Helvetia Versicherung pflanzt 10'000 Schutzbäume

In Werdenberg und dem St. Galler Rheintal wurde kürzlich das 20. Schutzwald-Projekt der Schweiz lanciert. Die Erhaltung des Schutzwaldes birgt jedoch einige Herausforderungen, wissen die verantwortlichen Förster.

In den letzten zehn Jahren wurden in der Schweiz von der Helvetia Versicherung, zusammen mit Förstern, für den Schutzwald 240'000 Bäume gepflanzt. Nun kommen im Kanton St. Gallen weitere 10'000 Bäume an insgesamt zwölf Standorten in den Regionen Werdenberg und Rheintal dazu. Am 27. August wurde der Auftakt zur Pflanzaktion beim Berggasthaus Malbun am Buchserberg gefeiert.

60 Prozent des Gebietes sind Schutzwald

Das Engagement der Helvetia Versicherung für die Waldregion 2 des Kantons St. Gallen ist sehr wichtig. Von den 10'400 ha Waldflächen sind 60 Prozent als Schutzwald ausgeschieden. Dieser leistet einen unersetzlichen Beitrag zum Schutz der Siedlungen. Aus diesem Grund markierten Kantonsoberförster August Ammann, Regionalförster Philipp Näf und Regierungsrat Beat Tinner grosse Anerkennung gegenüber der Helvetia.

Tinner freute sich, dass sich die Helvetia Versicherung in diesem Jahr für das Rheintal und Werdenberg entschieden hat. «Ich bin gerne bereit, in meiner politischen Arbeit als Regierungsrat und heute auch ganz persönlich mitzuhelfen, dass uns der Schutzwald erhalten bleibt,» sagte Tinner. Das Volkswirtschaftsdepartement hat in diesem Zusammenhang das Budget bereits um 800'000 Franken aufgestockt. Tinner betonte, dass der Wald auf ganz natürliche Weise eine Schutzfunktion wahrnehme, «und zwar besser und günstiger als jede technische Verbauung».

Hohe Rotwildbestände machen den Bäumen zu schaffen

Obwohl grosse Teile der Waldflächen gut erschlossen sind, gibt es da und dort Herausforderungen. Im Gebiet von Thal bis Altstätten gibt es wilde Bachtobel auf die ein Augenmerk gelegt werden muss. Landaufwärts, in den Gemeinden Rüthi und Sennwald, prägt das steile Gelände die forstlichen Tätigkeiten. Von Gams bis Wartau verhindern die hohen Rotwildbestände eine optimale Verjüngungsgunst und somit das Aufkommen diverser, zukunftsgerichteter Pflanzenbestände, wie Philipp Näf in einem Bericht zum Helvetia Schutzwald-Engagement festhielt. Zudem gefährden in dieser Region tiefgründige Rutschungen die unterliegenden Siedlungen. Deshalb fordert das Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen für die am 15. August eröffnete Jagdsaison eine weitere Erhöhung der Abschussquote beim Rotwild.

Förster müssen 100 Jahre vorausdenken

20 Prozent der Waldfläche der Waldregion 2 sind «naturfern» bestockt, gibt Philipp Näf zu bedenken. Vor allem Fichtenpflanzungen in tiefen Lagen kommen bereits heute unter Druck. «Mit fortschreitender Klimaerwärmung wird ein Teil der Bestände verhältnismässig plötzlich verschwinden.» Auf solche Gebiete gilt es höchste Aufmerksamkeit zu legen. «Wenn wir in die Zukunft schauen, müssen wir Förster 80 oder gar 100 Jahre vorausdenken, wie sich der Wechsel der Baumarten in unseren Wäldern entwickeln wird», sagte Näf.

Zur Aufstockung junger Bäume sollten laut Näf keine ausländischen Arten eingesetzt werden. «Dazu fehlen Erfahrungen über das Verhalten fremder Pflanzen hier in der Schweizer Bergwelt.» Das sei wohl die grösste Herausforderung, um den Schutzwald auch in den nächsten 80 bis 100 Jahren zu erhalten, um die Bevölkerung schützen zu können.

Waldverjüngung hat Priorität

Eines scheint allerdings schon jetzt klar zu sein: In Zukunft wird es in vielen Schutzwäldern vermehrt Laubbäume geben – insbesondere in tieferen Lagen. Anhand vorgesehener Pflanzungen und langfristigem Ziel werden Baumarten eingebracht, die sich im Wald etablieren werden. Im Bericht von Philipp Näf und Andreas Hefti, Projektverfasser Waldregion 2, werden in Zukunft vermehrt Traubeneichen, Kirschbäume, Spitzahorn, Bergahorn und Weiden in den Wäldern anzutreffen sein.

Für die beiden Autoren des Berichts zum Helvetia Schutzwald-Engagement im Kanton St. Gallen ist klar: Wo immer die Schutzwald-Ziele mit Naturverjüngung erreicht werden können, wird nicht gepflanzt. Die Pflanzung dient je nach Situation als Starthilfe oder unterstützt das Einbringen von zukunftsträchtigen Baumarten, welche die Diversität unsicherer Klimaentwicklung positiv beeinflussen. Und genau deswegen kommt dem St. Galler Forstamt das Engagement der Helvetia zur Verjüngung der Schutzwälder entlang des Rheins entgegen.

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