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Pflanzenkohle als Güllezusatz

Der Grünlandbetrieb von Landwirtin Rebekka Strub liegt im solothurnischen Trimbach in der Bergzone I. Der einfachste Weg, ihre Flächen nährstoffreich zu düngen, liegt für sie bei der Gülleaufbereitung mit Pflanzenkohle.

Kurz & bündig

- Pflanzenkohle speichert Nährstoffe aus der Gülle, die sich sonst bei der Ausbringung vermehrt über die Luft verflüchtigen. - Die mit Kohle angereicherte Gülle riecht daher weniger stark bis gar nicht. - Nicht nur auf dem Feld, sondern auch im Stall kann Pflanzenkohle sinnvoll eingesetzt werden. - Ein Nachteil der Pflanzenkohle sind die hohen Kosten, die mit dem Kauf verbunden sind.

Auf ihrem Betrieb hält Landwirtin Rebekka Strub 70 Rinder der Rassen Aubrac und Zwergzebu, 30 Burenziegen, drei Schweine, vier Pferde und noch weitere Kleintiere. Mit 1000 m3 Gülle pro Jahr mangelt es der Landwirtin an Dünger also nicht. Ihre Tiere hält sie in unterschiedlichen Stallsystemen.

Während die Aubrac-Rinder in einem Boxenlaufstall auf einer Kompostmatratze und Häckselstroh untergebracht sind, stehen die Zwergzebus in einem Tiefstreustall auf Pflanzenkohle, Steinmehl und Stroh. Die Schweine und Ziegen stehen in einem Freilaufstall ebenfalls auf Tiefstreu. Dieses besteht aus mit Pflanzenkohle und Stroh gemischtem Kompost.

Pflanzenkohle und EM in die Gülle einrühren

Zur Aufbereitung ihrer Gülle setzt Rebekka Strub Pflanzenkohle und Effektive Mikroorganismen (EM) ein. «Ich habe an meinem Hoflader eine grosse Schaufel, die ich an einem warmen Tag mit Kohle fülle. Dann mische ich die Kohle mit EM und Wasser und lasse sie drei Tage stehen. Danach wird die Mischung ins Gülleloch gefüllt und gerührt», erklärt die Landwirtin.

In die Gülle eingerührt wird die Kohle etwa drei Wochen vor der Ausbringung, damit sie genug Zeit hat, um sich mit Nährstoffen anzureichern. Etwa vier- bis fünfmal pro Jahr setzt Strub der anfallenden Gülle Pflanzenkohle hinzu, die EM mischt sie zwei- bis dreimal unter.

Wenn es auf den Winter zugeht, kauft Rebekka Strub rund 6 m3 Kohle. «Bis es wieder Frühling wird, sind die sechs Kubik sicher ins Bschüttloch gewandert. Im Sommer kaufe ich dann noch einmal vier bis sechs Kubik Kohle, die dann nach und nach auch in den Mist oder in die Gülle kommt.»

Pflanzenkohle bindet Nährstoffe, Gerüche und Wasser

Doch wie ist die Landwirtin auf die Gülleaufbereitung mit Pflanzenkohle gekommen? «Ich führe einen Grünlandbetrieb in der Bergzone I. Unser Gelände ist also zum Teil ziemlich steil. Ich habe einen Weg gesucht, die Nährstoffe auf einfache Art und Weise aufs Land zu bringen. Für mich führt dieser immer über Gülle und Kompost. Zudem leuchtet mir ein, dass Kohle von ihrer Struktur her Mikronährstoffe und Spurenelemente zurückhalten kann. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, die Gülle auf unserem Betrieb mit Pflanzenkohle anzureichern», erzählt Rebekka Strub, die ihre Gülle nunmehr seit vier Jahren auf diesem Wege aufbereitet.

Anfänglich sei ihr Vater dieser Entscheidung gegenüber sehr skeptisch gewesen. Doch bereits nach dem ersten Jahr, in dem die Pflanzenkohle im Einsatz war, habe der Vater nach dem Ausbringen bemerkt, wie wenig man die Gülle roch. Auch die Qualität der Gülle habe ihren Vater überzeugt, erzählt die Landwirtin.

«Ich habe in dem Jahr bis etwa drei Meter an unser Wohnhaus heran gedüngt. Zu der Zeit hatten wir Freunde zu Besuch. Beim Abendessen haben sie mich gefragt, was ich so den ganzen Tag gemacht hätte», erzählt Strub und lacht. «Dann habe ich gewusst, dass das eine gute Sache ist.» Für Rebekka Strub zeigt die verstärkte Geruchsneutralität, dass sich die Nährstoffe durch die Kohle nicht mehr in dem Masse verflüchtigen, sondern vermehrt in der Gülle bleiben und dem Boden zugänglich gemacht werden.

Dank Pflanzenkohle bleiben die Laufgänge auch im Winter griffig.
Dank Pflanzenkohle bleiben die Laufgänge auch im Winter griffig.

Die Kosten für Pflanzenkohle sind ziemlich hoch

Ein Nachteil der Gülleanreicherung mit Pflanzenkohle sind jedoch definitiv die Kosten. Wenn die Pflanzenkohle nicht selbst hergestellt werden kann, weil etwa die Zeit oder der Platz fehlt, dann muss sie zugekauft werden. Bekannte Hersteller sind zum Beispiel Charline, Verora oder Charo. Für ein Big Bag Substrat-Pflanzenkohle von rund 1,2 m3 liegen die Preise bei etwa 460 bis 500 Franken.

Mittlerweile gebe es die Pflanzenkohle auch in einer feineren Körnung zu kaufen, extra für die Beimischung zur Gülle, erzählt Rebekka Strub. Dies sei eine gute Sache. Zum einen staubt die Kohle in der feineren Körnung weniger und zum anderen rutscht sie einfacher aus dem Sack. «Früher habe ich manchmal noch gröbere Kohlestücke in der Gülle gesehen. Das ist mit der feineren Kohle aber nicht mehr der Fall. Ich denke, das ist auch ein Vorteil, wenn man die Gülle mit dem Schleppschlauch ausbringt», so Strub.

Begeistert von Kohle und deren vielseitigem Einsatz

Bei einer Grünland-Flurbegehung auf ihrem Betrieb wurde Rebekka Strub von einem Berufskollegen unter vier Augen gefragt, ob sie nun wirklich an die Wirkung der Pflanzenkohle glaube. «Meine Antwort war klar: Wenn mich der Einsatz der Kohle nicht wirklich überzeugen würde, würde ich niemals so viel Geld dafür in die Hand nehmen. Zudem denke ich, dass sich diese Investition die nächsten zwanzig bis dreissig Jahre rechnen wird.»

Gerade bei extremen Wetterlagen, in denen es sehr trocken oder auch übermässig nass sein wird, glaubt Rebekka Strub an die Vorteile des Einsatzes von Kohle. Denn sie kann Wasser wie ein Schwamm aufnehmen und wieder abgeben. «Deshalb werden sich die Kosten auf jeden Fall lohnen», so Strub.

Dass Kohle Feuchtigkeit aufsaugen kann, ist nicht nur auf dem Feld von Vorteil, sondern auch im Stall. «Die Kohle streue ich gerne im Stall auf die Laufgänge, wenn es im Winter gefriert und glatt ist. Durch die Kohle wird der Boden für die Tiere wieder griffig. Auch im Tiefstreu saugt die Kohle die Feuchtigkeit gut auf.»

Aber wenn die Kohle Feuchtigkeit aufsaugt, macht sie die Gülle dann nicht zu dick und weniger fliessfähig? Rebekka Strub verneint. Sie bringt ihre Gülle noch mit dem Prallteller aus und hatte diesbezüglich bisher noch keine Probleme. «Ich bin von der Pflanzenkohle komplett begeistert», berichtet Strub.

Betriebsspiegel der Familie Strub

Rebekka Strub, Trimbach SO LN: 45 ha Kulturen: Grünland, 300 Hochstammbäume Tierbestand: 30 Mutterkühe der Rasse Aubrac, 40 Zebus, 30 Burenziegen, 4 Pferde, 3 Schweine Weitere Betriebszweige: Direktvermarktung von Fleisch und Früchten, Hofanlässe mit Catering Arbeitskräfte: Eltern in Teilzeit www.hofhorn.ch