ABO

Schweizer Hagel erhält Konkurrenz: Neue Wetterversicherung auf dem Markt

Die Versicherungsfirma Mobiliar bringt neu eine Wetterversicherung für einjährige Kulturen und sorgt damit für Konkurrenz, wo Schweizer Hagel bisher allein agierte. Diese betrachtet die Entwicklung mit Gelassenheit.

In die landwirtschaftliche Versicherungslandschaft kommt Bewegung. Was die Versicherung von Kulturen gegen Elementarschäden angeht, hatte die Schweizer Hagel bisher ein weitgehendes Monopol. Nun kommt die Mobiliar mit einem Angebot, das bei den Produzenten durchaus auf Interesse stossen könnte, da Schadenszahlungen schon vor der Ernte möglich sind.

420 Franken pro ha Kartoffeln

Die Mobiliar bietet neu eine Wetterversicherung, die in einem ersten Schritt für einjährige Kulturen angeboten wird. Versichert sind neben Schäden durch Hagel auch solche durch Frost, Trockenheit und Staunässe.

Wie das Angebot aussieht, zeigt ein Beispiel auf, das die Versicherungsberatung der Luzerner Bäuerinnen und Bauern ihren Kunden präsentiert hat:

  • Die Wetterversicherung übernimmt bis zu 60 Prozent des Ertrags, den ein Produzent bei einer normalen Ernte gehabt hätte.
  • Ein Produzent rechnet für eine Hektare Kartoffeln mit einem Brutto-Feldertrag von 20 000 Franken. 60 Prozent, also 12 000 Franken, versichert er über die Wetterversicherung.
  • Sind durch ein Wetterereignis nur 15 Prozent der Ernte verloren, muss der Bauer aufgrund des Selbstbehalts den Schaden selber tragen.
  • Ist die Hälfte der Ernte zerstört, zahlt die Versicherung 50 Prozent des erwarteten Ertrags, also 10 000 Franken.
  • Fallen 80 Prozent des erhofften Ertrags weg, erhält der Produzent die maximaleSumme von 12 000 Franken.
  • Der Richtpreis für die Versicherung einer Hektare Kar-toffeln für ein Jahr ist laut Mobiliar-Mediensprecher Jürg Thalmann 420 Franken.
  • Versichert werden neben Kartoffeln Mais, Wintergetreide (Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste, Triticale) und Raps.

Bei der Einführung konzentriert sich die Mobiliar laut Thalmann auf einjährige Kulturen; manwerde das Angebot aber stetig weiterentwickeln, so der Sprecher.Seine Firma sei der grösste Landwirtschaftsversicherer mit einem Marktanteil von rund 40 Prozent. Die Wetterversicherung sei nicht zuletzt im Kontext des Klimawandels ein grosses Bedürfnis der Kunden, sagt er zur Begründung für den Einstieg ins Geschäft mit dieser Art von Policen.

Schadensermittlung online

Auf die Frage, ob die Prämien günstiger seien als diejenigender Hagelversicherung, antwortet Thalmann ausweichend. Weil es sich um eine neues Produkt handle, sei die Vergleichbarkeit mit anderen Angeboten im Markt nur bedingt möglich. Angeboten werde die neue Versicherung in der Startphase von 20 Mobiliar-Generalagenturen. Weitere regionale Zusammenarbeiten mit Verbänden und ähnlichen Institutionen seien in Abklärung, sagt der Versicherungssprecher.

Bei der Schadensermittlungarbeitet die Mobilar laut eigenen Angaben mit datenbasierten Technologien. Auf die Frage, was es damit auf sich habe, erklärt Jürg Thalmann: «Wir prüfen zunächst das Schadenausmass basierend auf den aktuellen Wetterdaten. Ausgehend vom Saatzeitpunkt errechnen wir dann das Wachstumsstadium der beschädigten Kulturen. Mit diesem Vorgehen können wir die Schadenhöhe einschätzen. In der Startphase werden die Schadenfälle noch von einem Schadeninspektor besichtigt. Ziel ist es, dass die Berechnungen dereinst so zuverlässig sind, dass keine Besichtigungen vor Ort mehr nötig sind».

Mit dieser Art von Schadensermittlung dürfte der personelle Aufwand geringer sein als derjenige der Mitbewerberin, wodurch sich die Mobiliar offenbar einen Konkurrenzvorteil erhofft.

Nicht die erste Konkurrentin

Man darf gespannt sein, ob sich das neue Angebot durchsetzen wird, frühere Konkurrenten für die Schweizer Hagel sind jeweils gescheitert. Das Bonus-Malus-System der bisherigen Monopolistin hat aber gerade im intensivenHageljahr 2021 bei vielen Produzenten für Sorgenfalten gesorgt, das könnte der Konkurrenz den Einstieg erleichtern helfen.

Was sagt Schweizer Hagel zur neuen Konkurrenz?

Die Schweizer Hagel verfolgt das Auftauchen der neuen Mitbewerberin mit Gelassenheit: «Wir betrachten Konkurrenz als normal und respektieren sie, aber fürchten sie nicht», schreibt Sprecherin Esther Böhler auf Anfrage. Die Schweizer Hagel sei seit Jahrzehnten auch in Frankreich und in Italien aktiv, Märkte mit jeweils über zehn Anbietern. Über die Jahre zahle sie über 90 % der eingenommenen Prämien aus. Bei den Schweizer Sachversicherungen liege diese Zahl zwischen 50 und 60 %. Zudem decke man deutlich mehr als vier Wetterrisiken ab. «Im Gespräch mit unseren Versicherten arbeiten wir an neuen Lösungen, in welchen die Anforderungen im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung sowie neuen Technologien einfliessen», sagt Böhler, gefragt nach den Zukunftsplänen.

Weiterlesen