Tierwohl-Beschwerde gegen Migros: Angekündigt, aber nicht eingereicht

Die Tierschutz-Plattform «Werbemist» wollte gegen eine Migros-Werbekampagne bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission (SLK) Beschwerde einreichen – mehrere Medien berichteten bereits darüber. Eine Recherche der Bauernzeitung zeigt: Eingereicht wurde bislang nichts. Sowohl die SLK als auch die Migros und die beteiligte Stiftung für das Tier im Recht bestätigen, dass keine Eingabe vorliegt.

Vor wenigen Wochen ging eine Meldung durch zahlreiche Schweizer Medien: Die Tierschutz-Plattform «Werbemist» wolle bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission (SLK) Beschwerde gegen eine Migros-Werbekampagne einreichen. Mehrere Redaktionen titelten in der Folge, die Beschwerde sei bereits eingereicht worden. Eine Recherche der Bauernzeitung zeigt: Das ist bislang nicht der Fall.

Die SLK bestätigt auf Anfrage, dass keine entsprechende Beschwerde eingegangen sei. Auch die Stiftung für das Tier im Recht (TIR), eine der vier Trägerorganisationen von «Werbemist», räumt ein, dass die Beschwerde noch nicht eingereicht worden sei. Man werde informieren, sollte dies noch geschehen.

Die Migros selbst bestätigt diese Darstellung: Man sei über eine angekündigte Beschwerde informiert, habe bislang aber keine entsprechende Eingabe erhalten, teilt eine Sprecherin mit.

Worum es ursprünglich ging

Auslöser war der Migros-Werbeslogan «Immer aktuell: Tierwohl». «Werbemist» – ein Projekt von Animal Rights Switzerland, Sentience, der Stiftung für das Tier im Recht und Tier im Fokus – hatte der Migros deswegen «Welfare Washing» vorgeworfen und unter anderem auf Brustbeinbrüche bei Legehennen sowie die CO₂-Betäubung von Schweinen verwiesen.

Die Migros weist die Vorwürfe auf Anfrage der BauernZeitung zurück. Sie sieht sich beim Tierwohl branchenführend: Man belege beim Animal Welfare Rating Platz 1 im Schweizer Detailhandel. Über 90 Prozent des verkauften Fleischs stamme aus der Schweiz, ein Grossteil davon Bio- und IP-Suisse-Qualität. Beim kleinen Importanteil setze man, wo immer möglich, auf Schweizer Tierschutzstandards.

«Fehlende Einordnung»

Konkrete Verbesserungsschritte sieht die Migros vor allem in der «konsequenten Weiterführung von Tierwohl-Labels und -Standards». Als Beispiel nennt sie das mit IP-Suisse initiierte Projekt Optigal, das laut Migros «neue Massstäbe für Tierwohl bei Poulet» setze. Mit dem M-Check werde das Tierwohl zudem auf jedem Produkt transparent ausgewiesen.

Auf die Frage, ob Tierwohl-Themen im Markt in den Hintergrund getreten seien, widerspricht die Migros: Der Eindruck eines Bedeutungsverlusts entstehe «vor allem durch die fehlende Einordnung im Gesamt-Marktvergleich». Beim Importfleisch nennt die Migros konkrete Zahlen: Kalb- und Schweinefleisch stammten zu 99 Prozent, Rindfleisch zu 92 Prozent und Frischpoulet zu über 86 Prozent aus der Schweiz.

Auf den Vorwurf der «Sonntags-Zeitung», die Migros fahre beim Fleisch seit 2023 eine Tiefpreisstrategie, entgegnet das Unternehmen, diese Darstellung «greife zu kurz». Man setze weiterhin klar auf hohe Qualitäts- und Tierwohlstandards.

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