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Gülle sinnvoll aufbereiten und Nährstoffverfügbarkeit erhöhen

Über den Winter ist Zeit, die hofeigene Gülle so aufzubereiten, dass sie im Frühling bereit für eine sinnvolle Ausbringung ist. Wie kann es gelingen, die Nährstoffverfügbarkeit zu erhöhen und dabei eine gute Fliessfähigkeit zu erhalten?

Kurz & bündig

- Es gibt mittlerweile eine breite Palette an sinnvollen Güllezusätzen auf dem Markt. - Vor dem Einsatz von Zusätzen sollten Landwirte sich über die damit verbundenen Ziele bewusst sein. Meist ist mit zusätzlichen Kosten zu rechnen. - Wird zur Förderung der Fliessfähigkeit Gärgülle als Zusatz eingesetzt, sollte eine Nährstoffanalyse gemacht werden, um die Kulturen optimal zu düngen.

Die Palette der Güllezusätze wächst. Auf den meisten Betrieben, die ihre Gülle durch Zusätze aufbereiten, werden Pflanzenkohle, Gesteinsmehl oder Effektive Mikroorganismen (EM) genutzt. Diese Zusätze verfolgen grundlegend zwei Ziele: die Reduktion von negativen Umweltwirkungen wie etwa schädlichen Ammoniak-Emissionen sowie die Verbesserung der Qualität, um die Gülle boden- und pflanzenverträglicher zu machen.

«Zudem gibt es Produkte, die die Nitrifikation hemmen oder den pH-Wert senken. Der wichtigste Güllezusatz ist und bleibt jedoch Wasser», erklärt Serge Braun, Berater im Fach-bereich Boden und Düngen beim Kompetenzzentrum Strickhof.

Die Mischung von Gülle und Wasser führt zu einer Reduktion der negativen Gülle-Eigenschaften. Deshalb ist dies auch die klassische Methode der Aufbereitung. Gibt es auf dem Betrieb allerdings keine Gülleverschlauchung, sind höhere Transportkosten die Konsequenz dieser Aufbereitungsmethode.

Gülle rühren fördert Zersetzung, aber auch Ammoniak-Emissionen

Ebenfalls möglich ist es, Luft in die Gülle einzublasen. «Die Mikroorganismen in der Gülle werden dadurch in ihrer sauerstoffabhängigen Umsetzung gefördert, die Gülle homogenisiert und Fäulnis vorgebeugt», so der Düngeberater.

Durch das Einblasen von Luft bilden sich zudem keine Schichten in der Gülle. Dabei sei darauf zu achten, dass das Rührwerk dem Lager und dem TS-Gehalt angepasst ist. Ein Nachteil bei der Nutzung von Luft zur Gülleaufbereitung kann die damit verbundene erhöhte Ammoniak-Emission sein. «Die Devise ist: So oft rühren wie nötig, aber so wenig wie möglich», erklärt Braun.

Bei der Biogasproduktion gärt die Gülle anaerob, also ohne Sauerstoff. Auf diese Weise entsteht Methan als sogenanntes Biogas, welches für die Stromerzeugung verwendet wird. Die entstandene Gärgülle sei flüssiger als herkömmliche Gülle und habe eine erhöhte Konzentration an Ammonium-Stickstoff, welches sich für den Einsatz in Ackerkulturen anbiete, berichtet der Experte.

Ein Nachteil dabei ist, dass weniger organische Substanz in den Boden gelangt, was einen Einfluss auf die Bodenfruchtbarkeit haben kann.

«Der wichtigste Güllezusatz ist und bleibt jedoch Wasser.»

Serge Braun, Strickhof

Gülle sinnvoll aufbereiten und Nährstoffverfügbarkeit erhöhen

Der Einsatz von Güllezusätzen fördert auch die Beobachtung

Will man einen Güllezusatz nutzen, sollte man sich vor der Anwendung darüber im Klaren sein, was damit erreicht werden soll. «LandwirtInnen spüren oft schnell eine Verbesserung der Situation. Beispielsweise riecht dann die Gülle beim Ausbringen nicht mehr so stark. Das hängt sicherlich mit dem Einsatz des Produktes zusammen», sagt Serge Braun. Oft sei es aber auch so, dass jene LandwirtInnen, die Güllezusätze verwenden, der Aufbereitung im Allgemeinen mehr Beachtung schenkten, was die Situation bereits beeinflussen könne.

Der Einsatz von Pflanzenkohle als Güllezusatz ist mittlerweile in der Branche bekannt. Durch die enorm grosse Oberfläche der Pflanzenkohle können Nährstoffe, aber auch Schadstoffe gebunden werden. Dies könne unter anderem helfen, die Umweltbelastung zu reduzieren. Zudem speichert Pflanzenkohle Wasser. Im Boden kann sich diese Eigenschaft gerade in Trockenperioden positiv auswirken.

Als Zusatz von Futtermitteln zur Verbesserung der Tiergesundheit oder in der Einstreu zur Förderung der Stallhygiene gelangt die Pflanzen-kohle in die Gülle. «Natürlich kann die Pflanzenkohle als grössere Menge der Gülle auch direkt beigemischt werden. Das ist nur eine Frage der finanziellen Investition», so Braun. Einblicke in die praktische Umsetzung von Pflanzenkohle als Güllezusatz gibt Landwirtin und Betriebsleiterin Rebekka Strub ab Seite 70.

Die Produkte sollten wissenschaftlich getestet werden

Auch mit dem Zusatz von Effektiven Mikroorganismen werden gute Erfahrungen gemacht. Die Mikroorganismen, die in den fertigen Lösungen enthalten sind, sind unter anderem verschiedene Bakterien, wie zum Beispiel Milchsäurebakterien, aber auch Hefe- und Schimmelpilze. Auch hier gibt Serge Braun zu bedenken, dass Landwirte sich vor der Nutzung gut überlegen sollten, welche Ziele sie mit dem Einsatz solcher Produkte anstreben.

Es sei durchaus möglich, dass sich durch solche Überlegungen eine Sensibilisierung im Umgang mit Hofdünger einstellt. Dies allein könne bereits zu einer Verbesserung der Situation führen. «In meinen Augen sollten die Produkte wissenschaftlich vermehrt getestet werden. Sich nur auf das Gefühl zu verlassen, kann auch heikel sein», appelliert der Experte.

Ein weiteres Argument für die sinnvolle Gülleaufbereitung ist deren Fliessfähigkeit. Denn die Gülle, die über den Winter anfällt und im Frühjahr ausgebracht wird, ist oftmals sehr dick. Dem kann zwar mit der Beimischung von Wasser entgegengewirkt werden, aber die Hofdüngerlager sind gerade über die Dauer der Wintermonate ohnehin schon beschränkt.

Die Konsequenz von zu dicker Gülle sind die sogenannten «Güllemädli», die, auf die Flächen ausgebracht, das heranwachsende Futter verschmutzen oder den Schleppschlauchverteiler verstopfen.

Zusatz von Gärgülle kann Fliessfähigkeit verbessern

Wichtig bei der Ausbringung ist also eine gut fliessende Gülle ohne Güllewürste. Welche Alternativen gibt es also? Eine Methode, die Fliessfähigkeit der Gülle zu verbessern, ist der Zusatz von Gärgülle, also der am Ende des Gärprozesses gewonnenen Gülle.

«Wird Gärgülle zugesetzt, sollte allerdings eine Nährstoffanalyse gemacht werden. Denn der Hauptzweck der Gülleausbringung auf die Wiesen und Felder ist die Pflanzenernährung zur richtigen Zeit in der richtigen Menge. Auf der guten landwirtschaftlichen Praxis sollte der Fokus liegen», sagt Braun.

Eine Überlegung, die vor diesem Hintergrund ebenfalls interessant ist, ist die Separierung der Gülle in ihre festen und flüssigen Bestandteile. «Da die Separation meist mit einer Investition verbunden ist, hängt deren Sinnhaftigkeit von Betriebsfaktoren wie der Höhe des Tierbestandes und des Stallsystems ab», so Serge Braun.

Neben der besseren Fliessfähigkeit der Dünngülle und der damit verbundenen einfacheren Ausbringung könne die Dünngülle für die Kulturen effizienter eingesetzt werden, da sie sich der Düngewirkung von Mineraldüngern annähere, erklärt der Düngeberater.