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Hagenbuchs Randnotizen: Über sehr viele Bewerbungen

In seiner Kolumne «Hagenbuchs Randnotizen» erzählt Sebastian Hagenbuch monatlich von Alltäglichem und Aussergewöhnlichem aus seinem Leben als Landwirt. Dieses Mal sind er und seine Freundin auf der Suche nach neuen Mietern.

Unser Haus auf dem Mühlehof umfasst zwei Wohnungen: jene von meiner Freundin und mir sowie eine 3-Zimmer-Mietwohnung. Letztere war für sieben Jahre lang das Zuhause eines befreundeten Paares von mir. Es war eine sehr schöne Zeit: spontanes gemeinsames Frühstück, Grillabende, zusammen Feste feiern, das Haus stets in guten Händen zu wissen … Ja, ganz grundsätzlich war die tagtägliche Anteilnahme am Leben meiner Freunde toll.

Die beiden konnten nun ein Haus kaufen und sind mit ihrem Sohn ausgezogen. Für Katja und mich stellte sich die Frage: Wie weiter mit der Mietwohnung?

Wir entschieden uns, die Wohnung sanft zu renovieren. Vor allem Katja, meine Freundin, hat viel Zeit und Energie investiert, alles frisch gestrichen, einen neuen Boden verlegt, die Küche erneuert, die Fenster abgeschliffen und neu lasiert sowie neue Lampen montiert. Nun brauchten wir nur noch einen Mieter. Aber wen?

Die Vermietung ist mehr als nur ein Geschäft

In unserem Freundes- und Bekanntenkreis wurden wir nicht fündig. Auf meinen Aufruf auf Whatsapp meldete sich kaum jemand. Also schaltete ich ein Inserat auf den gängigen Onlineplattformen. Und dann ging gehörig die Post ab: 76 Bewerbungen in gut 48 Stunden trafen ein.

Da hatte es Leute dabei, die schrieben, dass sie in zwei Wochen ihre Wohnung verlassen müssen und noch keine Nachfolgelösung haben. Oder Leute, die in Trennung waren und schleunigst etwas brauchten. Teilweise lag eine gewisse Verzweiflung in den Bewerbungen, die mir zu denken gab. Und wir mussten uns entscheiden: Wen möchten wir als Mieter? Kein leichter Entscheid, denn die Vermietung der Wohnung ist für uns mehr als nur Geschäft.

Wir teilen mit dieser Partei unser Haus, den Keller, den Garten. Unter dem Strich sehen wir unsere Mieter häufiger als die meisten unserer Freunde. Gerne wird als Minimalanforderung für Mieter genannt: kein Ärger. Doch wir wünschen uns etwas mehr als das. Es wäre schlicht schade, nur eine stille Koexistenz frei von Ärger zu führen. Schön wäre es, wenn zumindest hin und wieder ein Schwatz, ein paar flotte Sprüche und gegenseitiges Vertrauen drinliegen würden.

So kannten wir beide, Katja und ich, das von Kindesbeinen her: In den Häusern unserer Kindheit waren auch Mieter zugegen, und diese Menschen gehörten für uns als Kinder bereits einfach irgendwie dazu. Wen wir als Mieter möchten, ist also weniger eine Frage des Leumunds und des Betreibungsregisterauszugs (das ist schlicht und einfach Voraussetzung), sondern eine Frage der Sympathie.

Etwas anbieten, das nachgefragt und geschätzt wird

Wir hatten Glück und fanden eine Person, der wir unsere Wohnung gerne vermieten. Wie sich das nachbarschaftliche Verhältnis dann genau einpendeln wird, kann uns nur der Lauf der Zeit beantworten. Es wird bestimmt ganz anders als zuvor mit den Freunden. Aber wir sind zuversichtlich, dass es auf eine neue Art sehr gut passen wird.

Was uns die Vermietung gezeigt hat: Es ist schön zu wissen, dass wir an einem schönen Ort zu Hause sind, der auch anderen Menschen gut gefällt. In der Hektik des Alltags geht das manchmal fast etwas vergessen.

Und: Als Landwirt bin ich es nicht immer gewohnt, dass ein reges Interesse und eine hohe Nachfrage nach meinen Angeboten besteht. Oft bin ich austauschbar, zum Beispiel, wenn ich einfach Gerste oder Weizen anbaue. Bei der Wohnung ist das anders, und das gefällt mir. Es ist schön, etwas anbieten zu können, das nachgefragt ist und das andere zu schätzen wissen.

Hagenbuchs Randnotizen

Sebastian Hagenbuch ist Landwirt und Agronom. Er führt einen Betrieb mit zwei Standorten in Rottenschwil und Unterlunkhofen im Kanton Aargau. Hagenbuch erzählt in seiner Kolumne von Alltäglichem und Aussergewöhnlichem, wechselt ab zwischen Innen- und Aussensicht, immer mit kritischem Blick und einem Augenzwinkern.