Viel Erfolg mit dem Braunvieh!

Das Jammern über Genomik hilft nichts: Eine Rasse ist immer so gut wie diejenigen, die sie züchten, findet Braunvieh-Züchter Beni Broger.

Wir züchten schon seit jeher Braunvieh. Momentan 35 Milchkühe und um die 35 Stück Jungvieh. Die Leidenschaft fürs Vieh wurde jeweils vom Vater auf die Kinder weitergegeben. Die Rasse – egal welche – ist nur so gut wie derjenige, der sie züchtet und hält. Dabei spielen ein klares Ziel und Leidenschaft eine wichtige Rolle. Was muss meine Kuh – sprich das nächste Kalb – können? Ziel muss eine leistungsfähige, gesunde Kuh sein. Da gibts bei mir keinen Kompromiss.

Jede Rasse hat Vor- und Nachteile. Auch gibt es auf jedem Betrieb Höhen und Tiefen. Manchmal möchte man alles über den Haufen werfen oder gar aufgeben. Wirds dann besser? Das momentane Umfeld, der Markt, Trends, Politik usw. machen es nicht gerade einfach. Dabei ist es wichtig, sein Zuchtziel nicht aus den Augen zu verlieren. Es wird oft über Genomik und Stieren-Angebot gewettert. Die Genomdaten nützen nur, wenn die eigenen weiblichen Tiere auch getestet sind. Dann sind sie vergleichbar.

Für das Endprodukt Kalb sind wir selber verantwortlich

Wir testen schon lange alle Tiere. Das erhöht die Datensicherheit. Somit können die Eigenschaften des Kalbes abgeschätzt werden. Das mache ich bei möglichen Anpaarungen immer. Der Besitzer entscheidet, welche Paarung er macht. Nicht die Besamungsstation oder der Zuchtverband. Für das Endprodukt Kalb sind wir selber verantwortlich. Es gibt Punkte, bei denen es etwas Spielraum gibt, bei anderen – bei mir zum Beispiel die Milchleistung – nicht.

Als Züchter verkaufe ich gerne Vieh. Wachsende Betriebe brauchen leistungsbereite Tiere. Diese werden leider zu wenig angeboten, da zu wenige verfügbar sind – eine Folge von geringerer Nachzucht und Gebrauchskreuzungen. Diese Angebotslücke sollte geschlossen werden. Ich durfte im Jahr 1999 auf einer Milchfarm in Kanada arbeiten. Dort war die Leidenschaft für die Rasse spürbar. Die können wir den Holsteinzüchtern abschauen.

Dort wurde mir vermittelt: Die nächste Kuh ist nur so gut wie ihr Start ins Leben. Also fünf Liter Biestmilch sofort nach der Geburt und nicht erst am nächsten Morgen. Gleich nach der Kalbung der Kuh möglichst viel lauwarmes Wasser geben, melken und das Kalb tränken: das ist ungefähr 15 Minuten nach Geburt erledigt. Beim Ablauf sollte kein Kompromiss gemacht werden. Solche Kälber trinken in der Folge mehr, sind gesünder und haben als Rinder höhere Milchleistungen. Leider wird beim Start oft zu viel Potenzial verschenkt.

Mit anderen Züchtern vernetzen und dazulernen

Die braune Kuh hat sehr viele gute Eigenschaften: Robustheit, Milch-Inhaltsstoffe, Fundament, Charakter ... Sie behauptet sich rund um den Globus und muss sich nicht verstecken. Ich habe Braunviehherden in Australien oder Kalifornien gesehen, bei 40 Grad. Liebe Züchterkollegen: Schaut über den Tellerrand, auch im Ausland. Dabei hilft es natürlich, wenn man Französisch oder Englisch spricht. Diskutiert mit Züchtern der eigenen und anderer Rassen und informiert euch darüber, was diese gut machen.

Es gibt rund um den Globus überall gute Braunviehlinien und Züchter. Sie geben gerne Auskunft. Vernetzt euch – auch das ist etwas, das wir den Holsteinzüchtern abschauen können. Die agieren weltweit – warum wir Braunviehzüchter nicht? Junge sollten die Chance eines Auslandspraktikums packen. Dort werden Weitblick gefördert und Kontakte fürs Leben geknüpft. Seid offen für Neues, auch in der Zucht (ET, IVP …).

Als Erstes züchten wir die Nummer 1 für unseren Stall, und wenn es dann noch die Nummer 1 an einer Schau ist, schön und gut. Viel Erfolg mit dem Braunvieh!