Während wir Menschen bereits aufgrund der kühleren Temperaturen im Herbst zu frieren beginnen, ist dies beim Pferd noch kein Thema. Die thermoneutrale Zone – also der Bereich indem sich die Wärmeproduktion des Tieres nicht verändert – liegt beim Pferd zwischen 5 °C und 25 °C. Der Grad der Kälteanpassung deckt sich gut mit der traditionellen Einteilung der Kalt- und Warmblüter.
Fett, Fell und aufgestellte Haare wärmen
Dank dem kompakten Körperbau und den Fettreserven unter der Haut kann sich der Kaltblüter besser an die Kälte anpassen als das Vollblutpferd. Die Warmblutpferde liegen dazwischen. Das Ansetzen von «Winterspeck» ist bei allen Pferden bekannt und führt zu einer isolierenden Fettschicht und einem Energiespeicher für die Wärmeproduktion. Ausserdem spielt das Haarkleid mit seiner Isolierfunktion eine wichtige Rolle. Dank der Piloereketion, also dem Aufstellen der Haare, kann die Tiefe des Fells um16 bis 32 Prozent erhöht und die Isolierfunktion damit gesteigert werden.
Nach dem Scheren braucht es eine Decke
Kaltnasse Witterungsbedingungen reduzieren diese Isolierfunktion jedoch mindestens bis zur Hälfte. Ausserhalb der thermoneutralen Zone muss das Pferd aktiv Wärme speichern oder produzieren. Hat das Pferd die Möglichkeit mehr zu fressen, sich aktiver zu bewegen und ist es weder geschoren noch nass, können Temperaturen von bis minus 15 °C problemlos bewältigt werden. Die Pferdedecke ist in solchen Fällen also nicht nötig. Während das Winterkleid für die Bewältigung kalter Temperaturen nötig ist, bringt es bei der Arbeit und dem Training das Pferd schneller zum Schwitzen. Greift man deshalb zur Schermaschine, fehlt die isolierende Fellschicht und das Tier braucht bei tiefen Temperaturen Unterstützung durch eine Decke.
Abschliessend muss uns bewusst sein, dass das Wärme-/Kälteempfinden von uns Menschen sich von jenem des Pferds unterscheidet. So liegt unsere thermoneutrale Zone zwischen 20 °C und 30 °C und ist damit gut 15 °C höher als beim Pferd. Als Entscheidungshilfe, ob das Pferd eine Pferdedecke braucht oder nicht, muss das Pferd genau beobachtet werden.
Zur Autorin
Anja Schmutz ist Pferdespezialistin und arbeitet als Lehrerin und Beraterin am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg.

