«Wir brauchen eine problemlose Kuh»

Die IG Neue Schweizer Kuh ist jetzt gut ein Jahr alt. Am Mittwoch führte sie in Düdingen und in Wünnewil im Kanton Freiburg ihren Sommeranlass durch.

Bei steigenden Futterkosten und sinkenden Milchpreisen operieren die meisten Milchbauern schon lange innerhalb von sehr engen Gewinnmargen. Umso wichtiger ist es, bei der Milchkuhfütterung ein ausgewogenes Verhältnis aus Kosten und Profit zu finden.

Die Rentabilität ist jedoch nicht der einzige Grund, der für eine optimale Gestaltung der Fütterung spricht. Neben der Tiergesundheit rücken auch ökologische Aspekte immer stärker in den Fokus. Dies wird nicht nur von den Milchbauern, sondern auch von den Konsumenten immer mehr gefordert.


Am Bewährten festhalten


Langlebige, robuste Kühe mit tiefen Zellzahlen, die wenig Antibiotika benötigen, dieses Ziel verfolgt die IG «Neue Schweizer Kuh». Die IG ist jetzt gut ein Jahr alt, und man will am Bewährten festhalten, sei aber offen für Neues. Letzten Mittwoch wurde nun auf den Betrieben von Sandra und Bruno Beyeler in Düdingen FR und Andreas Freiburghaus in Wünnewil FR den Sommeranlass durchgeführt. Das Ziel der IG ist klar: «Wir fördern und unterstützen die Zucht von effizienten Milchkühen für eine wirtschaftliche Milchproduktion», sagt der IG-Präsident Martin Huber.

Viel Potenzial sehe man in der Kuh, die auf der Basis von Grasland und anderen inländischen Raufutterflächen mit möglichst geringem Antibiotikaeinsatz zurechtkomme. «Diese Kuh ist wie zugeschnitten auf Betriebssysteme, welche die Bedingungen der Graslandbasierten Milch- und Fleischproduktion (GMF), erfüllen. Sie hat aber auch Vorteile in den meisten anderen Betriebssystemen», hält Huber fest.


«Ich suche keine Extreme»

Damit man diesem Ziel näher kommt, wurde der Swiss Index (SWI) ins Leben gerufen. Der SWI ist das Kernangebot der IG. Der Index soll die Auswahl geeigneter Besamungsstiere so beeinflussen, dass die Züchter langlebige, fruchtbare, genügsame und robuste Kühe erhalten. «Dabei ist der Swiss Index nicht an einzelne Rassen gebunden», erklärt Huber. Die IG will jenen Bauern helfen, die an der Zucht einer auf die Fütterung mit Gras ausgerichteten Milchkuh interessiert sind. So wird nach jeder Zuchtwertschätzung (siehe Tabelle) eine Stierenempfehlung nach SWI abgegeben. Der Landwirt kann dann selber entscheiden, welcher Stier am besten zu seiner Betriebsstrategie passen würde.


Dass solche Forderungen nicht aus der Luft gegriffen sind und auf vielen Betrieben schon jetzt funktionieren, zeigt der Besuch auf dem Betrieb von Sandra und Bruno Beyeler in Düdingen. «Ich strebe eine wirtschaftliche Milchviehhaltung mit einer problemlosen Herde an», sagt der Betriebsleiter. Am liebsten sind dem erfolgreichen Swiss-Fleckvieh-Züchter Kühe, die er gar nicht bemerkt, sondern tagtäglich ihre Arbeit leisten ohne grosse «Betreuung». «Ich suche keine Extreme. Nicht zu scharf und nicht zu gross sollen meine Kühe sein», fügt Beyeler hinzu.

«Einen Stall voller solcher Kühe wünsche ich mir»

Ein Paradebeispiel ist dabei ihre Kuh Ringgelers Baloma. Die gut vierzehnjährige und immer noch eindrückliche Stadel-Tochter ist nicht nur EX-91 beschrieben, sondern produzierte bisher sage und schreibe 108'765 kg Milch. Trotz ihres Alters steht Baloma immer noch auf einem gesunden und starken Fundament da. Auch ihr super Euter hat – trotz der vielen Milch – kaum Spuren hinterlassen. «Einen Stall voll solcher Kühe wünsche ich mir», lacht er. «Baloma ist mehrfache Stierenmutter bei Swissgenetics und mit ihren Töchtern hat sie unsere Zucht nachhaltig beeinflusst», hält Beyeler fest.

Da der Züchter jedes Jahr zwischen 20 bis 25 Nutzkühe verkauft, weiss er, was der Markt verlangt. «Immer mehr Betriebe wollen eine Kuh, die auch in den grossen Laufställen funktioniert.» Hier spiele auch die Grösse eine Rolle. Eine kleinere Kuh (145 cm) sei nicht nur flexibler und wendiger, sondern sie sei auch weidetauglicher.

«Eine allzu grosse Kuh hat nicht nur vermehrt Probleme mit der Klauengesundheit, sondern sich braucht auch mehr Platz im Stall», hält Martin Huber fest. So findet man auch auf der Top-Ten- Liste des SWI auch keine Stiere, welche zu grosse Töchter hinterlassen. Der SWI gewichtet die Milchmenge zu 16%, die Fitnessmerkmale zu 58% und das Exterieur zu 26%. Die Kreuzbeinhöhe wird zu 10% sogar negativ berechnet.


Gute Partner gefunden


Die IG Neue Schweizer Kuh hat mit Swissgenetics auch einen starken Partner an ihrer Seite. Vor allem im Bereich der Swiss Fleckviehrasse arbeite man eng zusammen. «Das Zuchtprogramm für Swiss Fleckvieh ist seit Jahren genau auf diesen ‹Kuhtyp› ausgerichtet», sagt Andreas Bigler von Swissgenetics. Viele dieser Stiere würden sich auch für eine graslandbasierte Milchproduktion eignen. Gute Inhaltsstoffe bei mittlerer Milchleistung und tiefen Zellzahlen. Dass dieser Kuhtyp immer gefragter wird, zeigt sich auch dadurch, dass es eine starke Zunahme von verkauften Dosen von SF-Stieren gibt.


Peter Fankhauser


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