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Erste Hilfe für verletzte Greifvögel

Seit über 60 Jahren werden in der Greifvogelauffangstation in Berg am Irchel kranke und verletzte Vögel aufgepäppelt und gesund gepflegt. Auch im Bereich der Bildung ist die Station aktiv.

Mäusebussard, Rotmilan, Turmfalke und verschiedene Eulenarten sind für die Landwirtschaft wertvolle, stille und unerlässliche Helfer. Auf ihrer Futtersuche sorgen sie kostenlos dafür, dass der Mäusebestand, die Engerlinge und andere unerwünschte Bewohner etwas in Schach gehalten werden können. Immer wieder kommt es aber vor, dass sich solche Vögel verletzen und im entsprechenden Zustand gefunden werden. In Vogelauffangstationen wie jener in Berg am Irchel werden diese Patienten wieder gesund gepflegt.

Aufenthalt in der Regel nur vorübergehend

Diese Institution nutzt ihre Arbeit auch dazu, um aktive Weiterbildung zu gewissen Schwerpunktthemen zu bieten. An einem Samstagmorgen im Dezember wurde das Leben der Eule und ihren Herbstbalz vorgestellt. Im ehemaligen Gartenhaus der Stationsgründerin Veronika von Stockar ist es Amber Gooijer, welche an diesem Morgen die Teilnehmer in die vielen Geheimnisse vom Leben der Eulen einweiht.

Grundsätzlich werden auf der Pflegestation keine aufgenommenen und gesund gepflegten Greifvögel gehalten. Sobald sie genesen sind, werden sie wieder in die Freiheit entlassen. Einzig ein Habichtskauzpaar ist seit Jahren in der grossen Voliere Dauerbewohner. Sie haben sich in ihrer neuen Umgebung sehr gut zurechtgefunden und sorgen Jahr für Jahr für Nachwuchs. Dieser wird jeweils in Österreich ausgewildert, um dort die Habichtkauz-Population langfristig zu sichern.

Interessante Fakten zur Eule

«Die grösste Eulenart ist der Uhu, der insbesondere in der Region Schaffhausen anzutreffen ist», führt Amber Gooijer bei der Präsentation eines ausgestellten Uhu-Paares aus. Bis anhin sind in der Station drei Uhus wieder aufgepäppelt und gesund gepflegt worden. «Alle Eulenarten sind auch Käuze, aber nicht alle Kauzarten sind Eulen», fährt Gooijer fort. Greifvögel wie der Mäusebussard, Rotmilan, Turmfalke oder auch der Steinadler unterscheiden sich durch verschiedene, vor allem anatomische Merkmale von den Eulenarten.

Die Greifvögel sind vorwiegend am Tag aktiv und Jagen ihre Beute bei Tageslicht. Dabei sind sie mit ihrem eher kleinen Kopf auf sehr scharfe Augen angewiesen. Die meisten Eulenarten sind hingegen nachtaktiv und haben dafür zahlreiche ausgeprägte Anpassungen, um ihre nächtlichen Aktivitäten mit dem Jagen auszuüben. Sie haben ein sehr gutes Gehör, das sie zur Beute führt. Doch sie haben keine eigentlichen Ohren, sondern nur seitlich am Kopf kleine Öffnungen, welche am Schädel nicht auf der gleichen Höhe sind.

«Die eigentliche Ohrmuschel ist das runde Gesicht», erklärt die Fachfrau. Dieses fängt den Schall von möglichen Beutetieren auf und leitet sie der Ohröffnung zu. Aufgrund der unterschiedlichen Höhe kann die Eule exakt den Ursprung des Lautes in der Dunkelheit orten und findet so auch die zu jagende Beute.

Nistkästen sind willkommene Unterkünfte

Mit dem Waldkauz, der sich gerne auf Hochstammbäumen versteckt, werden verschiedene Mythen in Verbindung gebracht. «Der Waldkauz ist ein guter Kletterer. Die Jungen werden auf Ästen gefüttert», erklärt Amber Gooijer. Die Schleiereule als wärmeliebende Art bezeichnet sie als Kulturfolger, der sich gerne in grossen, alten landwirtschaftlichen Liegenschaften aufhält, wo die Schleiereule auch ein Teil ihrer Futterbasis findet.

Die Waldohreule hat viele Ähnlichkeiten mit dem deutlich grösseren Uhu. «Generell haben die Eulen die besondere Eigenschaft, dass sie ihren Kopf bis zu einem Radius von 270 Grad drehen können. Damit können sie den Schall der möglichen Beute sehr ideal aufnehmen», fährt Gooijer fort. Es gibt auch kleine und sehr kleine Eulenarten wie der Stein- und Raufusskauz, die Zwergohreule und der Sperlingkauz.

Gooijer zollt der Landwirtschaft viel Anerkennung: «Sie stellen Stangen mit Sitzgelegenheiten auf den Feldern auf, welche von den Raub- und Greifvögel sehr gerne angenommen werden.» Zugleich sorgen viele Bauern mit dem Anbringen von Nist- und Brutmöglichkeiten an und in Scheunen, Feldschöpfen oder Silos dafür, dass sich Eule, Turmfalke und andere Arten fortpflanzen können.

Operiert wird im Tierspital

In der Station sind aktuell verschiedene Vögel in der Pflege. «Wir verfügen über keinerlei Einrichtungen, um medizinische und chirurgische Eingriffe vorzunehmen. Dies erfolgt in der Regel im Tierspital», erklärt Jan Kobza. Massnahmen wie das Anbringen von Stützen, Verbänden oder Schienen werden aber ausgeführt. Aktuell wird in der Station eine Schleiereule gepflegt. In einer grösseren Voliere wird ein Mäusebussard gehalten, der hier wieder zu Kräften kommt.

Erste Hilfe für verletzte Greifvögel

Bei arg verletzten oder beeinträchtigten Vögeln wird bewusst auf die von der Gründerin Veronika von Stockar angewendete Praxis gesetzt, dass die Vögel in kleinen Boxen und in Dunkelheit ruhig gehalten werden. Damit wird erreicht, dass sich die Patienten sehr ruhig verhalten und nicht zu viel Energie verbrauchen. Sie werden während dem Tag regelmässig betreut, überwacht und allenfalls gefüttert.

Zugleich werden alle Patienten beringt, damit sie auf der Pflegestation exakt erfasst und später nach der Freisetzung allenfalls wieder identifiziert werden können. «Wir haben schon erlebt, dass einzelne Vögel in weit von uns entfernten Regionen aus irgendeinem Grund aufgefunden wurden», fügt Kobza bei.

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