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Neue Generation, neuer Betriebszweig

Vier Monate nach dem letzten Besuch ist aus Plänen bereits Beton geworden. Bei Familie Bader wird gebaut. Ein neues Gebäude bringt neue Optionen für die neue Generation.

Bei Familie Bader wird immer etwas gebaut. Beim letzten Interview wurden erst noch Baupläne besprochen und jetzt sind schon Armierungseisen und eine betonierte Bodenplatte zu sehen.

Um die 60 Aufzuchtrinder leben auf dem Betrieb von Familie Bader. Ein Betriebszweig, den Tochter Liliane Bader bei der Hofübergabe übernehmen und weiterführen möchte. Bald kommen vielleicht noch mehr Tiere auf den Betrieb. Liliane Bader und ihr Partner Thomas Ackermann wünschen sich zukünftig noch ein paar eigene Tiere. «Die Haltung von Aufzuchtrindern gefällt mir sehr gut, aber es ist nicht ganz dasselbe, wie wenn man sich um die eigenen Tiere kümmert. Man hat nicht denselben Bezug zu ihnen», stellt Thomas Ackermann fest.

Geplant wäre, nebst den Aufzuchtrindern noch ein paar Mutterkühe zu halten. «Das wäre dann unser eigener Betriebszweig und was Neues, da könnten Thomas und ich uns gemeinsam das Wissen aneignen», erzählt Liliane Bader. Die Mutterkuhhaltung wäre für die ganze Familie etwas Neues, nicht nur für Thomas Ackermann, der nicht aus der Landwirtschaft kommt. «Ich habe noch nie eine Kuh kalben sehen, das wäre schon ein spezieller Moment», gibt er zu.

Mutterkühe als zweites, unabhängiges Standbein

Die Eltern von Liliane Bader fänden es auch gut, wenn das junge Paar einen eigenen Betriebszweig aufbauen könnte für die Hofübergabe. «Das hatten Josef und ich damals auch, als wir von Milchkühen auf Aufzuchtrinder umgestellt haben», erinnert sich Sibylle Bader.

Die Mutterkuhhaltung wäre aber nicht nur ein emotionales, sondern auch ein wirtschaftliches Projekt. Es wäre ein zweites, unabhängiges Standbein neben den Aufzuchtrindern. «Ein Landwirt hat 20 Rinder bei uns eingestellt. Wenn der von heute auf morgen die Rinder woanders aufziehen lassen möchte, haben wir ein Problem», stellt Josef Bader fest.

Ausserdem hatten Baders aufgrund der Blauzungenkrankheit im Jahr 2025 zu wenig Aufzuchttiere. Josef Bader konnte dem entgegengewirken, indem er selbst ein paar F1-Rinder zukaufte, mit den Aufzuchtrindern zusammen aufzieht und selbst als Mutterkühe wieder verkaufen möchte. So entstanden bei Baders auch die Freude und der Wunsch nach eigenen Rindern.

Den Anbau hat Josef Bader selbst gezeichnet. Thomas Ackermann ist gelernter Maurer und hat die Betonarbeiten selbst ausgeführt. Er hat eine Bodenplatte mit zwei Schwemmkanälen betoniert, die ins bestehende Gülleloch entwässert werden. Die Betonarbeiten sollen bis im Sommer fertiggestellt werden, damit bis zur Hochzeit, die auf dem Hof stattfinden wird, keine Baustelle mehr ist.

Die Holzarbeiten beginnen später. Dabei kann Josef Bader viele der Arbeiten selbst verrichten. Der Bau wurde so geplant, dass er vielseitig genutzt werden kann. Wenn Baders die Schwemmkanäle mit Holzbrettern abdecken, können sie das Gebäude auch als Remise oder Werkstatt nutzen. Bei Bedarf könnte die Familie auch einfach mehr Aufzuchtrinder halten. Oder sie könnten den bestehenden Aufzuchtstall, der Platz für 15 Aufzuchtrinder bietet, zum Mutterkuhstall umfunktionieren. Dafür müssten sie nur die Stalleinrichtung anpassen.

Links wird ein weiteres Gebäude an den bestehenden Stall gebaut, das vielseitig nutzbar sein soll – entweder als Stall oder Remise.
Links wird ein weiteres Gebäude an den bestehenden Stall gebaut, das vielseitig nutzbar sein soll – entweder als Stall oder Remise.

Baubewilligungen brauchen Geduld, die sich lohnt

Die Nutzung ist also noch offen. Der Bau wurde ursprünglich als Futterlager und Remise eingegeben und bewilligt. «Damals vor drei Jahren, als ich mit Zeichnen begonnen habe, wussten wir noch nicht genau, was wir wollen», erinnert sich Josef Bader. Daher wird er noch ein Umnutzungsgesuch einreichen, damit die Nutzung als Stall möglich ist. Das sollte kein Problem sein, da Baders für ihre Futterfläche viel zu wenig Tiere, aber mehr als genug Güllelagerraum besitzen.

Josef Bader ist es wichtig, dass jeder Bau fachgemäss bewilligt ist. Als Tipp für erfolgreiches Bauen gibt er mit auf den Weg, dass man sich zu Beginn am besten gleich mit den Behörden in Verbindung setzt. Sobald er eine konkrete Idee im Kopf hatte, meldete er sich beim Amt für Raumplanung beim Kanton Solothurn. Dann wusste er, ob die Idee überhaupt umsetzbar ist und unter welchen Bedingungen, ohne bereits zu hohe Kosten für Pläne auszugeben. Erst danach begann Josef Bader mit dem Zeichnen der Bauten.

Das Zeichnen der Pläne hielt Josef Bader ziemlich simpel, er machte das meistens selbst. Auf dem grundbuchamtlichen Situationsplan zeichnete er mit anderer Farbe die Änderungen in verschiedenen Perspektiven ein. «Die Architekten lachen mich aus, aber bis jetzt akzeptierten die Ämter die Pläne so», meint Josef Bader.

Dann heisst es, Geduld haben. Meistens kommt die Anfrage zur Baubewilligung ein- bis zweimal zurück. Baders müssen geforderte Unterlagen nachreichen. Davon dürfe man sich nicht entmutigen lassen. Geduld und gute Kommunikation lohne sich. Mit dieser Strategie haben Baders den ganzen Betrieb umgebaut.

Die Eltern bezahlen jetzt, die Nachfolger später

Bezüglich der Finanzierung sind sich die Eltern einig. Den ganzen Bau bezahlen sie. «Ich weiss, in unserem Alter und kurz vor der Übergabe sollte man nicht mehr so investieren. Aber ich baue halt gerne und im Moment bin ich gesundheitlich noch gut im Schuss, sodass wir viele Arbeiten selbst erledigen können», sagt Josef Bader.

Dadurch ist der Bau finanziell mit Eigenmitteln stemmbar und Baders müssen keinen Kredit aufnehmen. Das war Sibylle und Josef Bader wichtig. Bei der Hofübergabe wird der Ertragswert nochmals neu berechnet, dann fliesst der Neubau in die Berechnung ein: eine pragmatische Lösung.

Beim Kauf der Tiere wird es dann etwas anders aussehen. Die Mutterkühe werden wahrscheinlich Liliane und Thomas kaufen. Dann können sie auch bestimmen, welche Rasse sie möchten. «Mir würde Tiroler Grauvieh noch gut gefallen», sagt Liliane Bader. Mal schauen, welche Tiere dann bei Baders einziehen dürfen.

LN:

Betriebsspiegel der Familie Bader Josef (57) und Sibylle (54) Bader, Mümliswil-Ramiswil SO 36 ha Kulturen: Grünland, 8 ha Wald Tierbestand: 55 bis 60 Aufzuchtrinder, 2 Pferde Weitere Betriebszweige: Transportunternehmen für gewerbliche Transporte und Kranarbeiten, 30-kW-Solaranlage mit Stromspeicher, Verkauf von Holzschnitzeln Arbeitskräfte: Josef und Sibylle Bader