspricht, der Erfolg ist hier garantiert», erinnert sich der pensionierte Agronom an die 1980er-Jahre zurück.
Zu dieser Zeit war es üblich, dass die Zuchtstiere nach ihrer Arbeit auf der Samenstation geschlachtet wurden. Das wäre auch das Schicksal von Pickel gewesen. Doch die Kommission Schweizerischer Viehzuchtverbände (KSV), die Christoph Gerber während knapp 20 Jahren leitete, kaufte zusammen mit dem Züchter Hans Schenk den jungen Stier vom damaligen KB-Verband zurück. «Danach begann die Erfolgsgeschichte: Die Pickel-Kühe gewannen an den Ausstellungen, hatten schöne Euter und gaben viel Milch», freut sich der gebürtige Zweisimmer.
«Viehzucht ist zur Mathematik geworden.»
Christoph Gerber arbeitete 19 Jahre für die KSV.
Dank Export überlebt
Später setzte sich Christoph Gerber nicht nur für die Fleckviehrasse ein, auch das Original Braunvieh (OB) profitierte von seinen Ambitionen. «Es gab Zeiten, in denen die OB-Kuh bei uns nicht mehr als zeitgemäss galt», erinnert er sich. Leistungsstärkere Rassen nahmen überhand und der Herdebuchbestand der «Originalen» sank auf unter 5000 Tiere.

Doch die KSV sah das Potenzial der ruhigen Robustrasse. Sie war überzeugt davon, dass sich das Original Braunvieh im Export bewähren würde. «Die OB sind anspruchslos und dank der pigmentierten Haut weniger anfällig auf Sonnenbrand», erklärt Gerber die Überlegungen. Dementsprechend fokussierte sich der Samenexport auf Zentral- und Südamerika. Und das mit Erfolg – vielerorts war die Nachfrage nach der Schweizer Rasse gross und die Zahl der Tiere stieg auch im Inland wieder.
Viehzucht im Wandel
Doch nicht nur die einzelnen Rassen, auch die Viehzucht insgesamt habe sich weiterentwickelt, ist Christoph Gerber überzeugt. «Noch vor 50 Jahren hatten wir gegenüber dem Ausland einen riesigen Aufholbedarf», erinnert sich der heute 76-Jährige, «unsere Kühe waren einfach nicht mehr wirtschaftlich.» Um die Leistung der eigenen Tiere zu steigern, wurden erste Einkreuzungen vorgenommen. Montbéliarde, Brown Swiss und Holstein kamen in die Schweiz – und veränderten die Viehzucht grundlegend. «Dort nahm die Leistungszucht, wie wir sie heute kennen, ihren Anfang», meint Gerber, der auch heute noch Geschäftskontakte mit Züchtern aus aller Welt pflegt.
Während seiner Zeit bei der KSV und seiner früheren Tätigkeit als Lehrer an der landwirtschaftlichen Schule in Grangeneuve erlebte er die rasante Entwicklung der züchterischen Methoden hautnah. So etablierte sich nicht nur die künstliche Besamung, auch die Zuchtwertschätzung, die Genom-Analyse oder der Embryo-Transfer gehören mittlerweile zum gängigen Standard. «Heute ist die Tierhaltung eine betriebswirtschaftliche Angelegenheit», meint der Agronom und ergänzt: «Die Viehzucht ist zur Mathematik geworden.»

Autor und Fotograf
Nach fast 40-jährigem Einsatz für die Schweizer Viehzucht machte sich Christoph Gerber mit der Gründung seiner Einzelfirma «Gerberatung Conseil» selbstständig. Unter diesem Namen gab er während acht Jahren die Zeitschrift «Bovina» im Eigenverlag heraus. Im Alter von 68 Jahren publizierte er dann die letzte Ausgabe des Züchterjournals. «Es war eine erfolgreiche Zeit, doch jetzt bin ich zu alt dafür», erklärt der Unternehmer schmunzelnd.
Ganz den Rücken kehrte er dem Journalismus aber trotzdem nicht: In diesem Sommer erschien sein drittes Buch unter dem Titel «Die vierbeinige Schweiz» (siehe unten). Der Bildband vereint Fotografien aus zehn Jahren journalistischer Arbeit, von Reisen und Viehschauen in der ganzen Schweiz. Stolz präsentiert Gerber nun sein Werk, das er mit viel Herzblut und Liebe zum Detail zusammengestellt hat. So meint er zum Abschluss: «Ich bin jetzt pensioniert, aber die Leidenschaft für das Vieh wird immer bleiben.»
Bildband «Die vierbeinige Schweiz»
Nach den Publikationen «Alpenland Schweiz» und «Die KUHle Schweiz», erscheint mit dem Bildband «Die vierbeinige Schweiz» das dritte Werk von Christoph Gerber. Das Buch umfasst eine Auswahl erlesener Tierimpressionen, auf denen das Rind zusammen mit anderen Wiederkäuern in unterschiedlichsten Landschaften und Situationen dargestellt wird. Die Fotografien stammen aus verschiedenen Regionen der Schweiz und dem nahen Ausland und umfassen zwanzig Rassen aller Nutzungsrichtungen.[IMG 2] Das Buch (ISBN 978-3-033-09935-7) kann bei Christoph Gerber, Gerberatung Conseil, Tiguelet 8, 1762 Givisiez, im Buchhandel oder per E-Mail an cristobalelsuizo@gmx.ch bestellt werden. Der Preis beträgt 49 Franken. Weitere Informationen: www.4beinigeschweiz.ch

