«Ja, die gute Kartoffelernte 2020 macht Freude!», kommentiert Ruedi Fischer die reiche Ernte von 507 Kilo Kartoffeln je Are. Fischer ist Kartoffelbauer und Präsident der Vereinigung Schweizer Kartoffelproduzenten (VSKP). Es sei keine Jahrhunderternte, aber eine gute Ernte mit guter Qualität und nur punktuellen Übermengen, bilanziert er.
Fr. 1.35 weniger für 100 kg
Die Preise liegen leicht tiefer als letztes Jahr. So erhalten die Bauern für 100 Kilo der Sorte Agria Fr. 40.80, das sind Fr. 1.35 weniger als 2019. «Die Produzenten wissen, dass die Produzentenpreise systembedingt nach den Zahlen der Ertragserhebungen zustande kommen. Heuer sind die Preise wegen der guten Ernte leicht unter dem mittleren Preisband», weiss Ruedi Fischer, der bei den Preisverhandlungen dabei war.
Während des Lockdowns wurden die Lager der Frischkonsum-Kartoffeln regelrecht ausgeräumt. Wie ist aktuell die Nachfrage danach? «Ich höre, dass der Abverkauf beim Frischkonsum gut ist, wenn auch leicht reduziert verglichen mit dem Lockdown», weiss Fischer. Nebst anderem sei der Einkaufstourismus wieder da, das spüre man auch bei den Kartoffeln.
9500 Tonnen in Reserve
Während des Lockdowns wurden weniger Frites konsumiert, umso mehr liegen jetzt gefroren an Lager. Jetzt werden 9500 Tonnen «Garantielager» gebildet, für den Fall, dass die Nachfrage nach Frites und Chips anziehen wird. Braucht es diese Lager? Ruedi Fischer ist zuversichtlich. «In den letzten Wochen wurden viele Frites konsumiert, wir hoffen, dass das so weitergeht», und deshalb habe die Branche Garantielager beschlossen. Für diese Lager bezahlen die Kartoffelbauern, der Handel und die Verarbeitungsindustrie befristet auf ein Jahr zehn Rappen je 100 Kilo zusätzlich in den «Verwertungsfonds» ein. «Es wäre schade, jetzt qualitativ sehr gute Kartoffeln zu verfüttern, um im Frühjahr festzustellen, dass es Importe braucht», argumentiert Fischer. Sollte es aber wegen Corona wieder mehr Einschränkungen geben, werde es schwierig, fürchtet er.
Bauern stellen beim Ernten fest, dass Kartoffeln mit Drahtwurm-Frasslöcher und faule Knollen vorkommen. «Es werden mir zunehmend Drahtwurm geschädigte Kartoffelposten gemeldet», bestätigt Ruedi Fischer. «Wir werden die Schäden durch Drahtwürmer noch genauer eruieren», betont er.
Verluste wegen Drahtwurm
Noch seien nicht alle Kartoffeln geerntet, aber es werde zu weiteren Ausfällen kommen. «Die Drahtwurmproblematik wird eine der grössten Herausforderungen für den schweizerischen Kartoffelanbau sein!», betont Ruedi Fischer. Die faulen Kartoffeln seien eine Folge der Kraut-und Knollenfäule. «Mit den regelmässigen Regengüssen hatten wir zwar ein sehr wüchsiges Wetter, aber für den Pflanzenschutz war es sehr anspruchsvoll», weiss Fischer. Ohne synthetische Fungizide hätte er 2020 keine Kartoffeln anbauen wollen, betont er.
Der Keimhemmungswirkstoff Chlorpropham (CIPC) ist ab Oktober verboten. Macht das den Lagerhaltern Bauchweh? «Die Kartoffelbranche akzeptiert das Verbot von CIPC», bestätigt der VSKP-Präsident Ruedi Fischer. Die Lagerhalter testeten schon seit längerer Zeit Alternativprodukte, der Umgang damit sei nicht immer einfach und mit vielen Faktoren verbunden. Auch deshalb hätte man seit Ende Juli grosse Mengen Kartoffeln frisch verarbeitet. So gehe die Verarbeitungs- und Lagerdauer im Frühling weniger lange. Hans Rüssli
Daten über Preise und Mengen: www.kartoffel.ch Branche

