Seit vergangener Woche hat der Winter auch in den Talregionen Einzug gehalten. Besonders in der Ostschweiz fielen innerhalb von sechs Tagen verbreitet zwischen 40 und 60 cm Neuschnee, berichtet Meteo Schweiz auf Anfrage (siehe Kasten). Abgebrochene Äste und entwurzelte Bäume, die unter der Schneelast nachgeben, prägen das Landschaftsbild. Die Zentral- und Nordwestschweiz blieben von vergleichbaren Schneemengen verschont.
Schneefall in der Schweiz
Das ganze Schneefallereignis erstreckte sich vom 12. bis am 18. Januar 2021.
Vom 12. auf den 13. :
Im Flachland der Alpennordseite zwischen 2 und 10 cm Neuschnee, in tiefen Lagen des Wallis 20 bis 30 cm, im Churer Rheintal um 20 cm.
Am 13. : Schneefall nur in höheren Lagen und in den Tälern der Ostschweiz, besonders kräftig im Churer Rheintal. Im Flachland fiel meist Regen.
Vom 14. auf den 15. : Grosse Neuschneemengen in der Ostschweiz bis etwa zu einer Linie Basel-Luzern. Im Flachland der Westschweiz blieb es beim Regen.
Am Morgen des 16. .: Etwas Neuschnee in der Region Bern.
Auf den 17. : Fast überall. einige Zentimeter Schneefall
Auf den 18. .: Nur noch lokal bis in tiefe Lagen etwas Schnee. Am östlichen Alpennordhang gab es nochmals 20 bis 40 cm.
Neuschneesumme vom 12. bis 18. Januar:
- In den tiefen Lagen der Ostschweiz verbreitet zwischen 40 und 60 cm.
- Im zentralen Mittelland 20 bis 40 cm Schnee.
- In der Region Bern 10 bis 20 cm.
- Richtung Genfersee in tiefen Lagen meist unter 10 cm.
- Region Landquart-Chur 90 bis 100 cm.
- Im St. Galler Rheintal über 70 cm.
- Im vorderen Glarnerland knapp 80 cm.
- In den tiefen Lagen des Wallis 30 bis 40 cm.
Meteo Schweiz
Im Obstbau kann der viele Schnee vor allem bei Hochstamm-Obstbäumen und Tunnelsystemen zum Problem werden. «40 cm Schnee können auf einen Quadratmeter 80 kg geben. Wenn es darauf regnet, wird die Last teilweise noch schwerer», weiss Hagen Thoss, Obstbau-Berater vom Strickhof ZH. Weniger stark betroffen sind Niederstammobstanlagen bei optimaler Kulturführung und guter Pflege der Gerüste und Schutzsysteme.
Tunnelsysteme müssen freigeschaufelt werden
In der Obstanlage von Thomas Oswald in Rüti ZH stapelt sich der Schnee bereits 2,5 Meter hoch am Folientunnel, wo er Erdbeeren kultiviert. «Der Schnee ist vom Dach abgerutscht und jetzt türmt er sich an den Seiten. Deshalb haben wir begonnen, den Schnee wegzuschaufeln», erzählt er. Bleibt er liegen, besteht die Gefahr, dass die Seiten angedrückt und die darin wachsenden Erdbeer-Kulturen geschädigt werden. Vor allem im gefrorenen Zustand erhöht sich die Schneelast. Für den Obstbauer ist die diesjährige Schneemenge eine Seltenheit: «Bisher hatten wir nie so viel Schnee, vor allem nicht auf einmal», sagt er. Im letzten Jahr hatte es bei ihm gar nicht geschneit.
In «Netzsäcken» sammelt sich der Schnee
Zudem wachsen bei Oswald auf 4,5 Hektaren etwa 8400 Apfel-, Birnen-, Kirschen-, Zwetschgen- und Pfirsichbäume in einer Niederstamm-Obstanlage. Dort ist der Schnee bisher kein Problem – solange die Hagelnetze akkurat eingerollt sind. Dies bestätigt auch Hagen Thoss. «Sind diese aber geöffnet, kann das Drahtgerüst durch die Schneelast nachgeben und die Bäume schädigen», weiss der Berater. Im geschlossenen Zustand können sogenannte «Säcke» des Hagelnetzes zum Problem werden. Dies passiert, wenn die Netze am Reihenende oder am First nicht richtig verschnürt sind. «Dort sammelt sich der Schnee an. Das Gerüst kann dadurch in die Schräglage kommen und Jungtriebe von Bäumen, die sich darunter befinden, schädigen», ergänzt Isabel Mühlenz vom Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung Hohenrain LU.

Werden Hagelnetze nicht akkurat verschnürt, kann sich der Schnee ansammeln und sogenannte «Säcke» bilden. (Bild Hagen Thoss)

Der Schnee in solchen Säcken kann auf die Jungtriebe von Niederstamm-Obstbäumen drücken und diese schädigen. (Bild ke)
Ertragsminderungen sind möglich
Astbruch durch schwere Schneemassen ist momentan vor allem bei Hochstamm-Obstbäumen zu beobachten. «In Abhängigkeit des Pflegezustandes und des Alters der Bäume können zum Beispiel morsche Äste der Schneelast nachgeben», berichtet Isabel Mühlenz, was häufig auch bei Stürmen der Fall ist. Hat dies einen Einfluss auf den folgenden Ertrag? Ja, betont Mühlenz. «Wenn bei Bäumen in der Ertragsphase grössere Astelemente mit gutem Blütenbesatz wegfallen, kann dies durchaus den Ertrag mindern.» Keinen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit haben ältere Bäume in der Abgangsphase, der letzten Altersphase eines Obstbaumes – diese ist gekennzeichnet durch Herabsacken der Äste, Verkahlung und Fruchtbildung nur noch im äussersten Kronenbereich.
Kälte hat auch ihren Vorteil – sie reduziert Schädlinge
Den Schnee von den Ästen abschütteln oder ausladende Äste mit Stangen stützen, wird momentan schwierig sein, weiss Hagen Thoss. «Entweder fehlt einem die Zeit oder der Weg ist durch die vielen Schneemassen zu den Bäumen versperrt.» Doch ist der aktuellen Situation auch etwas Positives zu entnehmen: «Herrschen kalte Temperaturen über längere Zeit, wird es ein Teil der Schädlinge nicht über den Winter schaffen», beobachtet David Szalatnay, ebenfalls Be-rater am Strickhof.
Bisher sind in der Zentralschweiz, im Kanton Bern sowie in der Ostschweiz noch keine Meldungen über Schäden bei den kantonalen Obstbau-Beratern eingegangen. Meteo Schweiz erwartet voraussichtlich am Sonntag wieder Schneefälle bis in die Niederungen.

Morsche Äste von Hochstamm-Obstbäumen können durch schwere Schneemassen abbrechen. (Bild Hagen Thoss)

