«Anfangs habe ich meinen Mann belächelt»

Cäcilia und Elmar Wohlgensinger aus Dreien SG sind dem Charme ihrer Ziegen verfallen. Seit bald 30 Jahren melken sie Geissen.

Ziegenmilch und Ziegenkäse sind bei den Konsumenten immer mehr gefragt. Die Produktion von Ziegenkäse hat sich in den letzten 15 Jahren fast verdoppelt und lag 2015 bei 915 Tonnen. Zahlreiche Bauern haben ihren Betrieb deshalb auf Ziegenhaltung erweitert oder umgestellt.

Cäcilia und Elmar Wohlgensinger sind alte Hasen in der Ziegenhaltung. Seit bald 30 Jahren melken sie Geissen auf ihrem Betrieb in Dreien SG, in der Bergzone II. Zur Entwicklung, dass immer mehr Bauern auf Ziegen umstellen, meinen sie: «Ziegen sind sehr anspruchsvolle und arbeitsintensive Tiere. Das wird oft unterschätzt. Aber Ziegen sind das Schönste, das man haben kann.» Man merkt schnell, Cäcilia und Elmar Wohlgensinger sind Ziegenhalter mit Leib und Seele.


Von 30 auf 150 Ziegen


Ziegen wurden auf dem Betrieb, den Elmar Wohlgensinger in der dritten Generation führt, schonimmer gehalten, aber eher so nebenbei, neben dem Rindvieh. Er habe aber schon als Junge Freude an den Geissen gehabt, erzählt Elmar Wohlgensinger.

Anfang der 90er-Jahre stiegen sie mit 30 Tieren in die Ziegenmilchproduktion ein. Ihr Abnehmer Willi Schmid von der Städtlichäsi Lichtensteig konnte mit der Zeit immer mehr Milch verkäsen. Und so stockten Wohlgensingers ihren Ziegenbestand mit der eigenen Zucht nach und nach auf und fuhren den Rindviehbestand zurück. Heute stehen 150 Milchziegen im umgebauten Rindviehstall.

«Anfangs habe ich meinen Mann belächelt und gefragt: ‹Was willst du denn mit Ziegen?› Heute bin ich diejenige, die mehr an den Tieren hängt», erinnert sich Cäcilia Wohlgensinger zurück. Sie packt auf dem Betrieb genauso an wie ihr Mann. Die beiden sind ein eingespieltes Team.


Alles aus der eigenen Zucht


Wohlgensingers remontieren alles selber. Einzig die Böcke werden als Gitzi zugekauft. Der Betriebsleiter begründet: «Ziegen sind extrem heikel. Durch die eigene Aufzucht stellen wir sicher, dass wir keine Krankheiten in den Stall einschleppen.» Das ist auch der Grund, weshalb sie an keinen Ausstellungen teilnehmen.

Die Zucht ist für den Landwirt eine Leidenschaft. Die Ziegen werden alle einzeln gedeckt. «Das ist zwar zeitaufwendig, aber für uns stimmt es», sagt der passionierte Züchter. Die Ziegen werfen ihre Gitzi überwiegend im Januar und Februar. Sie bleiben einen Tag bei ihrer Mutter. Zwischen 30 und 40 weibliche Tiere behalten Wohlgensingers für die eigene Nachzucht. Sie werden mit elf Monaten in die Herde eingegliedert. Die anderen Gitzis gehen nach sieben bis zehn Tagen auf einen Mastbetrieb.


Zwei Abnehmer


Am Anfang, erzählt Elmar Wohlgensinger, habe man die Ziegen in drei Ställen gehalten und in Eimer gemolken. Mit dem Umbau des Rindviehstalls 2006 wurde auch ein moderner 12er-Melkstand eingebaut. Jedes Aggregat ist mit einem Messgerät bestückt. So haben sie die Milchmenge und -gehalte stets im Überblick. Die Milchleistung liegt im Durchschnitt bei 900 kg.


Wohlgensingers liefern ihre Milch an zwei Käsereien. Etwa die Hälfte geht immer noch an die Städtlichäsi Lichtensteig. Die andere Hälfte verarbeitet Käser Koni Schuppli in der Geissenkäserei Girenbad in Hinwil ZH. Die beiden Käsereien tauschen sich auch mal ab mit der Milchmenge. «Zum Beispiel, wenn einer in den Ferien ist, nimmt der andere mehr Milch», sagt die Bäuerin. Der Milchpreis schwankt saisonal zwischen Fr. 1.17 im Sommer und Fr. 1.53 im Winter.


Nicht zu unterschätzen


Und was raten die beiden jemandem, der in die Ziegenmilchproduktion einsteigen will? Elmar Wohlgensinger weist mit Nachdruck darauf hin, dass man sich diesen Schritt sehr gut überlegen muss. «Zuallererst muss man einen Abnehmer haben. Wir pflegen zu unseren beiden 
Käsern ein sehr gutes Verhältnis. Diese Vertrauensbasis braucht es, denn wir sind gegenseitig 
aufeinander angewiesen.»

Und dann beanspruche die Ziegenhaltung Zeit, sehr viel Zeit. Cäcilia Wohlgensinger macht es anhand eines Vergleichs deutlich: «Man muss sich bewusst sein: Fünf Ziegen entsprechen einer GVE, also einer Kuh. Man kümmert sich nicht um ein Tier, sondern um fünf. Das wird sehr oft unterschätzt.»


Bleibt ein Nischenprodukt


Ziegen sind ein wichtiger Teil von Cäcilia und Elmar Wohlgensingers Leben, nicht nur aus finanzieller, sondern auch aus emotionaler Sicht. Cäcilia Wohlgensinger kommt ins Schwärmen. «Geissen sind sehr sensible Tiere, aber sie geben dir genauso viel Liebe und Zuneigung zurück», sagt die siebenfache Mutter.

Trotz des momentanen Booms sind die beiden überzeugt, dass Ziegenmilchprodukte eine Nische bleiben werden. Elmar Wohlgensinger wiederholt: «Viele stellen sich das zu einfach vor. Auch die Abnehmer, namentlich die Käsereien, haben eine limitierte Verarbeitungsmenge.»


Stefanie Giger

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