Am 26. Märzherrscht auf dem Bio-Milchbetrieb Miltenhof der Familie Gasser im schaffhausischen Schleitheim festliche Stimmung: Auf dem Programm steht eine Zuchtfamilienschau. Das emsige Treiben der Kinder fällt auf. Ohne sie hätte diese Schau gar nicht stattfinden können. Angestossen hatte diese Schau der neunjährige Yann Gasser.
Gute Überzeugungsarbeit
Yann war sehr enttäuscht darüber, dass er im letzten Jahr an der abgesagten Olma – Schaffhausen wäre Gastkanton gewesen – keine Tiere aufführen durfte. «Eine Zuchtfamilienschau wäre auch etwas», sagte sich da Yann und schlug seinem Vater eine solche vor. «Yann leistete gute Überzeugungsarbeit», räumt Benjamin Gasser ein und sagte zu – unter der Bedingung, dass die Kinder die Hauptarbeit übernehmen würden. Nebst Yann sind dies die elfjährige Dina, der siebenjährige Levi und die fünfjährige Alea. Nach der Zusage stürzte sich Dina gleich in das Organisatorische und meldete die Schau bei Swissherdbook an. Dina und Yann führen schon länger Buch über die Kälber auf dem Miltenhof: Mit Fotos, deren Namen und Mütter. Sie wissen, welche Bedingungen für eine Zuchtfamilienschau erfüllt sein müssen: Eine langlebige robuste Stammkuh mit mindestens vier weiblichen Nachkommen. Unter diesen zwei Töchter mit je einer abgeschlossenen Laktation.

Auch wenn nur in einem kleinen Rahmen: Das Einrichten des Schauplatzes erforderte einen beachtlichen Aufwand.
Früh auf den Beinen
«Unsere Stammkuh heisst Milena und sie hat schon elf Laktationen hinter sich», erzählt Yann. «Weil sie zweimal Zwillinge hatte, gebar sie 13 Kälber.» Stolz fügt Yann hinzu: «Sie ist schon alt und kommt nach einer Abkalbung immer noch auf täglich 25 Liter Milch.» Vater Benjamin Gasser erklärt: «Da wir viel Weidegang haben, züchte ich auf eine pflegeleichte einfache Kuh, die gut gehen kann. Weil beim Biolandbau der Kraftfuttereinsatz beschränkt ist, ist es wichtig, dass die Kuh auf eine hohe Leistung aus dem Grundfutter kommt.» In seine Hauptrasse Schweizer Fleckvieh kreuzt Gasser oft die französische Rasse Montbéliard ein.
Am Schautag steht Yann bereits um halb sechs Uhr im Stall und nimmt die Bürste zur Hand. Bald erscheinen auch Dina und Levi. Die Stammkuh Milena und vier ihrer erwachsenen Töchter sowie das fünf Monate alte Kalb Memori müssen gebürstet werden. Gewaschen wurden die Schautiere bereits am Tag zuvor. Benotet werden die Milchleistung, das Exterieur der Kuh sowie das Euter. Auch der Gesamteindruck zählt. Eine Schau bedeutet viel Arbeit. Der Platz muss vorbereitet sein. Es braucht einen starken Balken, um die Tiere daran festzubinden. Über jedem Tier hängt ein Plakat mit Namen, Geburtsdatum, Vater und Anzahl der Laktationen. Diese Plakate hat Dina gestaltet. Alea half beim Basteln von Girlanden aus Mohnblumen. Jedes Tier bekommt eine solche um den Hals gebunden.
Beeindruckte Experten
Die Tiere haben zwar stets Auslauf ins Freie. Am Schautag können sie aber nach einem langen Winter ihren Laufstall das erste Mal verlassen. Eine der Kühe spürt den Frühling und rennt los. Der Chef an der Halfter hinterher. Er kann aber nicht verhindern, dass sich die Kuh im Gras wälzt. Schnell greifen Yann und die Lehrtochter nochmals zu Lappen und Bürste. Die Stammkuh Milena wird von Benjamin Gasser vorgeführt. Die beiden Experten, Heinz Braun von Swissherdbook und René Alder als kantonaler Vertreter von Swissherdbook Ost, sind beeindruckt. «Sie geht noch sehr gut, ist in Top-Form», meint Braun. «Sie hat gute Beine und das Euter hängt immer noch über dem Sprunggelenk.» Auch ihre Leistungszahlen beeindrucken: Die 13-jährige Milena kommt nach elf Laktationen auf 75 000 Liter Milch. Benotet wird sie wie folgt: 3,5 Punkte für Milchleistung, 4 Punkte für Eiweiss- und drei Punkte für Fettgehalt. Für den Index Produktion Leistung (IPL) gibt es 4 Punkte, mit 6 Punkte werden Zuchtwert und Zellzahlen bewertet. «Eine sehr starke Leistung», urteilt Heinz Braun. Auch Milenas Nachwuchs darf sich zeigen. Insgesamt kommen die Tiere auf 43,5 von möglichen 50 Leistungspunkten. «Ein durchschnittlicher Schweizer Betrieb kommt auf 33 Punkte», bemerkt Braun. Am besten gefällt den Experten die kleine Memori: «Sie steht da wie aus dem Truckli. Ein schönes Kalb mit einem guten Fundament.»
Die Spannung steigt
Reicht es für eine Rangierung in der «A»-Klasse, die mit 350 Franken ausgezeichnet wird? Dazu braucht es 75 Punkte. Die Kinder hatten sich grosse Hoffnungen gemacht. Aber ihr Vater deutete immer an, es könnte auch lediglich zu einer «B»-Klassierung kommen. Gespannt warten sie auf Heinz Brauns Verdikt: «Ich gratuliere euch herzlich zu einer schönen A-Klasse mit 80 Punkten!» Yann macht Luftsprünge, Levi klatscht in die Hände. «Die Tiere stehen sauber da», lobt der Experte. «Die Blumendekoration gefällt mir auch, da habt ihr wirklich alles gegeben.» Zu einem Fest gehört gutes Essen und Trinken. Da kommt Mutter Rebekka zum Zug. Die kleine Gästeschar, die durch die Corona-Vorgaben auf 15 beschränkt ist, geniesst jetzt das Zusammensein.

Stolz präsentiere die Gasser-Kinder die Plakette zur Zuchtfamilienschau.

