Im Jahr 150 neue Mutterkuhbetriebe

Die Marke Natura-Veal ist weiterhin sehr erfolgreich. Es werden dafür noch mehr Produzenten gesucht.

Der Trend hält weiterhin an: Viele Betriebe steigen von der Milchvieh- auf die Mutterkuhhaltung um. «Mutterkuh Schweiz wächst um etwa 100 bis 150 Betriebe pro Jahr», bestätigt Daniel Flückiger, Leiter Kommunikation bei Mutterkuh Schweiz. «Der Verein zählt heute 5400 Mitglieder mit etwa 95'000 Mutterkühen.»

Wie viele Mutterkühe es ingesamt in der Schweiz gibt, wisse man nicht genau. Die Kategorie «Andere Kühe» in der Tierverkehrsdatenbank (TVD) umfasse alle Kühe, die nicht gemolken werden. Das seien neben Mutterkühen zum Beispiel auch Ausmastkühe oder Milchkühe, die während der Galtzeit auf 
einem anderen Betrieb stehen als während der Laktation.


Es kommt nicht mehr Fleisch auf den Markt


Besteht die Gefahr nicht, dass wegen der vielen Mutterkühe, plötzlich ein Überangebot an Fleisch entstehen könnte? Daniel Flückiger entwarnt. «Wegen der zusätzlichen Mutterkühe kommt nicht mehr Fleisch auf den Markt. Denn mit Kälbern von Milchkühen wird ebenfalls Fleisch produziert, deshalb steigt die Fleischproduktion mit der Umstellung von Milch- auf Mutterkühe nicht an», hält Flückiger fest.

Bei der Beliebtheit der Rasse sei dabei kein eindeutiger Trend sichtbar. «Am stärksten verbreitet sind F1-Kreuzungen und Tiere der Rassen Angus, Limousin, Charolais, Simmental, Braunvieh, Aubrac, Salers und Grauvieh sowie bei den Robustrassen Highland Cattle, Galloway und Dexter», hält Flückiger fest.

Den eingeschlagenen Weg weitergehen


Der Erfolg des eingeschlagenen Weges gebe Mutterkuh Schweiz recht. «Es ist wichtig, dass das Fleisch aus der Mutterkuhhaltung gebündelt vermarktet wird. So decken die Markenprogramme ein breites Spektrum ab, in das sehr verschiedene Mutterkuhbetriebe hineinpassen», bestätigt Daniel Flückiger. Daneben sei Mutterkuh Schweiz auch bestrebt, ihre Dienstleistungen (Herdebuch und Kommunikation) für ihre Mitglieder ständig zu verbessern.


Der Absatz ist von 
874 auf 4068 Tiere gestiegen


Vor allem auch die Marke, Natura-Veal, sei sehr beliebt. Denn dieses junge Kalbfleisch (die Tiere werden mit rund fünf Monaten geschlachtet) aus der Mutterkuhhaltung finde bei den Konsumenten reissenden Absatz. Wurden im Jahr 2009 noch 874 Tiere vermarktet, waren es im 2013 schon 4068 Tiere. Auch der Preis sei interessant. So werde aktuell Fr. 15.50 pro kg SG (T3) bezahlt. «Um diesen steigenden Bedarf auch decken zu können, sucht Mutterkuh Schweiz wei-tere Natura-Veal-Produzenten», sagt Adrian Iten, Leiter Markenprogramme bei Mutterkuh Schweiz. Denn: «Die Fleischqualität und das Tierwohl sind am Markt gefragt. Natura-Veal vereint beides. Die Partnerschaft mit Bell und Coop, die beim Natura-Beef schon über Jahrzehnte funktioniert, trägt zum Erfolg ebenfalls bei. Die Metzger, die das Fleisch täglich an der Theke verkaufen, sind von den Qualitäten des Produktes und der Produktion überzeugt und verkaufen es mit Stolz.» Bis jetzt werde Natura-Veal an 30 Coop-Verkaufsstellen angeboten. «In diesem Jahr sind 4700 Tiere geplant, was gegenüber dem Vorjahr rund 15 Prozent mehr sind», sagt Iten. Innerhalb der Marktpartnerschaft gehe man davon aus, dass die Menge in den nächsten Jahren weiter gesteigert werden könne. Vordringlich müsse das Sommerangebot verbessert werden. Denn die Preisanreize seien dahingehend ausgestaltet.


Nicht jede Rasse eignet sich dafür


Um bei der Produktion von Natura-Veal einzusteigen, sei nicht jede Rasse gleich gut dafür geeignet. «Eine ansprechende Milchleistung der Mutterkuh ist sehr wichtig. Zweinutzungs-

rassen wie Braunvieh, Grauvieh und Simmental eignen sich ebenso wie Kreuzungskühe», empfiehlt Adrian Iten. Auch bei den eigentlichen Fleischrassen gebe es Kühe mit guter Milch-leistung.

Werde aber mit Zusatzkälbern gearbeitet, sei auch die Toleranz der Mütter gegenüber fremden Kälbern gefragt. «Väterlicherseits werden hauptsächlich Limousin-Stiere eingesetzt, auch Angus-Stiere eignen sich dank ihrer Frühreife hervorragend. Generell ist darauf zu achten, dass Fütterung, Milchleistung, Schlachtkörpergewicht und Frühreife aufeinander abgestimmt sind», sagt Iten.


Auslauf und Weide muss täglich angeboten werden


Betreffend der Produktionsvorgaben seien diese analog Natura-Beef. «Mütterkühe und Kälber müssen gemäss BTS und RAUS gehalten werden, wobei Auslauf und Weide täglich angeboten werden müssen», bestätigt Adrian Iten. Väterlicherseits sei ein im Fleischrinderherdebuch anerkannter Stier gefordert.


Mütterlicherseits brauche es mindestens 50 Prozent Fleischrassengenetik oder eine ausgewiesene Zweinutzungskuh (OB, ROB, Simmental oder Grauvieh). «So kann eine hohe Fleischqualität garantiert werden. Die Fütterung ist sojafrei und hauptsächlich grasland-

basiert», so der Markenprogrammleiter.


Das Management darf man nicht unterschätzen


Und auf was muss man bei der Produktion von Natura-Veal besonders achten? «Damit mit rund fünf Monaten in der Weidehaltung ein qualitativ hochstehender Schlachtkörper produziert werden kann, muss das Management stimmen. Vor allem die Fettabdeckung ist eine Herausforderung», hält Adrian Iten fest.

Und: «Auch bei angepasster Genetik, guter Milchleistung und Fütterung werden nicht alle Kälber die geforderte Fettgewebeklasse erreichen.» Deshalb seien die Tiere vor der Anmeldung zur Schlachtung zu beurteilen. «Ungedeckte Tiere können als Mastremonten in den Swiss-Prim-Beef-Kanal verkauft werden oder aber auf dem Betrieb behalten und mit zehn Monaten als Natura-Beef geschlachtet werden», meint Iten.

Für Natura-Produkte sei ein durchlässiges Produktionskonzept logisch. Vor allem, wenn mit Zusatzkälbern gearbeitet werde, sei der Arbeitsaufwand höher als bei der Natura-Beef-Produktion. «Für Einsteiger werden auch die von Mutterkuh Schweiz regelmässig durchgeführten Kurse sehr empfohlen», hält der Fachmann fest.

Peter Fankhauser

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