ABO

Berner Oberland: Schlangen beissen Kühe

Im Berner Oberland kommt es immer wieder zu Schlangenbissen bei Nutztieren, auch Kühe waren betroffen. Die Betroffenen haben hohe finanzielle Einbussen.

"Sie muss wohl am Abend oder in der Nacht gebissen worden sein", erklärt Thomas Brönnimann der einen Teil seiner Kühe für die Sömmerung auf die Reidigenalp bei Boltigen BE gibt. Am nächsten Morgen fanden die Älpler die Kuh tot auf der Weide vor, wie er über den Vorfall vor drei Wochen berichtet. Das Euter war kohlrabenschwarz und man habe die Schlangenbisse genau erkennen können, so die Älplerin auf Anfrage. Brönimann war sich sicher, dass die Verletzung von einer Viper stammt.

Deutliche Hinweise auf Schlangenbisse

"Die Schlange hat wohl eine Vene im Euter getroffen, dass die Kuh so schnell verstarb", meint er. Der Tierarzt Adrian Kurt aus Zweisimmen BE ist in der Region tätig und kennt solche Fälle. "Es kommt etwa ein bis zwei Mal pro Jahr vor, dass der Tierarzt und der Landwirt bei Verletzungen einen Schlangenbiss vermuten." Die Tiere behandle er dann mit äusserlicher Wundbehandlung. Zudem nutze er je nach dem Spritzen gegen Blutvergiftung. Auch Tierarzt Felix Neff praktiziert in der Region und kennt die Thematik. Bei sehr schmerzhaften Schwellungen im Bereich des Euters oder den Extremitäten, welche nicht erklärbar sind, vermute er schon mal einen Schlangenbiss. "Man muss bei der Diagnose aber immer vorsichtig sein", warnt er. In den meisten Fällen könne die Vermutung nicht verifiziert werden, da eine genaue Untersuchung für viele Landwirte zu teuer sei.

Ziegen trifft es häufiger

Schlangenbisse bei Ziegen habe Adrian Kurt schon öfter gesehen. So zwischen fünf und sechs Vermutungen gebe es pro Jahr, wie er sagt. "Die Ziegen sind neugierig und gehen vielleicht mal auf eine Schlange zu", erklärt Kurt. Zudem bewegen sie sich eher in steinigem Gelände, wo sich die Schlangen gerne aufhalten.

Die Population der Vipern ist konstant

"In der Region gibt es immer mehr Schlangen", sagt Ulrich Burri, vom Sömmerungsbetrieb auf der Reidigenalp. Die beiden Viperarten Aspisviper und Kreuzotter kommen in dem Gebiet vor, wie Sylvain Ursenbacher von der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (Karch) bestätigt. Jedoch habe die Kordinationsstelle generell keinen Anstieg bei den Populationen festgestellt. Die Population der Kreuzotter nehme ab und die Aspisviper übernehme deren Gebiete. Von Fällen, bei welchen Schlangen Rinder bissen, hat Ursenbacher auch schon gehört: "Meist steht die Kuh auf die Viper, diese wehrt sich dann mit Bissen." Ein Fall mit tödlichen Folgen sei Ursenbacher bisher nicht bekannt gewesen.

Geringe Gefahr für Menschen

Bisse von Schlangen sind bei Menschen laut Karch selten. Es gebe zwischen 20 und 40 Bisse pro Jahr, wie Sylvain Ursenbacher sagt. Offizielle Zahlen gebe es keine. Zum Einen sind es Leute, welche Schlangen einfangen zum anderen sind auch Bauern betroffen. In Gebieten wo die Vipern heimisch sind, rät Ursenbacher gute Schuhe und Lederhandschuhe zu tragen. Hier geht es zur Infobroschüre von Karch.

Finanzielle Folgen sind einschneidend

Doch auch wenn der Biss nicht tödlich ist, kann dies zu grossen finanziellen Einbussen führen. Etwa bei Viehzüchter Alex Gobeli aus Saanen BE. Vor vier Jahren erlitt eine seiner wertvollen Zuchtkühe nach einem Schlangenbiss einen Abort. Im 2017 erlitt eine weitere Kuh einen Schlangenbiss ins Euter, die Kuh verlor dabei einen Viertel. Wegen der schlechten Milchleistungen musste die Kuh geschlachtet werden. Beide Vorfälle ereigneten sich auf der Vorweide im Tschärzistal, Gemeinde Gsteig. Leider habe er keine Zusatzversicherung für Schlangenbisse und so musste er den Schaden selbst tragen. Auch Bauer Brönnimann war nicht versichert. Für seinen Betrieb mit 40 Mutterkühen sei der Verlust einschneidend gewesen. "Alles in allem haben wir sicher etwa 3'500 Franken verloren", schätzt er. Die Kuh sei im siebten Monat tragend gewesen und habe erst ein Kalb abgesetzt. Eine Viehversicherung würde die Kosten tragen, wie Peter Brunner von der Emmental Versicherung auf Anfrage sagt. "Wir hatten bisher etwa ein bis zwei Fälle im Wallis, diese wurden entschädigt, da man bei einem Schlangenbiss von einem Unfall ausgeht". Die Behandlung der Kühe wird bis zur maximalen Versicherungssumme vergütet.

Weiterlesen

  • Selbst gemachte «Gnocchi Sardi» aus Emmer. Der Pastateig besteht nur aus Emmer-Griess und Wasser. Salz sucht man im Rezept vergebens. (Bild et)

    Genuss: Schweizer Pasta auf dem Teller

    Die Getreide Züchtung Peter Kunz und Kochbuchautorin Anna Pearson spannen zusammen. Sie wollen Teigwaren aus heimischem Emmer.
    Show more
    ABO
  • Weil Landwirtschaft eigene Lösungen braucht

  • Rezept: Gnocchi Sardi aus Emmer