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N-Tester braucht den Menschen

Der N-Tester liefert dem Landwirt Werte über die Stickstoffversorgung seiner Getreidekultur. Allerdings ist das Gerät nur mit korrekter Interpretation durch den Berater von Nutzen. Landor-Düngeberater René Simon erklärt, welche weiteren Einflussfaktoren eine Rolle spielen.

Kurz & bündig

- Der N-Tester ist ein Hilfsmittel, welches den Landwirten in der Stickstoffversorgung seiner Getreidekulturen unterstützt. - Doch nur in Zusammenarbeit zwischen den Landwirten und dem Berater kann das Gerät seine unterstützende Funktion auch wirklich ausüben.

Einfach so funktioniert der N-Tester nicht: René Simon, Landor-Düngeberater, weiss, wovon er spricht. Er und seine Kollegen führen jedes Jahr Tests durch. Dabei vergleichen der Landwirt und der Berater die durchgeführten Messungen mit einer Referenzwerttabelle. So erhalten sie Informationen, um wie viele Stickstoffeinheiten die Kultur über- oder unterversorgt ist.

Doch: Zwischen den einzelnen Getreidesorten gibt es von der Genetik her verschiedene Chlorophyl-Gehalte. Entsprechend hat die Pflanze ein helleres oder dunkleres Blattgrün.

Im N-Tester sind Referenzwerte hinterlegt, die aufgrund umfangreicher Messungen festgelegt wurden. Sie geben an, wie gut oder schlecht die Pflanze mit Stickstoff versorgt ist. Aufgrund dieser unterschiedlichen Genetik muss bei einzelnen Sorten eine «Sortenkorrektur» gemacht werden, damit die notwendige Stickstoff-Menge berechnet werden kann.

«Es ist deshalb nicht ratsam, sich rein auf die N-Tester-Messung zu verlassen», erklärt René Simon. Denn es spielen diverse weitere Einflussfaktoren eine Rolle, welche die Stickstoffversorgung der Pflanzen betreffen.

René Simon verlässt sich nicht nur auf den N-Tester. Bild: Pia Neuenschwander
René Simon verlässt sich nicht nur auf den N-Tester. Bild: Pia Neuenschwander

Einen Durchschnitt nehmen und mit Referenzwerten vergleichen

Zum einen hat die Bodenbeschaffenheit grossen Einfluss darauf, wie gut oder schlecht Stickstoff für die Pflanze verfügbar ist. In der Schweiz gibt es selten Äcker, die flächig dieselben Bodentypen aufweisen, sagt Simon. Der Boden kann sandig, lehmig oder humos sein und je nach Witterung trocken oder nass.

All diese Faktoren beeinflussen die Messungen mit dem N-Tester. Deshalb sei es wichtig, aus all den verschiedenen Werten einen Durchschnitt zu nehmen und diesen mit den Referenzwerten zu vergleichen.

Die Nährstoffversorgung in die Überlegungen einbeziehen

Zum Boden kommt die generelle Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen wie Mangan, Schwefel oder Magnesium hinzu, führt René Simon weiter aus. Diese Nährstoffe sind «Chlorophyl-Bildner», die den Messwert des Blattgrüns entscheidend beeinflussen.

Bei Schwefel-Mangel wird die Aufnahme von Nitrat behindert und der Weizen erscheint hell.

Bei Mangan-Mangel, verursacht durch hohen PH und hohe organische Substanz, ergeben sich helle Flecken im Feld. Bei Mangan-Mangel, verursacht durch Trockenheit und Nässe, gibt es einen sogenannten latenten Mangan-Mangel, der das ganze Feld aufhellt und die Messung verfälscht.

Für eine erfolgreiche Ernte braucht es eine enge Zusammenarbeit zwischen Düngeberatern und Landwirten. Es reicht nicht, sich nur auf Testresultate zu verlassen. Bild: Jasmine Baumann
Für eine erfolgreiche Ernte braucht es eine enge Zusammenarbeit zwischen Düngeberatern und Landwirten. Es reicht nicht, sich nur auf Testresultate zu verlassen. Bild: Jasmine Baumann

Landwirt und Berater müssen eng zusammenarbeiten

«Ohne Zusammenarbeit funktioniert das Ganze nicht», sagt René Simon. Die Messung möge zwar eine gute N-Versorgung ergeben. Aber nur, wenn Landwirt und Berater ihr Wissen zusammentragen, finde sich eine Lösung für das Problem. Hierzu sind Informationen über das Wetter, die Bodenbeschaffenheit, vorhergehende Nährstoffgaben und weiteres sehr wichtig.

«Sich nur auf das Gerät zu verlassen, ist nicht sinnvoll»: Das ist René Simon wichtig. Der Berater ist auf genaue Informationen des Landwirts angewiesen. Diese Informationen ergänzen den N-Test, betont René Simon weiter.

Ausserdem sei der Erfahrungswert des Landwirts sehr wichtig. «Der N-Tester ist nutzlos ohne diesen Erfahrungswert», meint René Simon. Gemeinsam mit dem Berater, der die N-Testung durchführt, kann schliesslich ein gutes Konzept für die optimale Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen erarbeitet werden.

In der Schweiz führen vor allem Düngeberater Tests durch

In der Schweiz ist lediglich ein Typ des Gerätes im Einsatz. Die Firma Yara bietet in Deutschland auch eine Kopplung des N-Testers mit dem Smartphone an. Der Landwirt kann mit Smartphone und N-Tester durchs Feld gehen und die Messungen selbstständig durchführen. Das mit einer App verknüpfte N-Tester-Gerät bezieht Wetterdaten und die hinterlegten Referenzwerte gleichzeitig mit ein, um die optimale Stickstoffdüngung zu ermitteln.

In der Schweiz werden die Messungen hauptsächlich durch die Düngeberater von Landor durchgeführt und dies vor allem auf direkte Anfrage der Landwirte. Die N-Tester sind in der Schweiz nicht im Besitz der Landwirte. Auch in den landwirtschaftlichen Schulen wird die Thematik der N-Tester behandelt, allerdings nur am Rande.

Private Anschaffungen lohnen sich für Landwirte kaum

René Simon sieht ein begrenztes Entwicklungspotenzial in der Verwendung des N-Testers. Einerseits durch die kleinstrukturierte Parzellierung der Ackerflächen in der Schweiz, andererseits wegen des hohen Aufwandes zur Sammlung der jährlichen Referenzdaten.

Zudem ist die finanzielle Einsparung, auch unter Zuhilfenahme des N-Testers, sehr klein. Schliesslich müssen die Geräte jedes Jahr wieder neu geeicht werden, womit sich eine private Anschaffung für den Landwirten nicht lohne.

Die Dienstleistung des N-Testers bestünde, laut René Simon, vor allem aus «Mund-zu-Mund-Werbung». Landwirte, die diese Dienstleistung in Anspruch nehmen, erzählten, dass anderen Berufskollegen, wodurch sich die Geschichte herumspricht.

So laufen N-Tests bei Landor ab

René Simon arbeitet bei Landor als Düngeberater im Aussendienst. Er und einige seiner Kollegen nehmen jährlich diverse Messungen in den Stadien 32 und 41 bis 57 auf und liefern die Daten an Yara in Deutschland.

Diese wiederum generieren aus den erhaltenen Werten einen Referenzwert, welche dem Landwirt helfen sollen, seine Stickstoffgaben besser einzuteilen.

Die Referenzwerte müssen jährlich aufgenommen und das N-Tester-Gerät auf jene kalibriert werden. Die Referenzwerte stehen den Landwirten als Tabellen zur Verfügung.

In Deutschland sind auch Apps mit dem N-Tester im Einsatz:

Die N-Messung wird an 30 verschiedenen Pflanzen innerhalb der Ackerparzelle durchgeführt. In der Schweiz zählen Weizen, Triticale, Gerste und zum Teil Kartoffeln zu den gemessenen Kulturen. In Deutschland wird auch Mais mit dem N-Tester getestet.

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