Mit der Einführung einer nationalen Datenbank will man den Antibiotikaverbrauch bei den Betrieben und den Tierärzten überwachen und nötigenfalls weiter senken. Die Verkaufsmengen, die Details zur Verschreibung, zu den Tieren und zum Halter sollen in der Datenbank aufgelistet werden. Ist der Antibiotikaeinsatz zu hoch, könnte der Betrieb besucht, kontrolliert und beraten werden.
Kommt ein Ampelsystem?
Fragt man bei Tierärzten nach, befürchten diese, dass die Kontrollen auf den Betrieben anhand eines Ampelsystems erfolgen könnten. Stehe die Ampel auf Grün, seien keine Sanktionen zu befürchten. Wechsle die Ampel aber auf Rot, werde kontrolliert und eruiert, weshalb so viele Antibiotika eingesetzt werden. Ein solches Ampelsystem werde bereits in Holland angewendet.
Pascal Furer, Tierarzt im Berner Jura, sitzt in der Arbeitsgruppe für die Antibiotika-Datenbank. Ein Ampelsystem könne er sich auch in der Schweiz vorstellen. «Eines steht fest: Wir müssen mit dem Antibiotika-verbrauch runter», sagt Furer. Vor allem die Schweinehalter und Kälbermäster stehen laut Furer vor grossen Herausforderungen. Aber auch die Milchviehhalter seien gefordert. Bei den Kühen werde heute zum Beispiel noch zu viel Trockensteller eingesetzt. «Hier müssen wir vermehrt mit den Landwirten zusammenarbeiten. Hat eine Kuh während der Laktation tiefe Zellzahlen, erübrigt sich aus meiner Sicht ein Trockensteller.» Hingegen sei es sicher empfehlenswert, diesen bei problematischen Kühen einzusetzen.
Für die Landwirte bedeute die Antibiotika-Datenbank keinen zusätzlichen Mehraufwand. Denn schon jetzt müsse alles im Behandlungsjournal aufgezeichnet werden. Auch in Redonline, der Datenbank des Zuchtverbands, bestehe schon jetzt die Möglichkeit, bei jeder Kuh den Antibiotikaeinsatz zu verbuchen.
Reisen über die Grenze
«Wird der Antibiotikaverbrauch in Zukunft verstärkt kontrolliert, könnte ich mir vorstellen, dass Landwirte aus den Grenzregionen ins nahe Ausland reisen, um Antibiotika einzukaufen, ohne sie registrieren zu müssen», sagt Pascal Furer. Oder es sei auch möglich, dass ausländische Tierärzte selber in die Schweiz reisen. «Wir im Jura können diesen Trend schon beobachten», hält Furer fest.
In erster Linie gelte es jetzt, die sogenannten Reserve-Antibiotika in der Tierhaltung zu verringern oder sogar zu verbieten. Denn diese werden von der Weltgesundheitsorganisation als besonders wertvoll eingestuft und sollten nur im Notfall eingesetzt werden, wenn andere Antibiotika nicht mehr wirken, weil sich zu viele Resistenzen gebildet haben. Das heisst: Die Tiere in der Milch- und Fleischproduktion können immer weniger mit klassischen Antibiotika geheilt werden. Laut Pascal Furer steigen in der Schweiz die Resistenzen. Und es würden im Vergleich zu manch anderen europäischen Ländern immer noch viel mehr Antibiotika eingesetzt.
Peter Fankhauser

