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Bio Suisse sucht Umsteller

Bis 2027 werden rund 15'000 zusätzliche Hektaren gesucht, um die erhöhte Nachfrage an Bioprodukten zu decken. Darunter Mahlweizen, Speisehafer, Zuckerrüben, Körnerleguminosen, Raufutter, Futterweizen und Körnermais.

Der Biomarkt wächst ungebremst, stellt Fatos Brunner von Bio Suisse an der Bio-Ackerbautagung am FiBL fest. Dies auch wegen der steigenden Nachfrage nach Swissness im Detailhandel und in der Fütterung. Zudem würden neue Konsumtrends wie jene zur pflanzenbasierten Ernährung dazu führen, dass andere spezielle Kulturen gefragt sind wie beispielsweise Speisehafer.

Gute Nachfrage nach Haferprodukten

Dies bestätigt auch Melanie Rediger von Biofarm: Aufgrund der Nachfrage nach Haferdrinks und Haferflocken konnte die Speisehaferfläche von 500 ha (2021) auf 750 ha (2022) ausgedehnt werden. Seit vergangenem Jahr gibt es neu auch einen Richtpreis für diese Kultur. Dieser liegt bei Fr. 87.–/dt (HLG: mind. 54 kg/hl). Der Anbau von Speisehafer ist nur mit Abnahmevertrag möglich. Für die Ernte 2023 werde allerdings keine grosse Ausdehnung der Fläche angestrebt, da die Marktentwicklung, die abhängig vom Verkauf von Hafergetränken ist, erst noch abgewartet werden müsse.

Durch neue Konsumtrends steigt die Nachfrage nach Speisehafer, um daraus z. B. Haferdrinks herzustellen.
Durch neue Konsumtrends steigt die Nachfrage nach Speisehafer, um daraus z. B. Haferdrinks herzustellen.

Produzenten von Speisehafer könnten in Zukunft vor neuen Herausforderungen stehen, erwähnt Rediger: «Bisher gibt es keine Mykotoxin-Grenzwerte für diese Kultur. Die EU wird allerdings zukünftig Grenzwerte definieren, die auch für die Schweiz geltend gemacht werden.»

Mahlweizen als Umstellware

Gefragt ist auch Umstellweizen. Mitte letzten Jahres hat die Migros bekannt gegeben, dass das Migros-Unternehmen Jowa AG in Zukunft Brote aus Bio-Umstellweizen herstellen wird (wir berichteten). Das Angebot reiche für die steigende Nachfrage nicht aus, so die Migros damals in ihrer Mitteilung. Umstellbetriebe sind gemäss Fatos Brunner weiterhin gesucht.

Am dringendsten gesucht sind derzeit:

  • Mahlweizen
  • Zuckerrüben
  • Sämtliche Körnerleguminosen zu Futterzwecken
  • Raufutter
  • Futterweizen
  • Körnermais

Nach der Umstellung sind folgende Kulturen gesucht:

  • Mahlweizen
  • Ölsaaten: v. a. Sonnenblumen, Raps und Leinen
  • Speisehafer und Dinkel – je nach Marktentwicklung
  • Speiseleguminosen

Der Marktpreis für Umstellweizen liegt derzeit zwischen Fr. 101.– und Fr. 102.–/dt. Für Umstellware Brotgetreide gibt es ausser für Mahlweizen derzeit keinen Markt. Der Anbau von Umstell-Mahlweizen sei deshalb nur mit einem Abnahmevertrag möglich. Abnehmer wären die Mühle Rytz AG, Fenaco, Biofarm oder die Mühle Mühlebach AG.

Für Futtergetreide in Umstellung gelten auch Knospe-Richtpreise, solange es keine eingeschränkte Vermarktung gibt – d. h., wenn ein Teil der Umstellmenge nicht im Biokanal verwertet werden kann. Dies sei lediglich eine Massnahme zum Schutze der Inlandproduktion und sei gemäss Brunner bisher noch nie der Fall gewesen.

Fruchtfolge für Umsteller

Damit bei keiner Kultur strukturelle Überschussmengen entstehen, helfen eine angepasste Frucht­folge und Alternativen zum Futtergetreide. Für die Umstellbetriebe empfiehlt Bio Suisse folgende Fruchtfolge: - 40 % Mahlweizen - 20 % Körnerleguminosen für Futterzwecke - 20 % Kunstwiese - 20 % Körner- und Silomais oder Zuckerrüben.

Ziele sind schwer zu erreichen

Stark gesucht sind auch Raps- und Sonnenblumenproduzenten. Raps gilt nach wie vor als Risikokultur, weshalb der Anbau bei Produzenten bisher nicht so gefragt ist.

Für 2023 werden über 1100 HO-Sonnenblumen gesucht – ein Ziel, das gemäss den Abnehmern Fenaco, Biofarm und Mühle Lehmann nicht einfach zu erreichen ist. Die Nachfrage nach klassischen Lino-Sonnenblumen ist ebenfalls gut bis leicht steigend. Biofarm sucht zudem neue Produzenten für Schälsonnenblumen. «Der Boom bei den Sonnenblumen ist für Bioproduzenten erfreulich, da die Kultur sich gut für den Bioanbau eignet», so Hans-Georg Kessler von Biofarm. Ein Vertrag mit einem der Abnehmer sei aber erforderlich.

500 ha Zuckerrüben gesucht

Auch Zuckerrüben sind weiterhin sehr gesucht. Seit 2018 war es das Ziel, 200 ha Ackerbaufläche zu erreichen, das entspricht einer Verarbeitungsmenge von etwa 12 000 t. Dieses Ziel wurde gemäss Fatos Brunner mehr oder weniger erreicht. Aktuell werden mindestens 500 ha gesucht, wie Milo Stöcklin von der Schweizer Zucker AG mitteilt – nötig wären 1000 bis 1500 ha. Der Richtpreis wurde für 2023 um Fr. 8.– auf Fr. 167.–/t erhöht.

Gesuchte Biokulturen

Gesuchte Biokulturen mit Produzenten-Markt­preisen: - Umstellweizen (Fr. 101.– bis 102.–/dt) - Speisehafer (Fr. 87.–/dt –­ Richtpreis Ernte 2022) - Zuckerrüben (Fr. 167.–/t – Richtpreis Ernte 2023) - Raps (Fr. 213.–/dt) - HO-Sonnenblumen (Fr. 157.–/dt) - Schälsonnenblumen (Fr. 175.–/dt) - Lein (Fr. 300.–/dt) - Hirse (Fr. 160.–/dt) - Emmer (Fr. 165.–/dt) - Einkorn (Fr. 170.–/dt) - Senf (Fr. 500.–/dt Gelbsenf; Fr. 700.–/dt Braunsenf) - Linsen (Fr. 480.–/dt) - Kichererbsen (Fr. 600.–/dt) - Buschbohnen (Fr. 600.–/dt) Keine weiteren Produzenten gesucht für: - Hartweizen/Durum - Speisesoja - Hanf.

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