Nicht nur Rüebli, auch Aprikosen gedeihen im Kanton Aargau. Seit 15 Jahren produzieren Bauern hier die delikate Steinfrucht, derzeit auf knapp vier Hektaren, die Bandbreite reicht von Bio-Freiland bis zum Folientunnel. Vom LZ Liebegg aus fand am Montag eine Online-Aprikosenfachtagung mit internationaler Beteiligung statt. Daniel Schnegg, Liebegger Fachmann für Obstbau, moderierte den Anlass.
Welche Entwicklungen zeigten sich an der Tagung rund um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln?
Daniel Schnegg: Forschung und Produzenten befassen sich intensiv mit Alternativen, der Anbau entwickelt sich klar in Richtung reduziertem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM). Nützlinge werden eingesetzt und Verwirrtechniken angewendet. Erfahrungsberichte zeigen, dass dabei das Überwachen der Kulturen das A und O ist. Ebenso die Wahl von robusten Sorten. In Bezug auf Pflanzengesundheit, Witterungsschutz und Marktsicherheit ist der Folientunnel die wirksamste vorbeugende Massnahme.
«Überwachung der Kulturen ist das A und O.»
Daniel Schnegg, LZ Liebegg, Fachbereich Obstbau, LZ Liebegg Gränichen.
Folientunnel stossen bei Landschaftsschützern aber auf Widerstand.
Wer ein solches Projekt plant, muss die Zonenkonformität vorgängig genau abklären und genügend Zeit einplanen. Nicht nur für das Verfahren, sondern auch, um das passende Baummaterial zu bekommen. Zertifizierte, gesunde Pflanzen sind enorm wichtig.
Die Diskussion an der Tagung hat übrigens gezeigt, dass das Aroma der Aprikosen im Tunnel nicht anders ist als im Freiland, die Sorte hat einen viel grösseren Einfluss.
Sehen Sie Potenzial für Einsteiger in den Aprikosenanbau?
Derzeit gibt es rund 30 Aprikosenproduzenten im Aargau. Die Fläche nimmt leicht zu; mehrheitlich vergrössern Produzenten bestehende Anlagen, aber es gibt auch einige Neueinsteiger. Ein solcher plant derzeit eine 100-Meter-Tunnelanlage. Auch ins Freiland wird neu gepflanzt.
Mit robusten Sorten sehe ich grundsätzlich Potenzial. Der Aprikosenanbau lohnt sich für Direktvermarkter, für den Handel ist er kaum rentabel.
Was macht der Arbeitskreis Aprikosen vom LZ Liebegg?
Er ist ein hervorragendes Netzwerk mit überkantonaler Beteiligung. Hier treffen viel Wissen und Erfahrung aufeinander, von Praktikern und auch Vertretern von Schulen und Forschungsanstalten. Aktuell sind Anstrengungen für Projekte im Gang, wie beispielsweise Anpassungen an den Klimawandel und im Bereich ressourcenschonende Produktion.
Gerichtsfall Folientunnel
Sind Folientunnel in einer Landschaftsschutzzone zonenkonform? Diese Frage muss das Verwaltungsgericht klären, ein Entscheid ist Anfang Jahr zu erwarten. Dabei geht es konkret um die Folientunnel für Aprikosenbäume von Urs Baur und Robert Siegrist im Aargauer Seetal. Umweltschutzverbände hatten Einsprache gegen die Anlagen erhoben, weil sie in einer Landschaftsschutzzone stehen. «Die Hälfte der Landwirtschaftlichen Nutzfläche im Aargau liegt in Landschaftsschutzzonen», kommentiert Matthias Müller, Leiter von Landwirtschaft Aargau, auf Anfrage der BauernZeitung. «Ein Entscheid gegen die Tunnel hätte enorme Konsequenzen für die ganze Schweizer Landwirtschaft.»
Die Erfahrung von Praktikern
«Der Tunnel vereinfacht den Anbau von Aprikosen, aber er bleibt eine Herausforderung», so das Fazit von Urs Baur. Der Landwirt aus Egliswil, der Aargauer «Folientunnel-Pionier», erzählte an der Aprikosenfachtagung von seinen Erfahrungen.
«Pestizidfreier Anbau ist im Tunnel möglich.»
Urs Baur, Aprikosenproduzent aus Egliswil
Kaum noch PSM
Vor zwei Jahren hat Familie Baur die Anlage mit 300 Bäumen in zwei Folientunneln zu je 115 Metern erstellt. «Die Bäume sind das ganze Jahr witterungsgeschützt und wir brauchen keine Pestizide», nannte Urs Baur die grössten Vorteile. Bisher hat er nur einen einzigen Baum verloren. Die Volleinnetzung hält viele Schädlinge ab, gegen Blattläuse werden Florfliegen eingesetzt. «Wenn man genau schaut und schnell reagiert, funktioniert das gut.» Der Anbau ohne Pestizide sei machbar, aber ganz ohne Pflanzenschutz in Form von Nützlingen gehe es nicht.
Als grösste Herausforderung nannte Baur die Temperatur im Tunnel. Dieses Jahr rüstete er eine Seitenlüftung nach, um im Sommer ein erträgliches Klima zu haben und im Frühling möglichst lange die Aussentemperatur zu halten. «Wir hatten Mitte Februar die erste Blüte – definitiv zu früh.» Bei Frost schliesst er den Tunnel mit Vlies vorne und hinten vollständig und wärmt mit vier Heizungen pro Tunnel. So habe er diesen Winter bei – 4,5°C Aussentemperatur die Innentemperatur auf immerhin – 1°C halten können, erzählte Baur. Trotzdem gab es sortenabhängige Ausfälle, bei der Sorte «Springblush» 50 Prozent – «Tardif de Tain» im selben Tunnel hingegen musste später massiv ausgedünnt werden.
«Der Tunnelanbau ist wegen der hohen Kosten nur für den Direktverkauf wirtschaftlich», sagte Urs Baur. Die so erzielten 10 Franken Erlös pro Kilogramm seien rentabel.
Freiland und Bio
Bei Bioproduzent Bruno Wirth aus Olsberg wachsen die Aprikosen ohne Netz und Folie. Er hat 23 Sorten angepflanzt auf der Suche nach den sechs Sorten, die am besten auf seinen Betrieb passen. Wie viel Pflanzenschutz nötig sei, hänge stark von der Witterung ab, erklärte er an der Tagung. In den vergangenen trockenen Sommern habe er Tonerde statt Kupfer eingesetzt und sei damit gut gefahren. Bruno Wirth beliefert mit seinen Aprikosen unter anderen einen Grossverteiler.

