Die Gesamtfläche der Schweiz beträgt rund 4,1 Mio Hektaren, davon sind rund 1 Mio landwirtschaftliche Nutzfläche. Damit darauf etwas wächst, sei es Gras, Getreide oder Erdbeeren, braucht es Wasser. Im Jahr 2023 hat das Bundesamt für Statistik erstmals Zahlen veröffentlicht, wie viel Wasser für die landwirtschaftliche Bewässerung genutzt wird. Anhand von Stichproben wurde hochgerechnet, wie viel Fläche bewässert wird: von der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche sind es nur gerade 3,3 Prozent.
In Kubikmeter Wasser klingt es deutlich eindrucksvoller: 37,4 Mio Kubikmeter Wasser reichen, um den Jahresbedarf von Zürich (500'000 EinwohnerInnen) zu decken.
Doch wie viel Wasser braucht eine Kultur eigentlich und wann ist es sinnvoll, sie zu bewässern? Abschliessend lässt sich zumindest die erste Frage nicht beantworten: Im «Leitfaden Bewässerung», den die HAFL und die Firma EBP 2024 im Auftrag des BLW erarbeitet haben, steht, dass der Wasserbedarf basierend auf zahlreichen Faktoren bestimmt und die Bewässerungsinfrastruktur entsprechend dimensioniert werde. Zu diesen Faktoren gehört eine Bedarfsschätzung, die auf tabellarischen Richtwerten beruht und auf verschiedenen Szenarien (Normal-/Trockenjahre).
Wann lohnt sich eine Bewässerung überhaupt?
Wenn es um die Bewässerungswürdigkeit geht, ist der Leitfaden deutlicher: Dies sei der Fall, wenn die vermiedenen Ausfälle im Erlös dank der Bewässerung ihre Kosten übersteigen. Deshalb sind im Merkblatt die Kulturen nach Bewässerungspriorität angeordnet.
Bei einzelnen Kulturen wird es dann konkreter. Kartoffeln etwa benötigen grob geschätzt 80 bis 140 mm Bewässerung pro Jahr (zusätzlich zum Niederschlag). Fehlt dies, muss ein Ertragsausfall zwischen 20 und 40 Prozent erwartet werden.
Ein Merkblatt des Kantons Bern aus dem Jahr 2016 gibt Hinweise: Ein wachsender Pflanzenbestand benötigt in den Sommermonaten täglich ca. 5 mm Wasser. Eine Bewässerung von 30 mm reicht somit für etwa sechs Tage. Die Beregnung muss also nach sechs bis sieben Tagen wiederholt werden, insofern kein Regen fällt. «Viel hilft viel» stimmt nicht, wenn es um Wasser geht, ist im Merkblatt zu lesen: Höhere Gaben als 40 mm bringen auch in extremen Trockenjahren keine Verbesserung. Denn die Wasserspeicherfähigkeit der Böden ist begrenzt; im durchwurzelten Bereich kann pro 1 cm Bodentiefe etwa zirka 1 mm pflanzenverfügbares Wasser gespeichert werden (= 1 Liter pro m2).

Bodensonden helfen bei Entscheidungen
Ob es den Pflanzen gut geht, hängt erneut von mehreren Faktoren ab. Der Leitfaden nennt den Boden als Schlüsselfaktor. Stimmen Boden, Wasserangebot und Bewässerungsführung, ist alles in Ordnung. Daten aus Bodensonden helfen beim Entscheid, ob es Bewässerung braucht. Die HAFL arbeitet seit 2016 mit Bodensonden und hat seither ihr Netz jährlich ausgebaut. Die Messungen der Sonden werden grafisch dargestellt. Die Sonden messen kontinuierlich und parzellenspezifisch den Bodenwassergehalt und den Niederschlag. So kann die Bewässerungsstrategie gezielt auf den Wasserbedarf der Pflanzen abgestimmt und so optimiert werden.
Wasserwissen
Feldkapazität (FK): Wassergehalt, den ein zuerst wassergesättigter Boden nach zwei bis drei Tagen noch halten kann. Totwasseranteil (TW): Wasser in sehr kleinen Poren, kann von Pflanzen nicht aufgenommen werden. Nutzbare Feldkapazität (nFK): Nutzbarer Wasservorrat im Boden. Es gilt: nFK = FK – TW. Saugspannung: Kraft, mit der das Wasser in den Poren des Bodens zurückgehalten wird. Sie ist ein Mass für die nutzbare Feldkapazität. Evapotranspiration: Summe aus Transpiration und Evaporation, also der Verdunstung von Wasser der Pflanzen sowie der Oberflächen. Bodenwassergehalt: Volumen des Wassers pro gesamtes Volumen des Bodens angegeben. Bei vollständiger Sättigung ist das gesamte Porenvolumen (Hohlräume) des Bodens mit Wasser gefüllt. [IMG 3]

