Das Johanniskraut gehört zum Sommer. Seinen Namen verdankt es Johannes dem Täufer. Dieser soll am 24. Juni geboren worden sein. In fast allen christlichen Kirchen wurde der Johannistag gefeiert. Typisch für einen Feiertag ist, dass das Wetter ein grosses Thema ist. Daraus haben sich Bauern- und Wetterregeln entwickelt.
Der Johannistag ist ein Lostag. Das sind Tage, denen gewisse Wettergesetzmässigkeiten zugeordnet werden. Zu den Lostagen gehören zum Beispiel auch die Eisheiligen (12. bis 15. Mai).
Ende Juni steht für die Landwirtschaft die Ernte im Mittelpunkt: Das Wetter am Johannistag soll Hinweise für die kommenden Witterungsverhältnisse zur Erntezeit geben. Weil der Johannistag kurz nach dem Datum der Sommersonnenwende liegt, werden in der Nacht vor dem mittsommerlichen Fest an vielen Plätzen Johannisfeuer entzündet. Die als segensreich geltende Asche der Johannisfeuer wird dann auf den Feldern verstreut.
«Es gibt ganz viele Geschichten rund ums Johanniskraut», bestätigt Michelle Krügel, Inhaberin von «üsi drogerie» in Münsingen BE. Das Johanniskraut mit seinen kleinen, perforierten Blättchen ist eine typische Sonnenpflanze. Wer sie pflückt, hat danach blutrote Finger. Schuld daran ist das blutrote Hypericin, das in den Gewebslücken der Kronblätter enthalten ist.
Kein Wunder, heisst das Johanniskraut im Volksmund auch Blutkraut, Herrgottsblut oder wegen seiner Nähe zur Sommersonnenwende auch Sonnwend- oder Hexenkraut.
Beim Menschen kommt Johanniskraut vor allem innerlich zur Anwendung
Beim Menschen steht die innerliche Anwendung im Zentrum: Als Kapseln verabreicht, hilft die Pflanze gegen mittelschwere Depressionen. Michelle Krügel weist darauf hin, dass es nötig ist, sich vor der Einnahme mit einer Fachperson abzusprechen. Denn Johanniskraut verursacht Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.
Beim Tier weist der Ratgeber «Kräuter für Nutz- und Heimtiere» auf die wissenschaftlichen Ergebnisse hin, die eine Verwendung bei Angst, nervöser Unruhe, Rastlosigkeit, Erregbarkeit, psychovegetativen Störungen und depressiven Verstimmungen empfehlen. Nachgewiesen wirkt Johanniskraut antidepressiv, antibakteriell, antiviral und entzündungshemmend sowie gegen Gewebewucherungen.
Im Alltag verwendet Michelle Krügel das Mazerat. Die Pflanze wird dafür zerkleinert, im Öl eingelegt und an der Sonne stehen gelassen. Das Öl nimmt eine blutrote Färbung an und wirkt wundheilend, entzündungshemmend, schmerzstillend und durchblutungsfördernd.
Bei Tieren heilt Johanniskrautöl Wunden und lindert Schmerzen
Johanniskrautöl unterstützt die Narbenpflege, hilft bei leichten Verbrennungen und Schmerzen, weil die Inhaltsstoffe der Pflanze die Wiederherstellung des Nervengeflechts unterstützen.
Zwei Dinge gibt es bei Tieren zu beachten: Johanniskraut erhöht die Empfindlichkeit der Haut gegenüber Sonnenlicht. «Hat eine Kuh zum Beispiel eine Euterverletzung, sollte Johannisöl unbedingt am Abend aufgetragen werden und nicht am Morgen, bevor sie auf die Weide geht», sagt die Drogistin. Denn die Haut wird so empfindlich, dass kleine Verbrennungen auftreten können.
Der Ratgeber «Kräuter für Nutz- und Heimtiere» weist zudem bei den Anwendungsbeschränkungen darauf hin, dass es bei Weidetieren, die grosse Mengen Johanniskraut abweiden (ab 3 g/kg Körpergewicht), zu schweren Hautreizungen mit Blasenbildung und Juckreiz kommen kann.
Steckbrief Echtes Johanniskraut
(Hypericum perforatum)- Mehrjährige, krautige, 20 bis 100 cm hohe Staude. - Gedeiht am besten an sonnigen Standorten. - Bevorzugt kiesige bis sandige, durchlässige, lockere, humus- und nährstoffarme Böden. - Eignet sich als Topfpflanze. - Ernte der Blüten an trockenen Tagen bei Vollblüte (oberste15 cm inkl. Kraut abschneiden, an einem schattigen und luftigen Ort trocknen). - Am besten erntet man Johanniskraut zur Mittagszeit, wenn es in voller Blüte steht.
Anwendung
Äusserlich Öl: 250 g fein geschnittene Blüten, Blätter und Stängel in einem Glas schichten, mit Pflanzenöl übergiessen und bis zu 6 Wochen dem Sonnenlicht aussetzen. Abseihen und in lichtundurchlässigen Behältern aufbewahren. Hilft bei Verbrennungen, Wunden, Geschwüren, Insektenstichen, Narbenschmerzen und rheumatischen Beschwerden. Innerlich: In der Humanmedizin gegen mittelschwere Depressionen; vor der Einnahme unbedingt eine Fachperson zurate ziehen (Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten). Tee bei Tieren: 1 Teil Johanniskraut und 15 Teile Wasser gegen Verdauungsbeschwerden, Angst und Unruhe.
Quellen
- Enzyklopädie «Essbare Wildpflanzen», AT Verlag, 2013, ISBN 978-3-03800-752-4 - «Heilkräuter im Garten», Haupt Verlag, 2014,ISBN 978-3-258-07830-4 - «Kräuter- und Heilpflanzenatlas», Edition-lmz AG, 2. Auflage 2025, ISBN 978-3-03888-380-7 - Ratgeber «Kräuter für Nutz- und Heimtiere», 2. Auflage 2012, ISBN 978-3-200-02690-2
Haftungsausschluss
Die Informationen zur Pflanze, zu deren Wirkung und das Anwendungsbeispiel sind eine Zusammenstellung aus verschiedenen Quellen. Die Wirkungen und Nebenwirkungen sind nicht vollständig aufgelistet. Die Schweizer Agrarmedien AG übernimmt keinerlei Haftung für die Folgen der Anwendung.

