Kurz & bündig
- CCC wirkte im Jahr 2020 sehr gut.
- Bei der Anwendung von Moddus war Zurückhaltung angebracht.
- Die richtige Dosierung hängt von Sorte, Wetter und dem generellen Zustand der Kultur ab.
- Die Erfahrung der Landwirte ist wichtig.
- Halmverkürzer haben positive Nebeneffekte wie zum Beispiel stärkeres Wurzelwachstum.
Wie viel ist zu wenig, was ist bereits zu viel? Diese Frage dürfte sich mancher Getreideproduzent im Jahr 2020 gestellt haben, als er darüber brütete, wie er seine Felder spritzen wollte. «Das Frühjahr 2020 war in der Tat aussergewöhnlich», bestätigt Joel Meier, Leiter Feldversuche von der Syngenta in Dielsdorf. Seine Versuchsfelder präsentieren sich schön, der Wind lässt die Ähren der Gerste hin und her wogen. Ein Griff in die Bestände zeigt, dass diese eher dünn sind. Die Trockenheit hat auch hier ihren Tribut gefordert.
Auch für Joel Meier war die Bestandesführung in diesem Jahr eine Herausforderung. Er fasst zusammen: «CCC (Chlormequat) wirkte heuer sehr gut. Zum Zeitpunkt der Applikation hatten wir wüchsiges Wetter, den warmen Temperaturen und der Winterfeuchtigkeit sei dank. Nachher folgte eine für die Jahreszeit extreme Trockenheit, wodurch die Bestände ausdünnten. Nicht alle Triebe schafften es nach oben. Schliesslich standen die Kulturen unter Stress und blieben quasi stehen, weil das Wasser fehlte.»
Just in dieser Periode hätte gemäss Spritzplan bei vielen Landwirten die Applikation eines Halmverkürzers wie Moddus in Kombination mit einer Fungizidbehandlung auf dem Plan gestanden. Ein Blick ins Zielsortiment zeigt aber unter Moddus den Hinweis: «Nur bei aktivem Wachstum und in stressfreien Beständen einsetzen.»
Die Halmverkürzung im Getreide fand 2020 oft reduziert oder sogar gar nicht statt
«Das führte dazu, dass viele Landwirte im Weizen entweder mit rund 2 dl/ha eine tiefe Dosierung wählten, oder aber diese Behandlung gleich wegliessen», weiss Joel Meier. Eine auch im intensiven Anbau vertretbare Entscheidung, denn: «Der Pilzdruck war enorm tief bis nicht vorhanden», hat Meier beobachtet. Die Halmverkürzung im Getreide ist komplex und ist immer den jeweiligen Umständen anzupassen. Wichtige Fragen sind:
- Wie ist die Standfestigkeit der gewählten Sorte? Lageranfällige Sorten (z.B. Arina) müssen stärker verkürzt werden als solche mit einer guten Standfestigkeit
- Wie ist die Bestandesdichte? Lockere Bestände müssen weniger stark verkürzt werden als mastige Be-stände.
- Wie ist das Wetter? Bei wüchsigem Wetter und hoher Sonneneinstrahlung wirken Halmverkürzer stärker, die Dosierung ist nach unten zu korrigieren.
Joel Meier weiss, dass die Halmverkürzung ein beratungsintensives Thema ist. Er hat aber ebenfalls festgestellt, dass viele Landwirte aufgrund langjähriger Erfahrung sehr genau wissen, wie sie Mittel wie Moddus oder Medax zu dosieren haben. Das erkennt er nicht zuletzt daran, als dass auch im anspruchsvollen Jahr 2020 grösstenteils schöne Getreidekulturen zu sehen sind.
Joel Meier empfiehlt, immer auch ein Spritzfenster anzulegen. «Gerade bei der Halmverkürzung ist das wichtig für die Erfolgskontrolle. Sonst ist es schwierig zu beurteilen, ob die Behandlung gerechtfertigt war oder nicht», so Meier.
Fungizid-Beimischungen verstärken die Wirkung der Halmverkürzer
Ein Grund, weshalb nicht mehr Behandlungsfenster angelegt werden, ist gemäss Joel Meier die Furcht vor der Ausbreitung von Pilzkrankheiten. Joel Meier gibt Entwarnung. «Auch wenn die Halmverkürzer in der Regel mit einem Fungizid gemischt werden, ist nicht davon auszugehen, dass ein Spritzfenster den Pilzdruck auf einer ganzen Parzelle erhöht», so Meier.
Bei der Beimischung von Fungiziden ist zudem zu beachten, dass diese den Effekt eines Halmverkürzers verstärken können. Die Dosierung des Halmverkürzers muss in diesem Fall ebenfalls nach unten korrigiert werden.
Eine Halmverkürzung nach Schema ist also nicht praktikabel, zumindest nicht die zweite Verkürzung mit Moddus oder Medax. Eine Über- oder Unterdosierung kann negative Auswirkungen haben:
- Bei zu stark verkürzten Beständen kann die Ähre in der Blattscheide stecken bleiben und bereits zu blühen beginnen, bevor sie ganz geschoben ist. Das Ährenschieben ist stark verzögert, was sich negativ auf die Abreife und den Ertrag auswirkt.
- Bei einer zu tiefen Dosierung leidet die Standfestigkeit. Lagergetreide mit vermindertem Ertrag, Ernteerschwernis, erhöhtem Pilzdruck und verminderter Qualität ist die Folge.
Auch Halmverstärker wie Etephon, die das Knicken der Ähre insbesondere bei Gerste verhindern, können bei falscher Applikation negative Auswirkungen haben. «Etephon kann bei einer Überdosierung den Ertrag schmälern», weiss Joel Meier.
Bei einer Unterdosierung oder wenn Etephon weggelassen wird, ist das Risiko für geknickte Ähren hingegen erhöht. Als Folge davon wird der Saftstrom zur Ähre unterbrochen: Die Körner können nicht optimal ausgefüllt werden und erreichen kein gutes Tausendkorngewicht.
Bei CCC ist die Sache weniger heikel. Hier kann man mit der je nach Getreidekultur empfohlenen Standarddosierung üblicherweise nicht viel falsch machen. Zu beachten ist, dass CCC oft in Kombination mit einem Herbizid gespritzt wird.
Deutschland hat eine App für die Halmverkürzung
In Deutschland wurde auf dieses Jahr hin eine App lanciert, welche die Landwirte bei der korrekten Halmverkürzung unterstützen soll. Ähnliches erachtet Joel Meier in der Schweiz nicht als dringlich.
«Die Schweiz ist sehr kleinräumig, und es ist schwierig, wirklich exakte Empfehlungen basierend auf Modellen abzugeben.» Und er fügt lachend an: «Vermutlich haben wir hierzulande ein ausserordentlich dichtes Netz an Pflanzenschutzberatern, das wir nutzen können. Aber auch persönliche Kontakte zum Nachbarn oder die kantonalen Pflanzenschutzfachstellen können Anlaufstellen für die Landwirte sein», so Meier, der selber auch die Ausbildung zum Meisterlandwirt hat.
Grosse Züchtungs-Fortschritte hinsichtlich Standfestigkeit vom Getreide
Es stellt sich die Frage, ob nicht auf anderen Wegen – zum Beispiel über die Züchtung – ein gleiches Resultat, also standfeste Getreidebestände, erreicht werden könnte. Bestrebungen in diese Richtung laufen. So muss jede neue Getreidesorte zunächst im Extenso-Verfahren bestehen können, damit sie überhaupt auf die Sortenliste gelangt.
Ganz weglassen könne man die Halmverkürzer aber nicht: «Die Halmverkürzung ist eines von vielen Rädchen im System der intensiven Produktion», meint Joel Meier.
Die Züchtung habe grosse Fortschritte in dieser Richtung gemacht. Meier gibt aber weitere positive Nebeneffekte der Halmverkürzer zu bedenken: «Moddus sorgt für eine Verstärkung der Kronwurzel. Einfach gesagt: Weil die Pflanze oben verkürzt wird, macht sie bei den Wurzeln ein sogenanntes kompensatorisches Wachstum. Das hat zur Folge, dass die Wasser- und Nährstoffaufnahme verbessert ist», erklärt Meier. Mit einem Schmunzeln fügt er an: «Das ist mit ein Grund, weshalb der in Moddus enthaltene Wirkstoff auch auf Fussball- oder etwa Golfplätzen eingesetzt wird.»
Für Joel Meier ist klar, dass Wachstumsregler einen wichtigen Beitrag leisten, die Kulturen über die heikle Periode von Mitte Mai bis Mitte Juni zu bringen. «Es ist ein kleiner, aber wichtiger Beitrag, um die gute Produktionsbasis, die wir in der Schweiz mit unseren Böden und dem guten Klima haben, ausnutzen zu können», so der Versuchsleiter.

