Die schönen Herbstsonntage nutzen die noch wenigen Schaffhauser Kartoffelproduzenten dazu, die letzten Knollen des diesjährigen Anbaus zu ernten. So auch Christian und Andrea Müller auf dem Hof Unterbuck. Sie bauen rund 25 ha Kartoffeln an, was rund ein Achtel der gesamten Schaffhauser Kartoffelfläche ist. Der Betrieb setzt auf Pflanz-, Speise- und Verarbeitungskartoffeln.
Markies, Agria und mehr
Müllers bauen Markies, Agria, die mehlkochende Speisesorte Belmonda sowie die festkochende Venezia an. Im Pflanzkartoffelanbau vermehren sie Agria und Venezia.
Auf dem über 6 ha grossen Kartoffelfeld südöstlich von Dörflingen sitzt Christian Müller im Traktor, der den zweireihigen Kartoffelvollernter zieht. Mit einer Hand am Joystick steuert er den exakten Einzug der beiden Furchen. Immer wieder wirft er auch einen Blick auf den Bildschirm, welcher das Siebband auf dem Vollernter zeigt. Darauf stehen vier Personen, welche auf dem grossen Siebband die gegrabenen Kartoffeln sortieren. Plötzlich ist ein Piepston in der Kabine zu hören. Auf dem Siebband waren zu viele Erdschollen und Steine gelandet. Gleichzeitig stoppt auch das Band auf dem Vollernter.
Müller hält an, damit das Team auf der Maschine das Band abräumen kann. Dann geht es im zügigen Tempo weiter. Die aussortierten Abgangskartoffeln werden in einem zweiten Bunker auf der Maschine gesammelt. Auf der Maschine ist aber einzig eine Kalibrierung nicht möglich, so dass auch zu kleine Kartoffeln auf das Band kommen.
«Je nach Qualität verfüttern wir laufend die auf der Maschine aussortierten Kartoffeln unseren Mastmunis oder sie landen in der eigenen Biogasanlage», sagt Müller und steuert am Strassenrand den Anhängerzug an, um nun den vollen Bunker mit der gegrabenen Ware auf die Anhänger zu überladen.
Zusammenarbeit mit Landi
Längst sind auch bei Müllers die traditionellen 50-kg-Kartoffelsäcke auf dem Feld verschwunden. Bei einer Ernteleistung von teilweise über 1 ha Kartoffeln pro Tag wäre dies ein Ding der Unmöglichkeit. Auch Paloxen und Grosskisten kommen immer weniger zum Einsatz. Ein Grossteil der Ernte wird direkt lose auf die Anhängerzüge geladen und abgeliefert. Dafür arbeitet Christian Müller eng mit der Landi Weinland in Marthalen zusammen. «Wir liefern zweimal täglich einen Anhängerzug Markies für die Frites-Produktion, welche im grossen Loselager für die Migros zwischengelagert wird», erklärt Müller.
«Bei den Pflanzkartoffeln arbeiten wir mit der Vermehrungsorganisation Ost zusammen, die in Marthalen bei der Fenaco über die Technologie für das Erlesen und Kalibrieren verfügt», erklärt Müller.
Fast 25 t für Direktverkauf
Christian Müllers Eltern Kurt und Bea haben in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich einen Direktverkauf aufgezogen. «20 bis 25 t Kartoffeln gehen in diesen Kanal, grösstenteils in kleinen Säcken à 2,5 oder 5 kg», fügt Christian Müller hinzu.

