Der Falsche Mehltau hat in diesem Jahr viele Rebbauern in unterschiedlicher Härte getroffen. Während einige noch fast eine normale Ernte erwarten, müssen andere einen Totalausfall verzeichnen. Die Stähler Suisse SA betreut seit Jahren kleinere Versuchsanlagen in verschiedenen Reblagen im Klettgau. Eine dieser Versuchsanlagen mit Blauburgunder liegt an der Wunderklingerstrasse in Hallau SH, wo mit Spritzversuchen neue Pflanzenschutzmittel und andere Kombinationen zur Bekämpfung des Falschen Mehltaus testweise eingesetzt werden.
Desaster in der Blütezeit
Die diesjährige Entwicklung des Falschen Mehltaus im Weinbau rückte nun diese Versuchsparzelle mit ihren ersten sichtbaren Ergebnissen ins Zentrum. Am Montagabend folgten über 100 Rebleute aus der Ostschweiz einer Einladung, um sich ein Bild der Versuche zu machen und zugleich auch erste eigene Schlussfolgerungen ziehen zu können. Gastgeber Hansueli Graf erinnerte einleitend an die aussergewöhnlichen Witterungsverhältnisse, welche ab Mitte Juni mit heissem Sommerwetter zum Desaster – insbesondere während der dreiwöchigen Blütezeit – geführt hatten.
Bereits der Kleinparzellenversuch in Hallau liefert durchaus markante und interessante Ergebnisse. «Wir haben im Versuch ab dem 28. Mai zehn Behandlungen durchgeführt», hielt Thomas Steiner fest, der den Versuch betreut. Dabei wurden bereits zugelassene oder neue, in der Testphase steckende Pflanzen-schutzmittel in verschiedenen Kombinationen eingesetzt. Bei der dritten Applikation stellte Steiner am 21. Juni erste Ölflecken auf Blättern fest, wobei auch bereits erste Trauben befallen waren. In der Kombination von warmen Nächten und extrem hohen Niederschlagsmengen ging es dann sehr schnell und Infektionen waren teilweise kaum mehr zu stoppen.
Normalernte vs. Totalausfall
Jetzt, in der Reifephase der Trauben, zeigen sich die massiven Unterschiede. In der Nullparzelle sind keine Trauben zu finden und auch das Laub hat massiv gelitten. Doch dann öffnet sich eine breite Schere: Einige Kombinationen oder neue Mittel zeigen vielversprechende Ergebnisse, die fast eine Normalernte ermöglichen. Bei anderen zeigen sich massive Schäden. Daraus lässt sich ein erstes Fazit ziehen, dass der Schutz der Reben im konventionellen Anbau auch sehr stark von den eingesetzten Wirkstoffen abhängt. Der zweite Teil in Oberhallau ermöglichte eine erste zusammengetragene Zwischenbilanz, die auch die in der Versuchsparzelle festgestellten grossen Unterschiede bestätigte. Rund die Hälfte aller Teilnehmerinnen erwartet eine halbe Ernte, einige wenige verzeichnen einen Totalausfall und rund 40 Prozent mehr oder weniger einen Normalertrag.
Erfolg mit wenig Wasser
Beim Pflanzenschutz setzten fast alle auf Gebläsespritzen. Bei den Wasser-Aufwandmengen zeigt sich ein sehr breites Bild. Viele haben erfolgreich mit wenig Wasser ab 150 bis 500 l/ha den Falschen Mehltau in Schach halten können. Zugleich bekundeten andere trotz höherer Mengen beachtliche Schwierigkeiten und verzeichneten einen starken Befall.
«Warme Nächte und viel Niederschlag begünstigen die Infektion.»
Bei der Wirkstoffwahl setzte der Grossteil auf teilsystemische Mittel. Einige führten den Pflanzenschutz nur mit Kontaktmitteln aus und müssen nun teilweise gar Totalausfälle feststellen. Bei den Behandlungsintervallen fuhr eine grosse Mehrheit alle fünf bis zehn Tage. Aufgrund der Daten zeigte sich, dass hier nicht nur der Abstand, sondern vor allem der richtige Zeitpunkt bei entsprechend idealen Witterungsfenstern matchentscheidend war.

Eine der ersten Schlussfolgerungen zeigt auch frappanteUnterschiede bezüglich der Sorten. Entsprechend der Beurteilung der Rebbauern zeigt sich, dass der Riesling-Sylvaner eine mittlere bis hohe Anfälligkeit zeigt. Der Blauburgunder liegt im Mittelfeld, während die Spezialitäten die ganze Bandbreite abdecken.
Auch Piwi-Sorten betroffen
So zeigt beispielsweise der Räuschling eine gute Resistenz, der Merlot ist hingegen vielerorts oftmals in wenigen Tagen völlig eingebrochen. Der Hallauer Rebschulist Martin Auer stellte aufgrund der aktuellen Lage fest, dass es auch bei den Piwi-Sorten (pilzwiderstandsfähige Sorten) nebst vielversprechenden Bildern teilweise sehr unterschiedliche Resultate gibt, deren Resistenz gegen den Falschen Mehltau teilweise auch markant durchbrochen wurde.
Wirkstoffwahl ist zentral
In einem ersten gesamten Fazit zeigte sich, dass für viele die Wirkstoffwahl zentral war und die Intervalle eher eine untergeordnete Rolle einnahmen. Hansueli Graf hofft nun, dass der Bund möglichst rasch neue, in der diesjährig verzeichneten Testphase wirksame Wirkstoffe zulässt, damit man für eine mögliche nächste Welle gerüstet ist. Zugleich werden bereits in den nächsten Wochen die Daten der Prognosegeräte mit den effektiven Spritzplänen in Kombination mit den Schadbildern abgeglichen, um auch hier erste konkrete Schlussfolgerungen zu ziehen.

