Buchbesprechungen von Büchern zur Landwirtschaft: Pflanzenbau, Nutztierhaltung und Landtechnik
Unser Fachmagazin für die Schweizer Landwirtschaft bespricht die interessantesten Bücher zu Pflanzenbau, Nutztierhaltung, Landtechnik und Agrarpolitik. In den ausführlichen Buchbesprechungen werden die Fachbücher bewertet und eingeordnet, die Kurzbesprechungen sind naturgemäss eher Lese-Tipps.An diesem Buch gibt es nichts zu meckern. Das Wortspiel kann ich mir an dieser Stelle nicht verklemmen. Mit interessanten Texten, Infografiken und Diagrammen sowie 250 wunderschönen Farbfotos bietet das Fachbuch «Die Ziege – Geschichte, Biologie, Rassen» von Sue Weaver eine Fülle von Informationen und Erkenntnissen über die besondere Biologie der Ziege und ihren Platz in der menschlichen Kultur von der Antike bis heute.
Als LandwirtIn muss man sich aber bewusst sein, dass man kein Fachbuch für die professionelle Ziegen-Haltung in den Händen hält. So weit in die Tiefe geht der Inhalt dann doch nicht – und muss er auch nicht in einem Grundlagenwerk wie diesem.
Die ersten Ziegen kamen aus dem heutigen Iran nach Europa
Nach heutigem Stand der Forschung gehen alle heutigen Ziegenrassen auf die iranische Bezoar-Ziege zurück. Die Domestizierung erfolgte dann vor 11'000 Jahren in Ost-Anatolien.
«Erst» vor 8000 Jahren kamen die ersten domestizierten Ziegen mit jungsteinzeitlichen «Migranten» entlang der Donau und danach entlang dem Rhein nach Mittel- und Nordeuropa.
Dass Ziegen intelligent und neugierig sind, dass sie sanftmütig sein können (wenn sie wollen), dass sie aber vor allem unabhängig und eigensinnig sind – das wissen LandwirtInnen.
«Die Ziege – Geschichte, Biologie, Rassen» erklärt, wie Ziegen «ticken»
Informationen zum Buch
«Die Ziege –Geschichte, Biologie, Rassen» von Sue Weaver Gebundene Ausgabe mit 224 Seiten, 250 Fotos, Illustrationen und Grafiken Haupt-Verlag; 1. Auflage 2021 CHF 36.00 ISBN 978-3-258-08211-0
In diesem umfassenden und reich illustrierten Buch erfährt man aber mehr darüber, wie die Ziegen «ticken». Wie sie mit ihren Artgenossen und mit den menschlichen Haltern seit Jahrtausenden interagieren.
Interessant ist es im Detail zu lesen, wie die Leitziege die Herde zum Fressen und zum Ruhen führt. In der Herde herrscht bis zum letzten Gitzi eine strenge Hackordnung. Ist eine Ziege aufmüpfig, reicht ein schräger Blick einer ranghöheren Ziege, und sie ist in ihre Schranken verwiesen.
Aber egal an welcher Stelle in der Hackordnung eine Ziege steht, sie ist und bleibt zickig. Selbst wenn sie auf der schönsten Weide steht, will sie das Gräslein, das auf der anderen Seite des Zauns wächst.
Lebenslange Erfahrung mit Ziegen in einem Buch zusammengefasst
Die ersten von 38 Schweizer Rassen im Nutztier-Lexikon: Braunvieh, Simmentaler und Edelschwein
Von über 250 in der Schweiz registrierten Nutztierrassen sind 38 Nutztierrassen als Schweizer Nutztierrassen anerkannt. Diese haben vor 1949 ihren Ursprung in der Schweiz oder für sie wird seit mindestens 1949 ein Herdebuch in der Schweiz geführt. Wir stellen diese Rinder, Schweine, Hühner und Co. im neuen Nutztier-Lexikon vor.«Die Ziege» teilt sich auf in die Kapitel:
- Domestikation der Ziege
- Anatomie und Biologie
- Sozialleben und Verhalten
- Haltung und Pflege
- Ziegen und Menschen
Und im Schlusskapitel porträtiert die Autorin Sue Weaver 48 Ziegenrassen aus der ganzen Welt. Aus der Schweiz die Walliser Schwarzhalsziegen, die Gämsfarbige Gebirgsziege vom Oberhasli-Brienzer-Typ, die Toggenburger Ziege, Saanenziege und natürlich die Appenzellerziege.
Sue Weaver ist Autorin von zehn Büchern über Nutztiere und Haustiere auf dem Bauernhof und lebt mit ihrer Familie auf einer kleinen Farm im südlichen US-Bundesstaat Arkansas. Auf acht Hektar hält sie Pferde, Esel, Cheviot-Schafe, Buren- und Nubier-Ziegen, Lamas, Geflügel und mehrere Hunde.

