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Im Stammertal wächst Hopfen, der zu Bier und Whisky wird

Im Hopfengarten der Familie Reutimann im Stammertal ZH rankt Hopfen auf 4,1 Hektaren. Aus den Dolden braut die Familie Bier. Im Hofladen verkauft sie weitere Hopfenprodukte, vom Pesto bis zum «Stammheimer Single Malt».

kurz & bündig

  • Im Stammertal ZH hat der Hopfenanbau Tradition.
  • Markus Reutimann leitet den Betrieb «Hopfentropfen» in der dritten Generation.
  • Reutimanns bauen 4,1 ha Hopfen an und 3 ha Braugerste.
  • Ihr Bier «Hopfenbräu» besteht aus 100 Prozent Schweizer Hopfen und vorwiegend Schweizer Braugerste.
  • In einem Hofladen bieten sie ein breites Spektrum an verarbeitetem Hopfen an, vom Bier übers Pesto bis zum Pflegeprodukt.

Hopfen liebt tiefgründigen, humosen Boden. Generell könnte man sagen «je tiefgründiger der Boden und je mehr Nährstoffe zur Verfügung stehen, desto frohwüchsiger die Kultur», erklärt Markus Reutimann. Reutimann führt den Betrieb «Hopfentropfen» bereits in der dritten Generation.

Der Betrieb liegt im Stammertal im nordöstlichsten Zipfel des Kantons Zürich. Ländlich, aber nicht abgelegen, erstreckt sich das Stammertal über vier Dörfer. Hier hat der Hopfenbau seit den Fünfzigerjahren Tradition.

Hopfen mit fruchtigen Aromen für Spezialbiere

Auf 4,1 Hektaren baut die Familie Reutimann neun verschiedene Hopfensorten an. Der Hopfen habe im Stammertal seit 1935 Einzug auf die Höfe gehalten, berichtet Markus Reutimann. Hier seien die Landwirte gewohnt gewesen, Wein anzubauen. Somit sei der Anbau von Hopfen eine weitere Spezialkultur gewesen, die im Laufe der Zeit dazugekommen sei.

Die Hopfensorten, die die Familie anbaut, reichen von Bitterhopfen über Hopfen, die auf feines Aroma gezüchtet sind bis zu sogenannten «Flavour Hops», die besonders fruchtige Aromen enthalten und bei den Brauereien für Spezialbiere eingesetzt werden.

Hopfen ist eine frohwüchsige, aber sehr arbeitsintensive Pflanze. Reutimann sagt, dass sie 250 Arbeitsstunden pro Hektare benötigen, davon sei viel Handarbeit.

Pflanzenschutz und Kontrollen sind für gold-grüne Hopfen-Dolden nötig

Auch beim Pflanzenschutz gibt es grosse Herausforderungen: Einerseits ist dies die «Rote Spinne», ein Schädling, der bei der Pflanze innerhalb von wenigen Tagen den Garaus machen kann. Auch die Hopfenblattlaus ist nicht zu unterschätzen.

Bei den Pilzkrankheiten ist es ähnlich wie im Weinbau. Gegen Echten und Falschen Mehltau muss die Pflanze geschützt werden. Tägliche bis wöchentliche Kontrollen sind unerlässlich, damit im Herbst gold-grüne, gesunde Hopfendolden geerntet werden können.

Hat es die Hopfenpflanze unbeschadet durch den Sommer geschafft, wird sie Ende August geerntet. Die Familie Reutimann hat sich auf die Verarbeitung des Hopfens von der Ernte bis zum Brauen selbst eingerichtet. Die Hopfendolden werden mittels einer speziellen Maschine gezupft. Diese ist stationär in Stammheim und gehört den Pflanzern in einer Gemeinschaft.

Allerdings können nur so viele Hopfendolden geerntet werden «wie man in fünf bis sechs Stunden auch im Trocknungsofen trocknen kann», betont Markus Reutimann. Wenn die Dolden zu lange gelagert werden, bevor sie getrocknet werden, erwärmen sie sich und es kommt zu Qualitätsverlusten.

Anschliessend geht es in die Pelletierung. Familie Reutimann hat sich diese Pelletiermaschine vor zwei Jahren angeschafft. Durch das hofeigene Pelletieren sei es möglich, sortenrein und auch auf Anfrage von anderen Hopfenpflanzern zu pelletieren. Dies macht die Hopfendolden haltbarer. In Aluminiumbeutel vakuumdicht verpackt und gekühlt halten sich die Dolden mehrere Jahre lang.

Die Rohstoffe fürs Bier stammen vom Betrieb «Hopfentropfen»

Für die Familie Reutimann ist es auch wichtig, einen weiteren Rohstoff für die Bierbrauerei auf dem eigenen Hof anzubauen. Die Braugerste, die für die Brauerei benötigt wird, wird auf drei Hektaren angebaut, aber auch noch auf anderen Betrieben. Die Mälzung des Getreides erfolgt allerdings in Deutschland. Das Malz wird zurückgenommen und so entsteht auf dem Betrieb der Familie Reutimann das «Hopfenbräu» aus 100 Prozent Schweizer Hopfen und vorwiegend Schweizer Braugerste.

Doch damit nicht genug. Der Kreativität in der Verarbeitung von Hopfen sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Ein Blick in den Hofladen lässt staunen: Der Hopfen hat nicht nur in Form von Bier einen Verarbeitungsweg gefunden, sondern auch als Pesto, in Nudeln, Essig und Öl sowie in Pflegeprodukten.

Auch die vermälzte Gerste wird nicht nur für die Bierbrauerei verwendet. «Stammheimer Single Malt» ist eine Whisky-Kreation aus 100 Prozent Schweizer Rohstoffen. Die Vielfalt an Hopfenprodukten wird teilweise in Zusammenarbeit mit anderen Familienbetrieben hergestellt.

Auf dem Hopfenpfad lernen Besucher das Bier schätzen

Doch nicht nur in der Vermarktung der Hopfenprodukte, auch in der Vermittlung von Wissen zum Hopfen sowie kulinarisch hat sich die Familie einen Namen gemacht. Interessierte können auf einem Hopfenlehrpfad viel Wissenswertes über den Hopfen und dessen Anbau erfahren.

Reutimanns zeigen in ihrer kleinen Braustube auf dem Hof den Besucherinnen und Besuchern die Kette von Schritten, die nötig ist, um von der Hopfenpflanze am Ende zum Bier zu gelangen. «Ein Gast, der diese Verarbeitungsschritte miterlebt hat, trinkt ein Bier am Ende anders», erläutert Markus Reutimann.

Zudem beliefert der Betrieb auch kleine und mittlere Brauereien, die Wert auf Hopfen aus Schweizer Anbau legen. Auch die grossen Brauereien wie Carlsberg und Heineken sind darunter.

Die Schweizer Bierbrau-Szene hat den Zenit erreicht

Die Nachfrage nach Schweizer Hopfen, so schätzt Markus Reutimann, ist in den vergangenen Jahren angestiegen. Auch in naher Zukunft wird Schweizer Hopfen wohl Potenzial haben und von kleineren und mittleren Brauereien nachgefragt zu werden.

«Aber der Zenit in der Bierbrau-Szene ist zurzeit erreicht«», sagt Betriebsleiter Reutimann. Bierbrauen sei ein Handwerk. Dies schlägt sich in der Qualität des Bieres nieder. Auch wenn einige als Hobby zu Brauen beginnen: Professionalität merke man dann, wenn die Brauerei grösser wird und das Hobby langsam zum Beruf werde.

Reutimanns tüfteln an neuen Kreationen aus Bier und Wein

Zukünftig wird es der Familie Reutimann sicher nicht langweilig. Die Kreativität findet sich auch in einem neuen Getränk wieder. Es ist zurzeit als «Kostprobe» auf dem Betrieb erhältlich ist. Ein «Bierschmuser», ein Getränk aus Bier, Wein und Quellwasser. Geschmacklich sicherlich sehr interessant.

Betriebsspiegel «Hopfentropfen»

Markus und Brigitte Reutimann, Unterstammheim ZH

LN: 34 ha, davon 4,1 ha Hopfen, 0,5 ha Reben, 3 ha Saatgetreide, 3 ha Kartoffeln, 6 ha Konservengemüse (Erbsen und Bohnen), 3 ha Braugersten, Körnermais, 3 ha Sonnenblumen und Ökoflächen.

Mitarbeiter: Betriebsleiter Markus Reutimann, Ehefrau Brigitte, Söhne Thomas und Christoph Reutimann, 1 Lehrling, 1 Praktikant und diverse Helferinnen und Helfer.

www.hopfentropfen.ch