Start der Antibiotika-Datenbank harzt

Vor einem Jahr hiess das Parlament das Informationssystem Antibiotika gut. Getan hat sich seither wenig.

Im Dezember 2014 einigte sich das Parlament auf die Einführung einer nationalen Antibiotikadatenbank. Rund ein Jahr später ist das Bundesamt für Lebensmittel und Veterinärwesen (BLV) weit davon entfernt, über eine solche Datenbank zu verfügen. Schuld daran sind die langsam mahlenden Staatsmühlen der Schweiz.


Heilmittelgesetz noch nicht beschlossen


Die Antibiotikadatenbank wurde im Rahmen des Heilmittelgesetzes (HMG) zwar beschlossen, aber dieses befindet sich nach wie vor in der parlamentarischen Beratung. «Auch wenn im Parlament Einigkeit über die Artikel über das ‹Informationssystem Antibiotika› gefunden werden konnte, ist das HMG als Ganzes immer noch nicht vom Parlament beschlossen», erklärt BLV-Mediensprecher Stefan Kunfermann.

Auch Martin Rufer, Leiter des Geschäftsbereichs Viehwirtschaft beim Schweizer Bauernverband (SBV), geht davon aus, dass es noch «einige Zeit» dauern wird, bis die Antibiotika-Datenbank eingeführt werden wird. «Zusätzliche Verzögerungen könnte es geben, wenn das angedrohte Referendum gegen das Heilmittelgesetz aufgrund Parlamentsbeschlüssen im Humanbereich tatsächlich ergriffen wird», gibt er zu bedenken.


Erste Ergebnisse liegen frühestens 2019 vor


Abklärungen laufen zwar, aber aufgrund der noch ausstehenden Beschlüsse im Parlament, nur bis zu einem gewissen Punkt. «Eine der grossen Herausforderungen der Datenbank ist der Zeitfaktor», wirft Stefan Kunfermann ein. Denn solange das HMG nicht beschlossen ist, darf keine Ausschreibung stattfinden.

Eine solche Ausschreibung braucht mehrere Monate, dann kommt die Programmierung, und dann erst können die Daten gesammelt werden. Und läuft die Datenbank erst einmal, dauert es nochmals eine Weile, bis Daten ausgewertet und genutzt werden können. «Genaue Zeitangaben sind zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich», so Kunfermann. Auch Martin Rufer wagt lediglich eine vage Prognose: «Bis erste Ergebnisse der Datenbank vorliegen, könnte es aus meiner Sicht 2019 werden.»


Notwendigkeit ist von allen unbestritten


Die Notwendigkeit einer nationalen Datenbank zweifelt niemand an. Denn obwohl die Gesamtmenge an eingesetzten Antibiotika kontinuierlich abnimmt, steigen die Antibiotikaresistenzen. «Die Datenbank ist für uns wichtig», so Martin Rufer. «Nur so können wir unsere Erfolge auch ausweisen.» Denn nach wie vor herrscht keine Klarheit über den Einsatz von Antibtiotika in Bezug auf die Tierarten, die Anzahl der behandelten Tiere oder auch der Grund für die Anwendung.


Währenddem die Mühlen nun weitermahlen, steht die Schweizer Tierhaltungsbranche aber nicht still. «Es läuft extrem viel», sagt Martin Rufer. In allen Branchen laufen die verschiedene Programme, die den Einsatz von Antibiotika reduzieren wollen. Auch auf nationaler Ebene wird gearbeitet: «Das StAR-Projekt (Strategie Antibiotikaresistenzen) ist auf Kurs», sagt Stefan Kunfermann. Seit der Verabschiedung durch den Bundesrat letzten November sind die zuständigen Bundesämter intensiv an der Planung der Umsetzung. Einzelne Massnahmen werden momentan schon ausgearbeitet», so Kunferman.


Julia Overney

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