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Vereinigte Industrie- und Brennfruchtproduzenten: «Diese Solidarität ist sehr wichtig»

Mit der Bündelung des Angebots und gemeinsamen Verhandlungen sichern sich rund 20 Aargauer und Solothurner Produzenten gute Preise für Industrie- und Brennfrüchte.

In der Landwirtschaft fehlt es häufig an Solidarität. Wenigen Abnehmern gelingt es immer wieder, die Produzenten gegeneinander auszuspielen, und das hat direkte Auswirkungen auf den Preis. Ein Ausflug nach Hettenschwil AG zeigt, dass dies nicht so sein muss.

Drei Erntekolonnen

Hier empfängt uns Obstproduzent Ruedi Obrist im hofeigenen Restaurant Pöstli. Er berichtet zunächst erfreut über die aktuelle Kirschenernte. Diese falle voraussichtlich in etwa durchschnittlich aus. «Es herrschte wüchsiges Wetter und der Regen kam stets im richtigen Moment». Zudem hätten die Bäume weniger stark gerötelt als in anderen Jahren, darunter versteht man den Abwurf der Früchte, zwei bis drei Wochen vor der Ernte. Zudem sei auch der Kirschessigfliegenbefall bisher kein Problem.

Bekanntlich reicht eine gute Ernte aber noch nicht aus für einen guten finanziellen Ertrag, namentlich im eng-margigen Industriebereich. Und hier kommt Obrist nun auf die spezielle Organisationsform der regionalen Industrie- und Brennfrucht-Produzenten in einem Verein zu sprechen. Der Zusammenschluss hat 20 Mitglieder an drei Schwerpunkten: Rund um Hettenschwil, im Fricktal und im Solothurnischen. An allen drei Standorten verfügen die Produzenten gemeinsam über je eine Erntegarnitur, bestehend aus einem Schüttler und einem Aufsammelgerät, sowie einer Rupfi zum Entfernen der Stiele. Diese Gerätschaften sind im Eigentum des Vereins und werden von den Mitgliedern gemeinsam erneuert und abgeschrieben.

Preisausgleich hilft Verluste abfedern

Wenn eines der Mitglieder aus welchen Gründen auch immer eine Fehlernte zu verzeichnen hat, springen die Kollegen ein und helfen mittels Preisausgleich, den Verlust abzufedern. Mit diesem System fahre man sehr gut, sagt Vereinspräsident Obrist: «Es trifft immer einen, deshalb ist diese Solidarität sehr wichtig».

Gemeinsam treten die 20 Produzenten mit einer Fläche von knapp 20 ha Brenn- und Industriekirschen der Sorte Dollenseppler auch am Verhandlungstisch auf. Mit der grossen Menge, die sie bündeln, haben sie hier mehr Gewicht, wie Obrist betont. Einmal jährlich treffe man sich mit den je zwei Abnehmern für Brennfrüchte (Diwisa und Hummel) sowie Industriefrüchte (Ditzler und Rigichriesi) zur Festlegung der Preise.

Dieser sei Verhandlungssache, sagt Obrist und lacht verschmitzt. Dass er die genaue Höhe nicht preisgeben will, ist Teil des Geschäfts. Er betont, dass man gegenüber den Abnehmern mit offenen Karten spiele. «Wir zeigen ihnen ­detailliert auf, was unsere Produktionskosten sind». Diese Offenheit werde von der Industrie auch honoriert. «Vertrauen ist sehr wichtig», sagt Obrist.

Auch im Betrieb gemeinsam

Auch auf seinem Betrieb setzt Ruedi Obrist auf Zusammenarbeit. Die Kulturen bewirtschaftet er gemeinschaftlich mit seinem Kollegen Hansjörg Erne. Zusammen mit einem weiteren Kollegen betreiben sie auch die örtliche Erntekolonne und weitere Lohnarbeiten. Sie ergänzen sich gut: Erne ist auch Landmaschninenmechaniker und Tüftler, Obrist kümmert sich ums Spritzen und Personalmanagement. Ein weiteres seiner Fachgebiete ist die Erneuerung der Baumbestände, die sie vor rund 20 Jahren gesetzt haben. «Wir sind ein Dreamteam», rühmt Obrist die Zusammenarbeit.

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