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Getreide: Jetzt Bilanz ziehen

Kurz vor der Getreideernte ist es an der Zeit, die getätigten Kulturmassnahmen zu überprüfen und die Schlussfolgerungen zu ziehen.

Gerade in der Gerste können aktuell verschiedene Beobachtungen gemacht werden. Dazu gehören beispielsweise Bestände, die bereits früh lagern, weil die Düngergaben nicht an das Anbauverfahren angemessen waren oder weil die Wachstumsregulatoren in diesem Frühling nur mässig wirkten. Es lassen sich auch der Krankheitsbefall, die Fungizidstrategie und die Ährenausfüllung überprüfen.

Saat im Herbst

Nach der Einschätzung des Bestandes lassen sich im Hinblick auf die Saat im Herbst der Saatzeitpunkt, die Bodenbearbeitung und allenfalls auch die Saatstärke und Sortenwahl anpassen. Gerade im letzten Jahr konnte bei der Gerste die Übertragung des Gelbverzwergungsvirus bei Frühsaaten beobachtet werden, was durch den Wegfall der Neonicotinoid-Beizung in Zukunft vermehrt auftreten wird. Haben die Herbizide nur mässig gewirkt, kann der Grund dafür eine Resistenzbildung sein. Um dem vorzubeugen, ist allenfalls ein Wechsel der Wirkstoffgruppen vorzunehmen oder die Fruchtfolge anzupassen.

Fusarien beim Winterweizen

Im Winterweizen konnte bereits Fusarienbefall beobachtet werden. Momentan sind Symptome auf den Blättern sichtbar, was darauf hindeutet, dass die Pilzsporen in den Beständen vorhanden sind und dass eine Ansteckung der Ähre während der nass-feuchten Witterung in der Blütezeit wahrscheinlich ist. Sobald die Ernte ansteht, ist eine erneute Kontrolle notwendig, um den Fusarienbefall auf der Ähre abzuschätzen. Risikoparzellen, welche Mais als Vorfrucht hatten und wo die Aussaat nach einer reduzierten Bodenbearbeitung erfolgte, sollten besondere Beachtung erhalten. Bestätigt sich der Verdacht auf Fusarium kann bei der Getreideannahme ein Schnelltest durchgeführt werden, damit über die weitere Verwendung des Weizens Klarheit herrscht.

Was kommt danach?

Nach der Ernte steht die Ansaat der Kunstwiesenmischungen an. Gerade Ansaaten nach Gerste stellen oft ein hohes Risiko dar. In den vergangenen Jahren sind viele Ansaaten misslungen. Nach der Gerstenernte Anfang/Mitte Juli sind die Neuansaaten oft hohen Temperaturen und anhaltender Trockenheit ausgesetzt. Damit bei der Bodenbearbeitung nicht zu viel Wasser verdunstet, ist die Bearbeitungstiefe möglichst flach zu wählen (3 bis 4 cm). Dies hat den Vorteil, dass die Kapillaren im Boden unterbrochen werden, das Wasser nicht an die Oberfläche aufsteigt und im Anschluss verdunstet. Somit gelingt es, auch das Ausfallgetreide zum Keimen anzuregen, welches bei einem zweiten Durchgang vor der Ansaat der Kunstwiese vernichtet werden kann. Handelt es sich um eine längerdauernde Mischung, ist der Saatzeitpunkt in eine Zeit mit tieferen Temperaturen und regelmässigeren Niederschlägen ab Mitte August zu verlegen. Bei diesen Mischungen ist ein Auflaufen aller Pflanzenarten wichtiger als die Nutzung im Herbst. Bei trockenen Bedingungen können Drillsaaten bessere Erfolge erzielen als Saaten mit einer Säwalze. Es sind aber die Ansprüche der ausgesäten Pflanzen zu berücksichtigen.

Bessere Erfolge

Insbesondere Kleearten und die Wiesenrispe laufen bei Drillsaaten schlechter auf als bei oberflächlichen Saaten. Damit genügend Bodenschluss hergestellt werden kann, ist ein abgesetztes Saatbett ein wichtiger Schlüsselfaktor. Durch ein Walzen nach der Saat kann der gelockerte Boden mit den Kapillaren verbunden werden, wodurch der Wassertransport an die Oberfläche hergestellt wird und die Samen keimen können.