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Ein angenehmer Lebensabend für Pferde in Brienz GR

Auf dem Hof von Markus und Ramona Bläsi im Bündnerland bleiben 23 Pferde bis zu ihrem Lebensende.

Als Markus Bläsi den Hof Spisagger nahe beim Weiler Vazerol im Jahr 1999 pachten konnte, dachte er nicht im Traum daran, dass auf diesem Milchwirtschaftsbetrieb einmal nur noch Pferde leben und weiden würden. Wie sein Vorgänger Franz Durisch melkte Bläsi die braunen Kühe und mästete Kälber. Doch als seine Freundin Ramona 2006 auf dem Hof einzog, begann ein neuer Wind zu wehen. Ramonas Herz schlägt für die Pferde, und sie zog mit ihren Pferden auf dem Spisagger ein. Sie gab Reitunterricht und lehrte Kinder und Erwachsene mit den Tieren umzugehen. Es wurden auch Pensionspferde aufgenommen. Die Viehherde wurde kleiner und kleiner, bis 2009 die letzte Kuh den ehemaligen Viehstall verliess.

Pferd in den Ferien

Denn 2009 konnten Markus und Ramona Bläsi den Betrieb kaufen. Jetzt hatten sie die Möglichkeit, ihr neu erworbenes Eigentum umzubauen und sich voll auf die Pferdehaltung auszurichten.

Ein Pensionsstall im Bündnerland mit 16 Hektaren Weiden um den Hof, Gruppenhaltung, individuelle Fütterung, Bergluft – das waren Gründe für Pferdehalter aus dem Unterland, ihr Pferd nach Brienz/Brinzauls zu bringen. Erst kamen Pferde aus dem Bekanntenkreis aus dem Kanton Glarus auf den Spisagger. Später kamen auch aus anderen Kantonen Anfragen. Vazerol ist sonnig gelegen, bietet sich gut als Erholungsparadies für Pferde an, aber auch für Ausritte. Pferdebesitzer wollen gerne mal ohne Pferd in die Ferien fahren, ihren Lieblingen jedoch etwas Gutes tun – also: Pferdeferien auf dem Spisagger.

Le Roselet als Vorbild

Alte Tiere erbringen weniger Leistung, sind jedoch noch gesund – man möchte ihnen einen schönen Lebensabend schenken. Bereits 1958 gründete Hans Schwarz in Le Roselet die «Stiftung für das Pferd». Damals wurden vor allem alte Arbeitspferde nach Le Roselet gebracht, wo sie ihre letzten Jahre verbringen konnten. Auf dem Spisagger sind zur Zeit 23 alte Pferde und Ponys zu Hause. Sie werden hier bis zu ihrem Lebensende bleiben. Wenn nötig, wird mit dem Besitzer entschieden, ob ein Pferd oder Pony euthanisiert wird. Das älteste Pferd auf dem Spisagger ist die Freibergerstute Camelia, sie ist 32-jährig. Es gibt unter den Pferden auch Allergiker, sie werden speziell gefüttert. Oft helfe nur schon der Stallwechsel und die Luftveränderung, vom Un­terland in die Berge, so Ramona Bläsi. Die anderen zehn Pferde und Ponys gehören Familie Bläsi oder es sind Pensionspferde. Sie werden geritten.

Individuelle Fütterung

Während der Sommermonate sind die Pferde in Gruppen auf den Weiden. Es gibt eine Wallachgruppe, eine gemischte Herde und noch einige Kleingruppen. Nicht jedes Pferd passe in jede Gruppe, da müsse man gut beobachten und dann entscheiden, ob ein Neuankömmling in eine andere Gruppe platziert werden müsse, so Ramona Bläsi. Während der Wintermonate verbringen die Pferde die Nacht im Stall, entweder in der eigenen Boxe oder im Gruppenstall. Hier werden die Pferde und Ponys nach Bedarf individuell zusätzlich gefüttert. Im Gruppenstall mittels Futterautomat, denn alte Pferde brauchen je nach Gesundheits- oder Gebisszustand Ergänzungsfutter zur üblichen Grundfütterung. Tagsüber sind die Pferde im Freien, an der frischen Luft, haben Bewegung und können ihre Sozialkontakte pflegen.

Die Pferdeschar auf dem Spisagger ist bunt gemischt. Die Lebensläufe der Pferde sind sehr unterschiedlich, die Charakteren ebenso. Hier sollen sie ihre letzten Jahre in guter Haltung, in Gesellschaft, mit viel Bewegung verbringen können. Bis jetzt hätten sie für jedes Pferd, auch für eigenwillige und schwierige, eine entsprechende Gruppe finden können, erklären Markus und Ramona Bläsi. Manchmal sei es eine Geduldssache und es brauche auch Zeit, bis sich die Rangordnung eingestellt habe.

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