Ich mache mit meinen Stuten Gymkhana. Viele belächeln diese Kategorie. Da frage ich jeweils gerne nach: «Kannst du mit deinem Pferd länger still stehen bleiben? Kannst du eine Fahne oder einen Regenschirm transportieren?» Meistens müssen die Spötter dann zugeben: «Das könnte ich mit meinem Pferd nicht.» Das Gymkhana ist eine Geschicklichkeitsprüfung, die sowohl den Reiter als auch das Pferd fordert. Es integriert alle Disziplinen wie Dressur, Fahren/Rücken und Western. Alle Fähigkeiten werden in einem Parcours zusammen geprüft.
Am Samstag war bei mir um 4.30 Uhr Tagwache, damit ich um 6.30 in Avenches den ersten Parcours besichtigen konnte. Als die ersten Teilnehmer eintrudelten, war es noch dunkel. Nach der kurzen Besichtigung ging es los mit dem ersten Teilnehmerpaar. Da es immer grosse Teilnehmerfelder hat, muss alles zügig vorwärtsgehen. Der Parcours war super gestellt und man merkte gleich: Der Parcoursbauer hat sich etwas überlegt. Bei Posten 3 wurde es etwas knifflig. Man musste einen Gymnastikball mit einem Unihockeyschläger über eine mit zwei Hindernisstangen gemachte Rampe transportieren, viel Spiel hatte es dabei nicht. Mir gelang es nicht, auch viele andere konnten den Posten nicht erfolgreich absolvieren.

Helfende Hände
Insgesamt galt es, in einer Zeit von maximal fünf Minuten zehn Posten zu absolvieren. In der Kategorie I waren wir 34 Teilnehmer. Natürlich wollte jeder eine Klassierung mit nach Hause nehmen. Am Schluss wurden insgesamt 17 Teilnehmer klassiert. Ich schaffte es mit meiner Stute auf den 9. Rang. Für mich ein erfreuliches Resultat – ich mache mit ihr noch nicht so lange Gymkhana.
Nach der Ehrenrunde ging es auch gleich weiter mit der Parcoursbesichtigung vom Gymkhana Stufe II. Der Parcours war von der Reihenfolge gleich wie der vordere, aber etwas schwieriger, so musste man jetzt beim Slalom mit einer Hand reiten, an einem Posten musste man seitwärtsrichten, beim Gymnastikball war die Rampe nun länger. In dieser Stufe hatte ich mit meiner anderen Stute bereits die Startnummer 1, was immer etwas schwierig ist, weil man eben keinem Reiterpaar vorher zuschauen kann und das Pferd bereits vor der Parcoursbesichtigung warmgeritten haben muss. Daher war ich froh und dankbar, helfende Hände zur Seite zu haben: Die «Grooms» halfen, die Pferde zu tauschen, zu versorgen, wieder bereit zu machen.

Am Anfang schien alles gut zu gehen – abgesehen vom Posten 3, der mir schon beim ersten Mal Probleme gemacht hatte. Kaum kamen wir an dem Ball an, war er schon wieder weg. Ich ritt sofort weiter zum nächsten Posten. Nach meinem Gefühl waren wir gut dran, die Stute absolvierte mir den eher eng gestellten Slalom einhändig und für ihre Grösse und Länge – sie ist eher ein grossrahmiger Freiberger – seidenfein. Aber dann, beim Posten 8, wollte sie nicht gleich vorwärts und brauchte ihre Zeit, um zu analysieren. Es war ein langer roter Teppich, am Anfang und Ende ein schwarzer Teppich drauf und in der Mitte musste man unter einem Vorhang mit Schwimmnudeln durchreiten. Wir verloren viel Zeit und auch Punkte – und leider kostete uns genau das die Klassierung.
Ein wenig Glück
Manchmal klappt eben nicht immer alles. Für mich ist die Hauptsache, dass die Stute hindurchgelaufen ist. Auch wenn die Ziele bescheiden und die Fortschritte manchmal klein sind – man muss zufrieden sein, mit dem, was man hat, und das Pferd als Partner schätzen. Der Fehler liegt meist nicht bei ihm. Es ist schon wunderschön, wenn man sich qualifiziert fürs «National». Wenn man dann noch klassiert wird, ist es das Tüpfelchen auf dem «i». Dafür braucht es immer auch ein wenig Glück an diesem Tag und man erhofft sich natürlich eine Klassierung im Final.
Für mich ist es das Highlight der Saison. Man arbeitet mit dem Partner Pferd jeden Tag, investiert sehr viel Herzblut, Zeit und Geduld in das Pferd. Dahinter stehen ebenso viel Stolz, Freude und Leidenschaft. Das eigene Pferd am «National» vorstellen zu dürfen, ist eine grosse Ehre – das sollte nie vergessen werden. Für mich persönlich steht immer das Pferd im Vordergrund. Wir Freibergerbesitzer wissen ja: Einmal Fribi, immer Fribi!
Ein wichtiger Ort des Austauschs
Jedes Jahr Mitte September findet im Nationalgestüt in Avenches der National FM, Schweizer-Sport- und Zuchtfinal der Freiberger statt. Züchter, Besitzer und Liebhaber des Freibergers kommen an diesem Wochenende nach Avenches, um den Freiberger in seiner ganzen Schönheit, seiner Vielseitigkeit und Vielfalt zu bewundern. Die Pferde werden in verschiedenen Disziplinen wie Springen, Dressur, Gymkhana, Rückeprüfung, Zugprüfung und Fahren vorgestellt. Am Final können nur Pferde teilnehmen, die sich in der vorausgehenden Saison durch erreichte Resultate qualifiziert haben. Die Prüfungsresultate sind wichtig für die Zucht. Die Resultate der Qualifikation und der Finalklassierung fliessen in die Kategorisierung der jungen, im Herdebuch eingetragenen Zuchthengste ein. Im Weiteren gibt es auch Zuchtstuten-Championat, Elitejungstuten-, Stutfohlen-/Hengstfohlen-Championat, Genossenschaftscup. Alles, was durchs Jahr mit den Pferden gearbeitet, gezüchtet und aufgebaut wird, sieht man an diesem Wochenende in Avenches. Es ist ein wichtiger Ort des Austauschs für die Züchter und Nutzer des Freibergers.
Am Samstagabend finden jeweils die FM-Show und die Fohlenauktion statt. Unter anderem ein Derby, das Springen und Fahren miteinander verbindet. Zuchthengste werden präsentiert und die Ehrung der nominierten Hengste und der Preis «Hengst des National FM» werden vergeben. Zum Schluss des Abends findet die Auktion der FM-Verkaufsfohlen statt. Interessierte können dort ihr zukünftiges Freiberger-Pferd erwerben, wenn dies nicht bereits zu einem früheren Zeitpunkt direkt von einem Züchter erworben worden ist.
Der Freiberger ist die letzte ursprüngliche Schweizer Pferderasse aus den berühmten Freibergen im Schweizer Jura, den «Franches-Montagnes». Freiberger-Pferde sind bekannt für ihren ruhigen und geduldigen Charakter und gelten als sehr zuverlässig. Sie sind sehr vielseitig einsetzbar und haben ein gutmütiges Wesen.

