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«Die Alpung ist ein achtfacher Schutzfaktor vor Mortellaro»

Ungewöhnliche Resultate einer Forschung der Vetsuisse-Fakultät wurden an der Tagung «Netzwerk Nutztiere» präsentiert. Jim Weber stellte die Ergebnisse seiner Forschung zur Klauenerdbeerkrankheit in der Schweiz vor.

Auf der 11. Vortragstagung des Netzwerks Nutztiere im Tierspital Bern wurden in diesem Jahr Forschungsinhalte der fünf Institutionen Agroscope, Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern, Inforama, der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) und des landwirtschaftlichen Kompetenzzentrums Grangeneuve präsentiert.

Die Vaterrasse entscheidet über Trächtigkeitsdauer

Die Bachelor-Studierenden Melanie Fanger und Marc Meister von der HAFL referierten über den Einfluss der Vaterrasse auf die Trächtigkeitsdauer bei Schweizer Holstein-, Braunvieh- und Original-Braunvieh-Kühen. «Die Kenntnis über die Dauer der Trächtigkeit ist wichtig für das Herdenmanagement eines Betriebsleiters», sagte Melanie Fanger.

Das Geschlecht hat einen Einfluss

Aus dem von den Zuchtverbänden zur Verfügung gestellten Datensatz von mehr als 300'000 Tieren fanden sie heraus, dass sich die Trächtigkeitsdauer bei einem männlichen Kalb, im Vergleich zu einem weiblichen Kalb, verlängert. Wiederum führen Zwillingsgeburten zu einer etwas kürzeren Trächtigkeitsdauer.

Unabhängig von der Anzahl und dem Geschlecht wies die Kreuzung zwischen Braunviehkühen und Blonde-d’Aquitaine-Stieren die längste Trächtigkeitsdauer von 293,3 Tagen auf. Die kürzeste Trächtigkeitsdauer lag bei der Anpaarung zwischen einer Holsteinkuh und einem Jersey-Stier mit 281,5 Tagen. Resultat der Untersuchung ist, dass der Züchter durch die Wahl der Vaterrasse Einfluss auf die Trächtigkeitsdauer haben kann.

In kleinen wunden triff das Bakterium ein

Jim Weber, angehender Doktorand der Wiederkäuerklinik an der Vetsuisse-Fakultät, stellte seine Forschungsergebnisse zur Klauenerdbeerkrankheit vor. Er setzte sich mit dem Thema Mortellaro in Schweizer Milchviehbetrieben auseinander. Konkret wurden in der Studie hemmende und fördernde Faktoren der zweithäufigsten Klauenerkrankung beim Rind in der Schweiz untersucht.

Die Klauenkrankheit Mortellaro wird von Bakterien, die in kleine Wunden eintreten, hervorgerufen. Bereits durch frühere Studien ist belegt, dass jüngere Kühe anfälliger sind als ältere. Auch ist eine Infektion zu Beginn der Laktation wahrscheinlicher als am Ende.

Holstein anfälliger als Robustrassen

Die Holsteinkühe sind unter den Rassen die gefährdetsten, im Vergleich dazu haben Robustrassen eher selten Infektionen. Auch ist bereits bekannt, dass jedes einzelne Individuum in der Herde ein anderes Risiko aufweist, an Mortellaro zu erkranken.

Die Schweizer Eigenheiten wurden berücksichtigt

Jim Weber untersuchte als Erster die «Klauenerdbeerkrankheit» innerhalb der Schweiz. Die hervorgerufenen erdbeerartig wirkenden Warzen gaben der Klauenerkrankung ihren Namen.

«Es gibt in der Schweizer Milchviehhaltung verschiedene Faktoren, die in Studien aus dem Ausland nicht berücksichtigt wurden.» Diese Faktoren der «externen Biosicherheit» sind zum Beispiel: Alpung, Gemeinschaftsalpung, Teilnahme am RAUS-Programm und Viehschauen, Fremdaufzucht oder Zukauf von Tieren.

In der Fall-Kontroll-Studie wurden 100 Betriebe besucht. 50 % der Betriebe halten Milchkühe der Rasse Holstein. Verglichen wurden Herdengrössen von 20 bis 108 Tieren in Anbinde- und Laufstallhaltung.

Extensive Weideflächen sind der Grund für den Schutz

Die Forschungsarbeit gab auch für den angehenden Veterinär Jim Weber überraschende Ergebnisse preis. Wer seine Tiere auf die Alp schicke, verringere das Risiko der Erkrankung seiner Herde um das Achtfache. Dies liege an den extensiven Weideflächen und dem damit einhergehenden geringen Infektionsdruck in der Schweiz.

«Bauern schicken nur klauengesunde Kühe an die Viehschau»

schätzte Jim Weber, angehender Tierarzt.

Tiere, die an Viehschauen teilnehmen, haben laut Studie ein geringeres Risiko, sich mit der Klauenerdbeerkrankheit zu infizieren. Dies sei aus veterinärmedizinischer Sicht ein eher unverwertbares Ergebnis gewesen.

Vor Integration in die Herde sollte das Tier in Quarantäne

Ein um den Faktor 1,3 höheres Risiko haben laut Studie Betriebe, die Tiere zukaufen. In den Schweizer Betrieben sei die Kontrolle der zugekauften Tiere und deren anschliessende Quarantäne kein Standard. Oft würden die räumlichen Möglichkeiten fehlen, die Tiere vor der Integration in die Herde einzeln zu stellen. Dies sei in Deutschland oder Frankreich besser im Betriebsmanagement verankert, so Jim Weber.

Ein vorhersehbares Ergebnis sei der bessere Schutz vor der Krankheit im Anbindestall im Vergleich zur Laufstallhaltung gewesen. Da die Hauptübertragung des Bakteriums aus direktem Kontakt zwischen Tieren bzw. über deren Mist stattfindet, sei dieses Ergebnis zu erwarten gewesen, so Weber.

Erheblichen Disskusssionstoff über den Einsatz von Kraftfutter

Für Diskussionen sorgte das Ergebnis des siebenfach höheren Risikos beim Einsatz von Kraftfutter. Jim Weber klärte das Publikum darüber auf, dass weder Menge noch Art des Kraftfutters in der Untersuchung berücksichtigt worden waren. Das erhöhte Risiko erkläre er sich mit dem vom Kraftfutter verursachten dünneren Kot und einem geschwächten Immunsystem, hervorgerufen von einer wahrscheinlichen bevorstehenden Pansenazidose bei höherem Kraftfuttereinsatz.

«Wichtig ist eine schnelle Behandlung.»

Jim Weber, angehender Tierarzt.

Für die Praxis zieht Jim Weber folgende Schlüsse: «Nicht warten, sondern sofort behandeln, das Risiko steigert sich um das Siebenfache bei jedem weiteren Tag.» Dabei sei bei der Behandlung, wenn es mal schnell gehen müsse, egal, ob man zum Verband oder Spray greife, «Hauptsache schnell», empfiehlt Weber.

Merkblatt für die Praxis

Die Veterinärmedizinische Fakultät Bern empfiehlt die Behandlung mit Novaderma, sieben Tage, ohne Verband. Das Mittel ist antibiotikafrei. Eine Anleitung für die Anwendung gibt es auf der Website der Rindergesundheit Schweiz (RGS).