Die Kälberaufzucht 
nicht vernachlässigen

Die Zeit bis zur Entwöhnung ist für die Entwicklung des empfindlichen Kälberpansens besonders wichtig. Dabei ist die Gabe von Biestmilch gleich nach der Geburt unabdingbar.

Für eine erfolgreiche Kälberaufzucht sind die ersten Lebensstunden des Neugeborenen entscheidend. Denn ein Kalb kommt ohne Abwehrstoffe zur Welt und ist gleich nach der Geburt den Keimen der Umgebung ausgesetzt.

Gleich nach der Geburt ist die Gabe von Biestmilch das Erste, war für einen guten Start notwendig ist. Innerhalb der ersten 24 Stunden kann das Kalb die Abwehrstoffe aus der Biestmilch noch gut aufnehmen.


Biestmilch für Notfälle einfrieren


Das Kalb benötigt Immunglobuline aus der Muttermilch, um eigene Widerstandskräfte aufbauen zu können. Es kann passieren, dass die Menge oder die Qualität der Muttermilch nicht ausreicht. In diesem Fall kann die Biestmilch einer anderen Kuh oder ein Ersatzprodukt verwendet werden. Es ist zudem ratsam, dass man immer Biestmilch für Notfälle einfriert.


Die Zeit bis zur Entwöhnung ist für die Entwicklung des empfindlichen Kälberpansens besonders wichtig. Während der Aufzuchtphase sollten den Kälbern neben Milch auch Rau- und Kraftfutter zur Verfügung gestellt werden. Bei der Entwöhnung sollte man zirka zehn Tage vorher mit der Milchmenge zurückfahren. Denn eine langsame Entwöhnung bewirkt ein besseres Wachstum und eine höhere Kraftfutteraufnahme, und die Kälber magern weniger ab.


Als Rind bis zu drei Liter mehr Milch


Immer mehr Milchviehhalter sind sich der Bedeutung einer guten Aufzuchtphase für die spätere Leistung der Tiere bewusst. Verschiedene Studien belegen, dass Kälber pro Gramm Tageszunahme vor dem Entwöhnen später als Rind bis zur drei Liter mehr Milch produzieren. Laut Fütterungsspezialisten finden 75 Prozent der Organentwicklung in den ersten beiden Lebensmonaten statt; da wird die Basis gelegt.

Für eine gute Organentwicklung ist das Wachstum in den ersten Wochen nach der Geburt entscheidend, und dazu benötigt man eine sehr gute Kälbermilch. Um eine frühzeitige Vormagenentwicklung zu erzielen, ist der Einsatz von gut bekömmlichem sowie hochverdaulichem Kraftfutter und hochwertigem Strukturfutter unverzichtbar.

Neben dem Einsatz von pelletiertem Kälberkraftfutter haben sich auch Eigenmischungen aus geschrotetem und gequetschtem Getreide bewährt.


Der Energiegehalt muss beachtet werden


Der Energiegehalt der Kälbermischung sollte bei mindestens 11 MJ ME (umsetzbare Energie), der Gehalt an nutzbaren Rohprotein bei 165 g liegen. Körnermais wird auch unzerkleinert gerne vom Kalb aufgenommen und in den ersten Lebenswochen vollständig im Labmagen verdaut.

Um eine Verklebung des Labmagens der Kälber zu verhindern, ist Quetschgetreide geschrotetem Material vorzuziehen. Da körnige Substanzen zu Beginn der Aufzucht sehr gerne gefressen werden, sollte bei dem Verzicht auf Körnermais und Trockenschnitzel zumindest eine kleine Menge an pelletiertem Kälberkraftfutter zur hofeigenen Mischung zugesetzt werden. Je nach Zusammensetzung der Mischung ist auf eine entsprechende Mineralstoff- und Vitaminergänzung zu achten.


Auf vielen Betrieben stehen Einzeliglus


Viele Betriebe verlegen die Kälber nach der Geburt nach draussen in ein Einzeliglu. So hat sich diese Kälberaufzucht im Einzeliglu während der ersten Lebenstagen und -wochen nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit als tiergerechte und hygienische Haltungsform durchgesetzt.

Geringer Keimdruck im Aussenklima, das einfache Reinigen und das Wechseln auf verschiedene Standorte sind Hauptargumente für die Einzelhaltung im Freien. Hinzu kommt, dass die Kälber räumlich getrennt sind und sich somit weniger häufig mit Krankheiten anstecken können und somit auch gesünder bleiben.


Nicht geizen bei der Aufzucht


In der Kälberaufzucht muss ein Umdenken stattfinden. Häufig wird empfohlen, man sollte die Kälber möglichst günstig aufziehen. Zudem entwickle sich der Pansen nur bei niedrigen Milchmengen und einem frühen Absetzen von der Milch, da die Kraftfutteraufnahme dann höher sei.

Studien aus den USA und Kanada zeigen, dass die Kälber energiemässig oft unterversorgt sind und eine ausreichende Versorgung über den Pansen in den ersten Lebenswochen gar nicht möglich ist.

Eine Ad-libitum-Versorgung der Kälber während dieser Zeit sorgt für höhere Zunahmen, eine deutliche Vitalitätssteigerung sowie höhere Kraftfutteraufnahmen und nicht zuletzt höhere Einsatzleistungen bei den späteren Jungkühen.


Peter Fankhauser

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