Schafhaltung hat für den Kanton Uri eine grosse Bedeutung. Viele Schäfeler betreiben dies allerdings als Hobby, umso wichtiger sei für diese eine gesicherte Abnahme für die Tiere, erklärt Franz Püntener, Marktorganisator des neuen Schafannahmeplatzes. Viele Tiere werden jeweils direkt im Herbst ab den Alpen vermarktet, diese vielen dezentralen Märkte bleiben erhalten. Ein grosses Bedürfnis sind aber auch Schafmärkte über den Winter.
Zentraler Wintermarkt
Schon vor 20 Jahren sei ein zentraler Marktplatz ein Thema gewesen, weiss Franz Püntener. Vor drei Jahren machte der kantonale Kleinviehzuchtverband eine Umfrage bei den Mitgliedern. Diese sprachen sich für die Schaffung eines solchen Platzes für die Wintermärkte aus. Deshalb schlossen sich die vier bisherigen Marktplätze Bürglen, Erstfeld, Unterschächen und Wassen zusammen und unterstützten das Vorhaben. Erstfeld eignete sich aus geografischen Gründen am besten als zentraler Marktplatz. Einen solchen gab es dort bereits einmal beim Bärenboden, er hatte aber einem kantonalen Pfadiheim weichen müssen.
Erstfeld ideal geeignet
Der neue Platz beim Forstwerkhof der Bürgergemeinde Erstfeld ist verkehrstechnisch ideal er-schlossen: nahe der Autobahn und auch mit dem LKW gut erreichbar. «Dank der wohlwollenden Zusammenarbeit mit der Gemeinde Erstfeld, der Korporation Uri und verschiedenen Sponsoren und Geldgebern haben wir einen neuen Standort für den zentralen Marktplatz gefunden», so Franz Püntener. Der Urner Kleintierzuchtverband übernimmt die Trägerschaft und betreibt den Marktplatz. Das Marktteam bilden Vertreter der verschiedenen Zuchtvereine. Die Wintermärkte finden ab Januar bis Ende Mai statt, geplant sei je nach Anmeldungen alle zwei bis drei Wochen, sagt Püntener. «Durch jährlich sieben Winter-Markttage profitieren Schafhalter von einem gesicherten Absatz, sowie einer optimalen Markt- und Preistransparenz.»
Gut für örtliche Schafzüchter
Der Urner Kleinviehzuchtverband unterstütze mit dem Betrieb des Schafannahmeplatzes die örtlichen Schafzüchter. Gerade Hobby-Schäfeler seien auf garantierte Abnahme angewiesen. Klar gebe es auch Konkurrenz durch private Händler, welche die Tiere ab Hof abholen. Aber da würden die Schafhalter sicher weniger lösen als bei Versteigerung durch die Proviande auf einem öffentlichen Marktplatz, meint Püntener. «Wir sind dankbar für die frühzeitigen Anmeldungen durch die Schafhalter und rechnen damit, dass auch am kommenden Markt im März wieder 240 bis 350 Schafe versteigert werden», so Franz Püntener und Heiri Arnold von der Marktkommission.
Am 8. Februar fand die erste Schafannahme auf dem neuen Platz in Erstfeld statt. 48 Bauern meldeten insgesamt 240 Schafe an. Die Tiere werden einzeln oder in Gruppen durch die Klassifizierer von Proviande taxiert. Die Versteigerung erfolgt mit öffentlichem Ausruf an zentraler Stelle in der Nähe der Waage. Die Waage bestimmt das Basisgewicht für den Verkaufspreis. Um die Verschiebung an die anderen Marktplätze bei Bedarf zu ermöglichen, wurde die Waage der Firma Grüter Eschenbach kundenindividuell als mobile Alu-Konstruktion mit Stahlrahmen hergestellt. Es können gleichzeitig bis zu zehn Schafe gewogen werden.
Wolf macht grosse Angst
Die Schafhaltung sei im Kanton Uri stark unter Druck, mangelnde Rentabilität und der zunehmende Druck der Grossraubtiere machten ihr zu schaffen, betont Franz Püntener. Der Herdenschutz habe Grenzen, viele Schafhalter seien sehr verunsichert und hätten Angst. Schon letztes Jahr habe es sehr viele Risse durch Wölfe gegeben. Befürchtet wird eine Verschiebung von Wolfrudeln aus dem Bündnerland ins Urnerland.

