Bis zur Geburt haben die Kühe selten Probleme. Rund um die Geburt beginnt der Stress, alles wird plötzlich anders, das Kalb wird geboren, die Hormone werden verändert, die Laktation beginnt und die Kuh sollte möglichst rasch und viel fressen, um genügend Energie für die erwartete Leistung aufnehmen zu können. Kleine Fehler, die sich summieren, können fatale Auswirkungen haben.
Auf dieser Erkenntnis aufbauend haben am Milchviehforum am Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum Plantahof in Landquart GR und am Berufsbildungszentrum für Natur und Ernährung in Hohenrain LU Experten aus der Milchproduktion diskutiert.
Mais kann Futterration von Hochleistungskühen ergänzen
Dabei ist gerade das Grundfutter wichtig, das jeder Betrieb selbst herstellt. Je besser die Qualität, desto besser ist die Nährstoffversorgung der Kuh und umso günstiger kann Milch produziert werden. Da aber das beste Grundfutter die Ansprüche einer Hochleistungskuh nicht ganz erfüllen kann, ist man auf Ergänzungs- und Leistungsfutter angewiesen. Je höher die Leistung einer Kuh, umso sinvoller sei ein höherer Maisanteil in der Futterration, sagte Ignaz Hutter, Fütterungsspezialist der UFA AG.
Denn die unbeständige Stärke liefert via Pansen Propionsäure, die wichtig für die Milchproduktion ist. Gleichzeitig liefere die sogenannte Bypass-Stärke über den Dünndarm Glukose, die eine Pansenübersäuerung verhindert und so für eine gut funktionierende Verdauung sorgt.
Routinearbeiten verrichten die Maschinen
Der Fütterungsplan kann errechnet und muss dann im Stall umgesetzt werden, damit jede Kuh ihrer Leistung entsprechend gefüttert werden kann. Doch damit die Kuh überhaupt zum Futter kommt, muss dieses vorgelegt werden.
Und das sei eine harte Routinearbeit, die mit der richtigen Mechanisierung wesentlich erleichtert werden könne, so Urs Schmid von DeLaval. Mit automatischen Fütterungsanlagen würden Futtermischungen gemäss Fütterungsplan hergestellt und den
Kühen mehrmals täglich vorgelegt.
Alles im Namen der Kuh – zu jeder Tageszeit
Jörg Geiger aus Balgach SG füttert in einer Betriebsgemeinschaft die 140 Kühe mit einem Futterautomaten. Im Vergleich zu vorher hätten Energie- und Arbeitskosten gesenkt werden können. Auch die Milchleistung sei seit der Inbetriebnahme des Futterautomaten gestiegen.
Tiziano Ziliani von Lely stellte die Kuh in den Mittelpunkt. Alles drehe sich um sie, von der Futtergewinnung bis zum Endprodukt, die Milch – vom Gras ins Glas. Beim Melken mit einem Roboter sei es wichtig, dass die Kuh gerne zum Melkroboter komme. Denn dieser nimmt der Kuh den Druck im Euter ab.
Die Melkintervalle hätten sich zwar kaum verändert, die Milchmenge, die eine Kuh produziere, hingegen schon. Und damit steige auch der Druck im Euter,
erklärt der Experte. Mit der Automatisierung werden die Melkzeiten flexibel und der Kuh angepasst, der Landwirt gewinnt dadurch Freizeit. Die problemlose Kuh sieht er dabei kaum, weil die Technik mit ihr arbeitet. Hingegen sieht der Tierbetreuer hauptsächlich jene Kühe, welche beim Melkroboter Alarm auslösen. Hier gilt es dann möglichst rasch zu reagieren und das Problem zu lösen. Wie Rudolf Bigler aus Mosseedorf BE klarstellte, müsse die Ursache gefunden werden, egal zu welcher Tageszeit. Bigler hat seinen Betrieb mit Fütterungs- und Melkroboter fast vollständig automatisiert.
Hochleistungskühe müssen nicht mehr Probleme haben
Dass Kühe mit hohen Leistungen auch gesund sein können, bestätigte Simon Kohler von der Hochschule für Agrar- Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL). Trotzdem geraten viele Kühe in der Startphase der Laktation in ein Energiedefizit.
Gemäss eigenen Untersuchungen leidet rund ein Drittel der Kühe in dieser Zeit ohne klinische Symptome an einer subklinischen Ketose. Es wird jedoch oft festgestellt, dass die Kühe kurz nach der Geburt ein-bis zweimal brünstig werden, danach ist nichts mehr zu sehen, ein Problem, das fast jeder Viehhalter kennt.
Intensive Kälberaufzucht –Kühe mit höheren Leistungen
Aber auch die Kälberaufzucht ist wichtig, wenn man später gesunde und leistungsfähige
Kühe möchte. Andreas Caduff vom Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum Plantahof sagt, dass nicht nur die frühe Gabe von Kolostrum für die Entwicklung der Kälber wichtig sei, sondern auch eine intensive Fütterung zu Beginn der Aufzucht.
Die Kälberaufzucht müsse intensiv sein, danach könne bis zur ersten Geburt zurückgefahren werden. Genügend Milch, Wasser, Rau- und Aufzuchtfutter sei für gesunde, frohwüchsige Kälber mit hohen Tageszunahmen wichtig, sagt Caduff. So würden die besseren Milchleistungen nach intensiver Aufzucht die höheren Aufzuchtkosten wieder wettmachen.
Wer kennt wirklich die Produktionskosten für Milch?
Kühe füttern und melken ist das eine. Die Milchgewinnung rentabel zu betreiben das andere. Kühe mit gleichen Leistungen, jedoch mit verschiedenen Managements produzieren ihre Milch zu unterschiedlichen Preisen und dem entsprechenden Gewinn für die Landwirte.
Als Markus Höltschi vom Berufsbildungs- und Beratungszentrum Hohenrain LU auf die Kosten-Nutzen-Frage einging, war es im Hörsaal am Plantahof absolut still. Wohl überlegte sich jeder, wie es auf seinem Betrieb aussieht und ob die Milchwirtschaft überhaupt noch rentabel ist, vor allem, wenn der Milchpreis unter fünfzig Rappen fallen würde.
Vrena Crameri-Daeppen

