ABO

Beerenanbau: Suche nach der optimalen Rutenzahl

In Güttingen TG laufen Versuche mit unterschiedlichem Ruten-Management in den Himbeeren.

Am Beerihöck von letzter Woche erhielten die Beerenproduzenten Informationen über die Versuchsresultate mit neuen Sorten. Besonders spannend war die Präsentation der Himbeerversuche. In Güttingen untersuchen das BBZ Arenenberg zusammen mit der Forschungsanstalt Agroscope und weiteren Partnern, welchen Einfluss die Reduktion der Seitentriebe auf den Ertrag, die Pflückleistung und die Fruchtgrösse hat.

Bis jetzt kaum Unterschiede

Versuche in Frankreich haben gezeigt, dass durch das Ausbrechen der Seitentriebe eine deutliche Ertragssteigerung bei gleichzeitiger Erhöhung der Pflückleistung möglich ist. In der Versuchsanlage in Güttingen wurden 2017 auf einer Fläche von 8 Aren Himbeeren der Sorte Tulameen in 10-Liter-Substrattöpfe gepflanzt. Getestet wurden folgende Verfahren:

  • Kürzen: Kürzung der Ruten von oben um 20 respektive 40 cm, 1,5 Meter ab Topfoberkante; 13 bis 17 Laterale.
  • Wegputzen: Entfernen der Lateralen von Topfoberkante bis 20 resp. 40 cm Höhe; 19 bis 20 Laterale.
  • Ausbrechen: 50 Prozent der Lateralen wurden entfernt.
  • Kontrolle: Kontrollverfahren mit 20 bis 24 Lateralen.

Carole Werdenberger, BBZ Arenenberg, präsentierte die Versuchsresultate vom letzten Jahr. Demnach gab es beim Verfahren "Kürzen" keinen Rückgang bei der Anzahl Früchte. Das Kürzen der Ruten oder das Ausbrechen der Lateralen unten hatte keine Ertragsreduktion zur Folge. Bei den Varianten "Ausbrechen" und "Kürzen" waren die Fruchtgewichte zu Beginn der Ernte höher. "Die Unterschiede waren Anfang Saison deutlich grösser als gegen Ende der Saison. Insgesamt gab es aber keine wesentlichen Unterschiede", kommt Werdenberger zum Schluss. Spannend ist, dass mit dem Kappen oben der Ertrag auf eine ideale Höhe gebracht werden kann, was die Pflückleistung positiv beeinflusst. Der Versuch läuft auch dieses Jahr weiter.

Erdbeerernte staffeln

André Ançai, Agroscope, stellte die Resultate mit remontierenden Erdbeersorten vor. "Wir haben uns unter anderem die Frage gestellt, ob es möglich ist, die Erdbeeren im Gewächshaus so zu terminieren, dass die erste Ernte vor der Hauptsaison und die zweite Welle nach der Hauptsaison zu liegen kommt", sagte Ançai zur Ausgangslage. Der Veruch lief mit den vier Sorten Fiorentina, Murano, Amandine und Vivara.

Vielversprechend sind die Sorten Vivara und Murano. Vivara brachte den höchsten Ertrag (0,79 kg/Pflanze). Murano schnitt beim Geschmack der Früchte am besten ab. Diese Sorte präsentierte sich Ende Mai sehr wüchsig und hatte auffallend mehr Ausläufer als andere Sorten gebildet. "Im Doppelfoliengewächshaus kann mit remontierenden Erdbeeren der Anbau so geplant werden, dass die Erntespitze im Freiland umgangen werden kann", schlussfolgerte Ançai. Er empfiehlt, beim Anbau im Gewächshaus Schattennetze über den Pflanzen anzubringen. Damit wird der Fruchtgewichtsverlust minimiert und auch mit Milben habe man weniger Probleme.

Nur im Premiumsegment

Interessant waren die Gespräche unter den Produzenten. Ein Beerenproduzent aus dem Österreichischen Vorarlberg berichtete, dass er sich nur durch die Qualität von günstigeren Mitbewerbern abheben könne. Er beliefert Gastrobetriebe mit seinen Beeren und seit einiger Zeit auch Milchbetriebe, die seine Früchte für die Joghurtproduktion verwenden. Erntereif müssen die Beeren und Früchte geerntet werden, damit man den Unterschied auch schmeckt, ist er überzeugt. Damit könne er auch hohe Preise für seine Ware verlangen, eine Rechnung, die für ihn aufgeht. Etwas anders beurteilte das ein Schweizer Berufskollege. Wenn man für einen Grossverteiler produziere, sei es nicht möglich, die Ware reif zu liefern. Bis die Beeren beim Konsumenten seien, habe die Qualität bereits zu stark gelitten.

Bei der Heidelbeerdegustation herrschte Konsens darüber, dass das Auge beim Kauf mitentscheidet. Auch wenn die kleineren Beeren süsser schmecken, werden im Regal zuerst die grossen gekauft, so die Erfahrung.

Weiterlesen