Die Kolonnen der Traktoren und Lastwagen vor den Mostereien waren dieses Jahr kürzer als 2018. Kein Wunder, denn die Mostobsternte betrug heuer nur einen Bruchteil der Riesenernte des letzten Jahres, wie die nebenstehende Grafik zeigt.
Grosse Aufschnaufen
Entsprechend tiefer fallen die Rückbehalte aus, tiefer als sie die Mostobstbranche Mitte August anlässlich der Schätzung angedroht hatte. Damals schätzte der Schweizer Obstverband die Mostäpfelernte auf rund 79 000 t und die Ernte der Mostbirnen auf rund 7200 t. Bis zum 11. November 2019 wurden jedoch nur rund 52 00 t Mostäpfel (67% der Schätzung) und nur rund 5100 t Mostbirnen (71% der Schätzung) abgeliefert.

Nach der Riesen-Mostobsternte 2018 wurde heuer nur ein Bruchteil davon abgeliefert. (Quelle SOV)
Vorläufige Bilanz der Mostobsternte 2019
Zwar laufen die Mostereien noch und erst nächste Woche wird endgültig Bilanz gezogen. Weil die Ablieferungen bei den Mostbirnen fast abgeschlossen und bei den Mostäpfeln stark rückläufig sind, kann schon eine vorläufige Bilanz der Mostobsternte 2019 gezogen werden.
- Statt einem Rückbehalt von Fr. 10.50 je 100 kg Mostäpfel beträgt der Rückbehalt noch fünf Franken.
- Statt einem Rückbehalt von Fr. 4.50 je 100 kg Mostbirnen beträgt der Rückbehalt noch vier Franken.
- Für die Produzenten von Suisse-Garantie-Mostäpfeln gibt es netto noch 21 Franken abzüglich Fr. 1.- für Werbung/Fachorganisation.
- Für Suisse-Garantie-Spezial-Mostäpfel gibt es noch 28 Franken abzüglich Fr. 1.- für Werbung/Fachorganisation.
- Für Suisse-Garantie-Mostbirnen gibt es noch 19 Franken abzüglich Fr. 1.- für Werbung/Fachorganisation.
- Bio-Mostobst hat keinen Rückbehalt, sondern nur ein Abzug von Fr. 1.- für Werbung/Fachorganisation erhoben.
- Die Preise für Bio-Mostobst lauten: 33 Franken für gewöhnliche Mostäpfel, 39 Franken für Spezial-Mostäpfel und 28 Franken für Mostbirnen, jeweils je 100 Kilo.
Ernte zu hoch eingeschätzt
Die Gründe dafür, dass die Ablieferungen an die Mostereien viel tiefer sind als ursprünglich geschätzt, liegen in zu hohen Schätzungen und auch darin, dass mehr Mostobst in kleinere Mostereien geliefert wurde, die statistisch nicht erfasst werden. Sicher hatten die angekündigten sehr hohen Rückbehalte von Fr. 10.50 je 100 kg Mostäpfel und Fr. 4.50 für Mostbirnen den Effekt, dass viel Mostobst von Hochstammbäumen erst gar nicht geerntet wurde und folglich auf dem Boden verfaulte oder vom weidenden Vieh gefressen wurde.
Es harzt beim Tafelobst
Laut dem Schweizer Obstverband harzte es im Herbst beim Absatz der Tafeläpfel. Im Oktober wurden 12 47 t Tafeläpfel verkauft. Das sind 866 t weniger als im Oktober 2018. Die Menge von 12 47 t Tafeläpfel liegt auch um 2108 t tiefer als der 5-Jahresdurchschnitt. Auch bei den Birnenverkäufen verliefen die Oktober-Verkäufe tiefer. Mit 3869 t wurden 119 t weniger Birnen verkauft als im Oktober 2018. Gefragter als im Vorjahr war die Sorte Kaiser Alexander, weniger gefragt waren die Conférence.
Damit die Schweiz mit genügend Mostobst bis zur neuen Ernte versorgt wird, braucht es laut den Berechnungen des Schweizer Obstverbandes (SOV) jährlich rund 75 000 t Mostäpfel und rund 8000 t Mostbirnen. Die diesjährige Mostobsternte von rund 53 000 t Mostäpfel und 5100 t Mostbirnen wäre zwar für sich allein zu tief für die Versorgung der Schweiz. Weil aber 2018 infolge der damaligen Riesenernte zusätzliche Reserven an Apfel- und Birnensaft-Konzentraten angelegt wurden für Jahre mit kleinen Ernten, ist die diesjährige Mostobsternte sogar mehr als gross genug. Das ist der Grund, weshalb es trotz der normalen Ernte Rückbehalte gibt.
Konzentrat für das Ausland
Laut «Wochenbericht Nr. 9» des SOV zur Mostobsternte beträgt der Versorgungsstand per Mitte November stolze 177% bei den Mostäpfeln und 190% bei den Mostbirnen. Das heisst, es wird auch 2020 Konzentrat aus Apfel- und Birnensaft mit Verlusten exportiert, die mit den Rückbehalten finanziert werden.

