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Warum der Biolandbau in Basel seit 50 Jahren besonders wichtig ist

In seiner Ausbildung zum Biolandwirt vor 50 Jahren war schon von den heute aktuellen Themen die Rede, erinnert sich Hans Häfelfinger. Bio gewann im Baselbiet rasch an Bedeutung – dank dem Ebenrain, wie der ehemalige Gesamtschulleiter erklärt.

Der Biolandwirt Hans Häfelfinger liess sich vor 50 Jahren am Ebenrain-Zentrum für Landwirtschaft, Natur und Ernährung ausbilden. Er erinnert sich, dass der damalige Vorsteher Otto Buess (1960–1984) schon dazumal von Humusaufbau, Bodengare, Gesundungsfrucht und Gründüngung sprach. «Er lehrte die Schüler genau das, was jetzt im Projekt Humusaufbau, welches von der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) finanziert wird, vorgeschlagen wird», sagt er. Damals seien nämlich die schädlichen Auswirkungen des Insektizids DDT sichtbar geworden; ein Insektensterben habe begonnen.

Bioweltverband gegründet

Im Jahr 1977 wurde am Ebenrain der Bioweltverband gegründet, es herrschte Aufbruchstimmung im Biolandbau. Leider habe sich dieser Tatendrang in den folgenden Jahren verflüchtigt; der Anteil der biologisch bewirtschafteten Fläche blieb bei zwölf Prozent. Gleichzeitig stieg jedoch der Einfluss von Grünen und Naturschutz-Interessen, so dass laufend neue ökologische Massnahmen eingeführt wurden. Hans Häfelfinger erwähnt als Beispiel die Beiträge für Hochstammbäume, deren Früchte nicht geerntet werden und absterben. Ein anderes Beispiel seien die Wirtschaftsförderungsmassnahmen, wo namhafte Summen an einzelne Projekte bezahlt würden, wobei Kleinbetriebe, die jetzt in der Corona-Krise besonders ums Überleben kämpften, leer ausgingen. Das alles müsse kontrolliert werden und habe zur Folge, dass die Zahl der Beschäftigten am Ebenrain und beim Bundesamt für Landwirtschaft zunehme, andererseits die Zahl der praktizierenden Landwirte, genau wie der Zusammenhalt unter ihnen, zurückgehe. Das Verhältnis stimme nicht mehr.

Neue Bäume gepflanzt

Otto Buess habe in weiser Voraussicht 1970 im Ebenrain, als erste landwirtschaftliche Schule schweizweit, die Ausbildung in Biolandwirtschaft eingeführt. Es wurde also einiges unternommen für die Biolandwirtschaft, die sich weiter ausbreitete, was der bäuerlichen und nichtbäuerlichen Bevölkerung zugutekomme. So hat jetzt auch Häfelfingers Sohn Niklaus mit seiner Familie den Hof übernommen und betreibt den Obst- und Ackerbau biologisch weiter: «Er hat kürzlich sogar neue schüttelbare ­Kirschen-Hochstammbäume gepflanzt, was mich als überzeugten Biolandwirt natürlich freut», hält sein Vater Hans Häfelfinger mit grosser Genugtuung fest.

«Ausbildung findet Beachtung»

Warum der Biolandbau in Basel seit 50 Jahren besonders wichtig ist

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Robert Wenger wurde 1973 als Leiter der Landwirtschaftlichen Berufsschule Ebenrain und 2000 als Gesamtschul­leiter gewählt. Er erläutert die Entwicklung des Biolandbaus in der Region Basel.

Weshalb erlangte der Biolandbau vor 50 Jahren im Baselbiet so rasch eine grössere Bedeutung?

Robert Wenger: Ausgelöst wurde dies durch die Umstellung des Gutsbetriebs Ebenrain auf biologischen Landbau. Dass erstmals ein Schulgutsbetrieb umgestellt wurde, fand schweizweit, ja europaweit, grosse Beachtung. Eine Diskussionswelle innerhalb und ausserhalb der Landwirtschaft war die Folge. Die Bioausbildung wurde anfangs, aufbauend auf der Landwirtschaftsschule, als Weiterbildung gesehen.

Ab wann bot das Ebenrain-Zentrum als erste landwirtschaftliche Schule in der Schweiz die Ausbildung für Landwirt/in EFZ in Spezialrichtung Biolandbau an?

Eine anerkannte Bioausbildung lag zuerst in weiter Ferne; am Ebenrain wurden parallel zum normalen Lehrplan auch Bioinhalte vermittelt. Alle Schüler und Schülerinnen sollten etwas über Biolandbau erfahren und selbst beurteilen können, ob das für sie ein Weg wäre. 1997 wurde mit dem FiBL zusammen erstmals ein «Lehrgang Biolandbau» mit kantonalem Ausweis durchgeführt und im Jahr 2000 erstmals die Ausbildung «Spezialrichtung Biolandbau EFZ» angeboten.

Nahm die nichtbäuerliche Bevölkerung diese neue Ausbildung damals überhaupt wahr?

Der Biolandbau auf dem Gutsbetrieb wurde mehr beachtet als die Ausbildung als solche. Allerdings deutete der hohe Anteil an nichtbäuerlichen Lernenden von über einem Drittel in den 80er-Jahren auf eine breitere Wahrnehmung hin. Das Interesse an der landwirtschaftlichen Ausbildung war gross, auch bei Berufsberatern.

Hat diese spezielle Ausbildung in den letzten Jahren zugenommen? Bieten auch andere landwirtschaftliche Schulen – ausser der expliziten Bioschule Schwand – diese Ausbildung an?

Durch die Zusammenarbeit der Landwirtschaftsschulen kann praktisch überall der Abschluss im Biolandbau erlangt werden. Das führt auch zu einer Zunahme dieser Abschlüssen.

Es gibt Stimmen, die sagen, die Produktion von Bio und Integrierte Produktion würden sich immer mehr gleichen. Sind Sie auch dieser Meinung?

Eine Annäherung hat sicher stattgefunden. Die Integrierte Produktion (IP) hat sich zwischen die konventionelle und die biologische Landwirtschaft geschoben. Beide Richtungen entwickeln sich laufend weiter. Dies und die zahlreichen Labels erschweren allerdings die Übersicht.

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