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Scanning ist ein effizientes Management-Hilfsmittel, findet Schafzüchter Stefan Gantenbein

Schafzüchter Stefan Gantenbein ist überzeugt von der Ultraschalldiagnostik. Damit könne er die Fruchtbarkeit seiner Schafherde optimieren und die Schlachtung trächtiger Schafe gänzlich vermeiden.

Auf dem Hohrütihof in Speicher AR kommt ein Scanning-Ultraschalldiagnostikgerät regelmässig zum Einsatz. Ein zweifacher Aufenthalt auf einem Schafzuchtbetrieb mit 2000 Tieren in Grossbritannien und einer der grössten Bio-Schaffleischproduzenten haben Betriebsleiter Stefan Gantenbein dazu bewogen, das Fruchtbarkeits- und Ablammmanagement von Profis genau zu studieren. Nach seiner Rückkehr war er vom System voll überzeugt und besorgte sich das dort breit eingesetzte Scanning-Ultraschalldiagnostikgerät zur Optimierung der Fruchtbarkeit seiner Schafherde und Ablammorganisation.

Betriebsspiegel Generationengemeinschaft Hohrütihof

Name: Stefan und Robert Gantenbein Ort: Speicher AR LN: 31,9 ha nach Bio Suisse Knospe (Vollerwerbsbetrieb) Viehbestand: 200 Mutterschafe aus Kreuzungen (Spiegelschaf × Schwarzbraunes Bergschaf), davon 50 Auen für Remontierung (Texel), Zukauf der Böcke für Nachzucht (Spiegelschaf x SBS), Eigenremontierung der Böcke für Fleischproduktion (Texel, Charollais je 50 %) Zuchtziel: Robustheit, gute Fruchtbarkeit, tiefer Futterverbrauch, lange Tiere, gute Zunahmen mit weniger Fett Vermarktung: Alpstein-Lamm über IP Suisse und Selbstvermarktung Arbeitskräfte: Stefan Gantenbein (Nebenerwerb Scanning und Schafschur), Vater Robert und Mutter (Teilzeit)

Nach einer harten Einarbeitung sind die Vorteile nun sichtbar

«Nach vier Trainingsjahren kann ich mittlerweile mit der Trächtigkeitsdiagnose die Vorzüge für unseren Betrieb erkennen», erwähnt der versierte Schafzüchter. Die volle Ausnutzung des Futterwertes der Wiesen, der weitgehende Wegfall des aufwendigen Abtränkens von Drillingslämmern sowie das frühzeitige Ausmerzen unträchtiger Mutterschafe seien für eine rentable Bewirtschaftung entscheidend. Im Weiteren könne Stefan Gantenbein seither die Schlachtung trächtiger Schafe gänzlich vermeiden, «denn in Zukunft könnten unbegründete Schlachtungen von trächtigen Schafen mit einer Gebühr belastet werden», sagt er. Beim Rindvieh ist das bereits Tatsache und wird mit 200 Franken gebüsst.

Bockmanagement für Jahresplanung zentral

Der Betriebsleiter strebt für die Alpung aller Mutterschafe zwei saisonale Ablammungen an, und zwar jeweils im März mit den Mutterschafen für die Lämmerproduktion und im Oktober mit den 50 Auen für die Nachzucht. Im Oktober und Mai bleiben die ausgewählten Böcke über zwei Brunstzyklen oder sechs Wochen bei der Herde. Für eine gute Deckleistung werden auf 50 Mutterschafe immer drei Böckeunterschiedlichen Alters der Herde zugeteilt. Die männlichen Tiere werden mit einem Deck­geschirr ausgerüstet. Am Ende des Deckaktes wird das Muttertier mit der Farbe des Farbkissens markiert, und Stefan Gantenbein hat somit die Kontrolle je nach Farbe, mit welchem Bock welches Muttertier gedeckt wurde.

Höhere Fruchtbarkeitsrate nach separater Haltung und Sichtkontakt

Die alte Tradition, dass Böcke immer bei der Herde sein sollten, um möglichst viele Geburten zu erzielen, teilt der gut organisierte Berufsschäfer in keiner Art und Weise. Nach der Alpent­ladung, der Schafschur und der Herbstweide mit einer guten Mineralstoffversorgung werden die Auen auf das Flushing (Deckperiode) vorbereitet. Die separat gehaltenen Böcke teilt Gantenbein anschliessend der Herde zu.

Scanning – 11 Wochen nach Bockeinsatz

Scanning ist ein effizientes Management-Hilfsmittel, findet Schafzüchter Stefan Gantenbein
Die Mutterschafe werden im geschlossenen Treibgang leicht vor dem Euter an einer wollfreien Stelle gescannt.

Während heute noch immer die meisten Schafbetriebe im letzten Trächtigkeitsmonat anhand des Aufeuterns die Trächtigkeit feststellen, liefert die Ultraschalldiagnostik schon nach 60 bis 70 Trächtigkeitstagen präzise und zuverlässige Angaben über die Trächtigkeit respektive Unträchtigkeit sowie die Anzahl Föten. 30 Tage nach dem Bockeinsatz kann noch keine Trächtigkeit erkannt werden, und ab 80 Tagen wird es kritisch beider Ultraschalldiagnose, da die wachsenden Föten übereinander liegen und im Ultraschall nicht mehr einzeln erkannt werden können. Auf der Vorweide und der Alp werden die Auen für die Nachzucht nicht gescannt.

Leere Auen erhalten eine Chance

In den letzten Jahren musste Gantenbein eine stetig sinkende Unträchtigkeitsrate von 8 bis 10 Prozent beobachten. Leere Erstlingsauen und Muttertiere für die zweite Laktation erhalten beim Schafzüchter eine weitere Chance, im nächsten Jahr trächtig zu werden. Er teilt sie je nach Kondition in die Auengruppe mit Einlingsgeburten. Mutterschafe der dritten/vierten Laktation werden nach negativem Trächtigkeitsbefund in der Regel ausgemerzt.

Die leeren Auen werden nicht in separaten Gruppen mit Bock zugeteilt, da Ablammungen auf der Alp nicht geduldet werden. Diese Tiere werden bei der nächsten Deckphase hinzugefügt. Die über 1700 Messungen, die Stefan Gantenbein zurzeit auf zwölf Betrieben bei Mutterschafen durchführt, sind vorwiegend für Wanderherden, welche nicht trächtig sein sollten.

Zwei Fütterungsgruppen nach Ultraschalldiagnose

Während Einlingsauen bis zur Hochträchtigkeit infolge tieferen Bedarfs mit Ökoheu, später mit Heu oder Heusilage oder Emd des dritten Schnittes gefüttert werden, verzehren Zwillings- und Drillingsauen Heu oder Silage des ersten Schnittes, ab Hochträchtigkeit und während der Säugezeit erhalten sie bei Gantenbein Emd inklusive Silage des zweiten Schnittes. Die Lämmer aus Mehrlingsgeburten bekommen für einen guten Start gutes, feines Emd und sehr wenig Kraftfutter im Lämmerschlupf. Während der Grün­fütterung werden keine Leistungsgruppen gebildet.

Ablammperiode – stressige aber entscheidende Phase

Die Ablammungen finden in den jeweiligen Fütterungsgruppen statt. Nach der Geburt hält der Schafzüchter die Muttertiere und ihre Lämmer während zwei bis drei Tagen in Einzelbuchten für ein besseres Angewöhnen. Den meisten Mutterschafen mit Drillingen wird ein Lamm entnommen und Ein­lingsauen für eine problemlose Aufnahme noch während der Geburt zugeführt. Die stehenden Lämmer müssen früh nach der Geburt für eine rasche Kolostralmilchaufnahme an das Euter gebracht werden.

Scanning in der Schweiz

Wenn sich die einheimischen Konsumenten und Konsumentinnen immer mehr zu Schweizer Lamm- und Schaffleisch bekennen, könnten, langfristig gesehen, sicher mehr Vollerwerbsbetriebe entstehen. Für Berufsschäfer hiesse es, in den nächsten fünf bis zehn Jahren ihren Betrieb noch kostenbewusster zu führen und auf technische Hilfsmittel zuzugreifen, um die Fruchtbarkeit und Arbeitswirtschaft als Erfolgsfaktoren weiter zu optimieren.

Stellungnahme des Schafzuchtverbands

Die Zuchtbetriebe halten verhältnismässig wenig Schafe. Ein Scanning-Gerät für den eigenen Betrieb lohnt sich kaum. Zudem sind eine regelmässige Anwendung, um eine genügende Routine zu haben, nötig. Scanning als Auftragsarbeit Uns sind Züchter bekannt, welche dies regelmässig im Auftrag durch andere machen lassen. In gewissen Gebieten organisieren sie sich genossenschaftsweise und es kommen auch ausländische erfahrene Scanner in die Schweiz analog zu Lohnschafscherern. Auch einzelne Tierärzte machen Scanning. Züchter erkennen Trächtigkeit Eine grosse Zahl von Züchtern steuert mit zeitlich beschränktem Widdereinsatz die Brunst. Geübte Schäfer erkennen auch zirka sechs bis acht Wochen vor dem Termin die Trächtigkeiten. In der Ablammzeit werden oft unträchtige Tiere nachher entweder erneut den Widdern zugeführt oder die Tiere geschlachtet. Die Vorteile des Scannings mit gezielter Fütterung von mehrlingsträchtigen Auen sind einleuchtend. Bei guter Grundkondition und bestem Grundfutter sind die Schafe in der Regel in der Lage, die Lämmer auszutragen, ohne übermässig Gewicht zu verlieren. Die Startphase ist dann evtl. nicht optimal und Einlingsauen sind «überfüttert». Peppino Beffa, Präsident Schweizerischer Schafzuchtverband