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pH-Wert und Düngung: Hans Hirschi von der Landor erklärt die Zusammenhänge

Schon bald werden die Ackerkulturen angedüngt. Landor-Düngeberater Hans Hirschi erklärt die Zusammenhänge zwischen pH-Wert und Düngung: Ein zu hoher pH-Wert kann auch Nachteile bei der Nährstoffverfügbarkeit mit sich bringen.

Kurz & bündig

- Der pH-Wert des Bodens beeinflusst die Nährstoffverfügbarkeit. - Bei Bodenproben muss die Art der Messmethode berücksichtigt werden. - Bor und Mangan können gut als Blattdünger eingesetzt werden. - Bei negativer Kalkvorprobe sollte man Kalk auf den Acker bringen.

Der pH-Wert ist wichtig für die Verfügbarkeit der Nährstoffe. Die Informationsbasis fusst meist auf alten Versuchen. Ist das Thema pH-Wert überhaupt noch aktuell?

Hans Hirschi: Ja, die Landwirte wissen, dass eine Erhaltungskalkung wichtig ist und der pH-Wert des Bodens nie unter 6 bis 6,5 sinken sollte. Das wird auch in der Ausbildung entsprechend vermittelt. Manchmal wird allerdings vergessen, dass der pH-Wert nur eine Seite der Medaille ist.

Welches ist die andere Seite?

Die Kalkvorprobe ist ebenso wichtig wie der pH-Wert. Es gibt Böden, die einen pH-Wert von 6,5 oder sogar über 7 aufweisen und bei denen gleichzeitig die Kalkvorprobe negativ ausfällt. In solchen Fällen wäre eine Kalkung sehr wichtig, denn diesen Böden fehlt es an Calcium-Karbonat. Daraus entsteht Calcium2+. Das ist einerseits ein wichtiger Pflanzennährstoff und andererseits für eine gute, krümelige Bodenstruktur sehr wichtig.

Kann ein luftiger, krümeliger Boden auch negative Auswirkungen haben?

Leider ja, auch wenn das auf den ersten Blick unlogisch klingt. Wenn wir viel Luft im Boden haben, werden Nährstoffe wie Bor oder Mangan oxidiert und sind in der Folge nicht mehr pflanzenverfügbar.

Manchmal ist das dort ersichtlich, wo die Kulturen am weniger luftdurchlässigen Vorgewende besser gedeihen als in der Mitte des Feldes, wo der Boden weniger gut rückverfestigt worden ist. Insgesamt überwiegen aber die Vorteile einer guten Bodenstruktur klar, man muss sich der Nachteile einfach auch bewusst sein und entsprechend handeln, indem man beispielsweise Mangan über das Blatt düngt.

Welcher Kalk sollte eingesetzt werden, um den pH-Wert im Boden stabil zu halten?

Mineralische Kalke in griesiger Form wirken langsam, was meistens gewünscht ist. Es ist für das ganze Bodenleben nicht ideal, wenn der pH-Wert innert kürzester Zeit sprunghaft ansteigt.

Diese Gefahr besteht, wenn grössere Mengen Branntkalk oder fein gemahlene mineralische Kalke ausgebracht werden. Das Ziel einer solche Kalkung ist aber meistens die gezielte Verbesserung der Bodenstruktur, beispielsweise vor Dammkulturen wie Kartoffeln oder Karotten. Letztendlich ist es auch eine Preisfrage: Anorganische, langsam wirkende Kalke sind deutlich günstiger als Branntkalk.

Wie gross ist er Effekt versauernder Dünger auf den Boden?

Es gibt viele Faktoren, welche den pH-Wert des Bodens beeinflussen. Es spielt eine Rolle, wie hoch der Bedarf der Kulturen nach puffernden Substanzen wie Calcium oder Magnesium ist. In niederschlagsreichen Gebieten mit durchlässigen Böden kann die Auswaschung von Calcium und Magnesium eine grosse Rolle spielen. Die natürliche Versauerung durch die Atmung der Bodenlebewesen und Wurzeln sowie den Abbau organischer Substanz ist auch nicht zu unterschätzen.

Die Düngung ist somit nur einer von vielen Faktoren. Den Effekt der einzelnen Dünger kann man im Düngerkatalog nachschauen. Je tiefer der Kalkwert der jeweiligen Düngemittel, desto negativer ist der Effekt auf den pH-Wert des Bodens.

Generell gilt:

  • Konzentrierte Schwefeldünger und ammoniumbasierte Dünger haben einen versauernden Effekt. So wirkt Ammonsulfat besonders sauer.
  • Auch Harnstoff hat eine versauernde Wirkung, da dieser Dünger im Boden auch in Ammonium und
    Nitrat umgewandelt wird. Zudem wirkt Harnstoff in sauren Böden besser als in basischen Böden, weil weniger Ammoniakverluste auftreten.
  • Obwohl Ammonsalpeter 27N+2,5Mg Ca und Mg enthält, wirkt er sauer. In Deutschland ist die übliche Bezeichnung für diesen Dünger Kalkammonsalpeter KAS, was irreführend sein kann.
  • Sobald Stickstoff und Schwefel enthalten sind, ist der Effekt auf den pH-Wert negativ und eine höhere Erhaltungskalkung ist notwendig. Man darf das nicht überbewerten, denn aus diesem Grund die Kulturen nicht bedarfsgerecht zu düngen, macht keinen Sinn.

Welche Wirkung haben Hofdünger auf den pH-Wert?

Die meisten Hofdünger sind im neutralen bis leicht alkalischen Bereich. Das gilt auch für Kompost, sofern der Holzanteil nicht zu hoch ist.

Macht es Sinn, bei der Düngung einer Kultur bewusst Dünger einzusetzen, welche den pH nicht absenken?

Grundsätzlich gilt ganz klar: Eine Kultur muss entsprechend ihrem Bedarf gedüngt werden. Der Landwirt muss dafür sorgen, dass seine Kultur die nötigen Nährstoffe zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Form aufnehmen kann. Eine Kalkstrategie hingegen ist langfristig zu planen und muss für jedes einzelne Feld unter Berücksichtigung des Ton- und Humusgehaltes separat gemacht werden. Ideal für eine Kalkung ist der Moment nach der Getreideernte: Die Böden sind dann meist ideal befahrbar.

Gibt es Faustregeln, wie viel Kalk auf Schweizer Böden jährlich in etwa verloren geht?

Es wird angenommen, dass ein Ackerboden 400 bis 600 kg Calcium-Oxid pro Jahr verliert, während ein futterbaulich genutzter Boden rund 200 bis 400 kg CaO verliert.

Welchen Effekt das aber auf den pH-Wert hat, kann man nicht sagen. Da gibt es zu viele unbekannte Faktoren: Der Ton- und Humusgehalt des Bodens, die Fruchtfolge, Hofdünger und Ernterückstände, Puffersubstanzen im Boden, Mikroorganismen, Mykorrhiza-Pilze… Darum ist es wichtig, regelmässig Bodenproben durchzuführen und diese auch zu studieren und entsprechend zu handeln.

Kann der Landwirt mit besonderen Düngern den pH-Wert für seine Kulturen kurzfristig positiv beeinflussen?

Die Möglichkeiten sind hier allein schon aufgrund der auszubringenden Mengen beschränkt. Ein Praxisbeispiel ist zum Beispiel die N-Menge beim Einsatz von Ammonsulfat in Kartoffeln. Um das Düngerkorn entsteht ein saures Milieu, was zu einem besseren Phosphor-Aneignungsvermögen und höherem Knollenansatz führen kann, besonders in Böden mit eher hohem pH-Wert.

Gibt es neue Produkte auf dem Markt ausserhalb des Kalks, welche gezielt beim pH-Wert des Bodens ansetzen?

Nein. Calcium, Magnesium und Silizium sind die wichtigen Puffer im Boden. Die Chemie kann grundsätzlich nicht neu erfunden werden.

In welchen Fällen ist eine Versorgung mit Mikronährstoffen pflanzenbaulich und wirtschaftlich sinnvoll?

Da ist vor allem Bor bei Raps, Zuckerrüben, Sonnenblumen und im Obstbau sowie Mangan bei Zuckerrüben und Getreide, vor allem bei Dinkel, Hafer und Gerste, zu erwähnen. Meist können diese Nährstoffe als Blattdünger zusammen mit dem Pflanzenschutz ausgebracht werden, was wirtschaftlich wirklich sinnvoll ist. Das kostet nur rund 15 Franken pro Hektare.

Manganmangel ist recht einfach zu sehen, da er nur nesterweise auftritt und die Blätter wölkchenweise aufgehellt sind. Bor ist in allen blühenden Kulturen wichtig. Beim Raps wirkt sich Bor insbesondere positiv auf die Blühqualität und Anzahl Schoten aus.

Ist das Wissen über die Versorgung mit Spurenelementen in der Praxis angekommen?

Ja. In der Beratung sind die Spurenelemente als Boden- oder Blattdünger seit Längerem ein Thema, die Produzenten sind sich deren Wirkung bewusst. Bei Landwirten mit schwarzen Böden ist beispielsweise Mangansulfat seit langem Standard, weil auf humosen Böden, die in der Regel auch einen hohen pH aufweisen, das Mangan schlecht pflanzenverfügbar ist.

Bald werden die Ackerkulturen angedüngt. Haben Sie Tipps, welche sich in den letzten Jahren bewährt haben?

Grundsätzlich gilt das Bonmot: Im Frühling ist man nie zu früh, aber oft zu spät. Wichtig ist, dass man gut vorbereitet ist und einen Plan für die Düngung der Kulturen hat. Zu Vegetationsbeginn macht es Sinn, mit Schwefel- und Magnesiumhaltigen Dünger zu arbeiten. Dadurch wird die N-Effizienz gesteigert. Hier gilt die Faustregel: Pro 6 kg N braucht es 1 kg Schwefel für die Protein-Synthese. Der Schwefel vom Herbst ist in der Regel ausgewaschen, und unter 10 Grad Bodentemperatur wird kein elementarer und organischer Schwefel mineralisiert.

Und, natürlich auch ganz wichtig: Das Vegetationsstadium und das Wetter müssen immer vorausschauend im Auge behalten werden, damit zielgerichtet und effizient gedüngt werden kann.

Alle Interviews für «die grüne» werden zunächst im Wortlaut transkribiert
und danach – in Absprache mit den Gesprächspartnern – zur besseren Verständlichkeit bearbeitet und wenn notwendig gekürzt.

Definition Boden-pH

Allgemein drückt der pH-Wert im Boden das Verhältnis von Säuren zu Basen aus. Der pH-Wert ist ein Mass für die Aktivität von Protonen im Bodenwasser. Er wird durch die natürliche Pufferung im Boden, vor allem durch Karbonate aber auch Tonminerale und Huminstoffe beeinflusst. Böden verändern ihren pH-Wert nicht proportional zu eingetragener Säuremenge, sondern stufenweise und in Abhängigkeit der im Boden vorhandenen Puffersubstanzen. Der Boden-pH hat einen wichtigen Einfluss auf die Fruchtbarkeit von Böden. Wichtige Bodennährstoffe wie zum Beispiel Stickstoff und Phosphor, aber auch Eisen, Zink oder Magnesium sind abhängig vom Boden-pH mehr oder weniger gut verfügbar für Pflanzen. Der optimale pH-Wert der Böden hängt auch von seinen Eigenschaften ab. Schwere, tonige Böden haben einen höheren optimalen pH-Wert als sandige Böden. Quelle: Kompetenzzentrum Boden, HAFL, Zollikofen